Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1872)
- Date
- 1872-12-10
- Page
- Seite 1002 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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im verwundern, Meint den hochwürdige 'Herr.'— daß Lei solchen confessionslosen Einrichtungen sich so häufige Unglüchsfälle ereignen. (Ol) wohl jemals ein Jude, auch in der dunkelsten Zeit des Mittelalters, noch dazu aus einer nicht ganz ununterrichteten Claffe, wie es doch mit'diesen Prälaten der Fall sein muß, solchen Blödsinn gehegt hat?) ftteDet'ben'touren SttttuYauftanb der Römer, und zwar zur Blüthezeit ihrer classischen Literatur, können wir nicht nach den Schriftwerken dieser Zeit urtheilen. Die Griechen nannten sie zu aller Zeit Barbaren, und mit Recht. Wohin sie kamen, und sie kamen allerdings überall hin, nur mit dem Schwerte/ verzehrten und zerstörten sie Alles. Entsetzlich lautet die Schilderung, welche St'rabo von Griechenland ein' Jahrhundert nach der Zerstörung von Korinth durch Consul Mummius 5 entwirft: Hunderte von Städten und. Taufende von Dörfern seien 'vom Erdboden verschwunden und gleichsam, weggefegt. Flavius Josephus schreibt: Das römische Belagerungsheer selbst unter dem milden (??); Titus habe die Landschaft auf vier Stunden im Umkreise Jerusalems förmlich kahl geschoren, ja aus purer Zerstörungswuth auch nicht einen Stamm mehr übrig gelaffen. Und über den letzten jüdischen Krieg unter Barkochba macht Fallmerayer die geistreiche Bemerkung: Wenn man nicht wüßte , wo das furchtbare Drama ausgespielt, und die Nation in die letzte Reichsfestung zusammengedrängt,- förmlich zerstampft und zermalmt wurde, so dürfte man nur auf die melancholisch düsteren Trümmer um Chörbet el Jahud blicken , welche die Grabstätte der jüdischen Nationalhoheit für ewige Zeiten bilden. In keinem Striche des gelobten Landes hängt' der Beisatz „Ruine" (Chörbet) an einer so maffenhaften Anzahl alter Dörfer, wie jetzt nach mehr als siebzehn Jahrhunderten noch um Bettir. Und doch macht man der jüdischen Nation zum Vorwurf, dieser Art Cultur fern geblieben zu sein! Ein Unglücksfall, der bis jetzt bei Juden höchst selten vorgekommen! Die Berliner Bl. schreiben: Am Sonntag hat in der Nähe von AltlandSberg ein Iagdunglück stattgefunden, das in den betreffenden hiesigen Kreisen große Theilnahme erregt. Herr Julius Markwald, einer der Chefs des hiesigen großen Wvllgeschäfts Israel Marcus Söhne, veranstaltete auf dem von ihm gepachteten Jagdreviere bei Altlandsberg eine große Jagd, an welcher u. A. auch der siebzehnjährige Sohn Max des genannten Herrn und der Jägerlieutenant O. Theil nahmen. Eine von dem Letzteren abgeschoffene Kugel ricochetirte so unglücklich von einem Baume, daß finden jungen. Markwald gerade vor die Stirn traf, und.bis in daS Gehipudrang: Ungeachtet der Bemühungen der geschicktestenauf Requisition herbeigeeilten hiesigen Aerzte trat nach wenigen. Stunden der Tod ein. Aus dem Stadttheater zu Wien (Laubetheater). Die jüdischen Mitglieder dieser Bühne — und es sind, deren so viele, daß die Bildung, des Repertoires ohne, sie kaum denkbar ist — hatten den Wunsch ausgesprochen, am israelitischen Versöhnungsfeste nicht zu spielen. Dieses ^ällt auf den 12. October, und weder der „Bruderzwist"- noch „Konrad Vorlauf", oder „Hamlet", noch das „Stiftungsfest" sind für das Stadttheater (welches naturgemäß noch keine große Auswahl von KomiZdien hat^ möglich , wenn die Herren und Damen Israeliten sich' weigern, an einem , ihrer Festtage zu tragiren. So hatte denn die Direction für den 12. October zwei Lustspielnovitäten angesetzt, deren Auffühxung ohne die Mitwir^- kung der Juden möglich ist.' , (P. L.) Curiosllm. Gott und die französische Republik.'In einem launigen Artikel veröffenMcht das pariser „Evenement" die zwischen dem Bischof, von Versailles und Thiers' Secretür, Barthälemy de.:Saint-Hiläire, 'äusgetaufchten^Bortz schlage über die" Gebetsformel, welche den Segen^ des Himmels auf die Republik herniederflehen soll. Der Bischof verlangte die Meinung Barthdlemy's zu wiffen/ und dieser schlug die Formel vor: „Domine, salvam fac Rempublicam!“ Der Prälat verlangte eine Formel) die den Deputaten der Rechten gepaßt hätte: „Domirie; salvum fac foedus Burdigalense“ (Pact von Bordeaux): Neuer Brief von Barthölemy, in welchem er das Gebet verlangt: „Domine, salvum fac praesidentem ReipuRlicjae semiricis!“ Der Bischof antwortet mit dem Vorschlag': „Domine, salvum fac honestum exper imenluml/f (es ist damit der zu einem stehenden gewordene Ausdruck „68831 lo^al" mit der Republik gemeint). Das ^Evenement" schlägt zuletzt noch die Formel vor: „Domine, salvum fac praesidenlem provisorium atque Barlholömaeum sanclum Mlariurn!" Barthdlemy de Saint-Hilaire wirb sich sehr geschmeichelt fühlen. A.' ’ Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. . iv Verantwortlicher Redaetmr Dr. H. Lotze. , . > : vs