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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-12-10 · Heft 50 (10.12.1872) · p. Seite 987

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 50 (10.12.1872)
Date
1872-12-10
Page
Seite 987 (sequence 5)
Language
German
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gebrachten:; Formen stehen blieb , so war die Gefahr für Dasselbe nicht geringe Alles Selbstgefühl schien erloschen oder-dem Erlöschen zuzueilen. -Nun, es hat-diese Krise bestanden, und,wir können ßetzt! wohl' ruhig aussprechen, daß daß Judenthum seinen ewigem, ' Alles!-überwindenden Inhalt glänzend dargelegt hat.. ' Die den günstigen Umschwung fördernden Momente wollew wir -kurz skizziren. Zunächstdarf nicht übersehen werden, daß das Eindringen der Bildung in die große jüdische' Massen nur; allmälig stattfand, daß daher der durch. seine, falsche Auffassung der Cultur abirrende Theil doch nur ein sehrkleiner Bruchtheil war, so daß die Zeit nicht fehlte, mm eine Rückkehr von dieser Verirrung mHzlich zu machem Alsdann' bewährte sich hinsichtlich der-Aneignung der Cultur in dem jüdischen Stamme eine >,so - enorme.Befähigung, er schritt in der Bildung so. schnell vorwärts, er Lracbte eine so. große Zahl tüchtiger;, ja ausgezeichneter Männer hervor, daß der Unterschied-. zwischen den- Juden und den Christen in allen Culturbeziehungen sich schnell, über alle Erwartung schnell, auSglich/. so daß jene Mißachtung,- die sich der Juden selbst gegen - ihren Stamm bemächtigt hatte, in ein neues Selbstgefühl umschlug, das in der Treibkraft des jungen Cultursprosses -seine Rechtfertigung fand, . nämlich eine hohe Schätzung der in den Juden vorhandenen Befähigung. Hierzu^ kam-der.Kampf um diebürgerliche und sociale Emancipation. Wer sich ungerecht verachtet und rechtswidrig behandelt sieht, der empfindet ein Gefühl der Entrüstung, welches ihm die sittliche Nothwendigkeit auferlegt, von der Fahne nicht zu desertiren, sondern sie hochzuhalten und für?-sie - bis» zum Siege zu kämpfen. 9a, wer es weiß, daß ihm blindes Vorurtheil, Engherzigkeit und unverdienter Haß Nachtheile schafft, der geht, wenn, er nicht gemeiner Natur ist, nicht hin, um sich durch Abfall das Gegentheil zu erkaufen, sondern er strengt, sich an, durch den Erweis seines Werthes und die Darlegung seines Rechtes dem Gegner die Waffen zu. entreißen. Cs bemächtigte sich, der Juden das Bewußtsein,- daß -sie im Dienste des Rechts und der Freiheit litten und . stritten; aus dunklem Gefühle trat es in's Licht;: der-. Erkenntmß, daß es-sich nicht blos um die Juvenij sondern um die nothwendige Umgestaltung des Staates «und-: der ganzen Gesellschaft, nach den Principien des .Rechts und der Freiheit handele. Man würde Unxecht Hun,. wenn man.-glaubte, daß diese hohe Anschauung Mt ausgezeichneten,: edeLstefl! . Geistern Mter den Juden.-zu eigen ward. -/.Als. Ahnung und Gefühl.dirrchdrang sie die ganze jüdische Masse, anknüpfend natürlich Überall an die sichtlichen, persönlichen Interessen^ Dies beweist die immer bewährte Neigung der gesammten jüdischen Masse, jede Bestrebung auf diesem Gebiete zu unterstützen, und sich selbst da nicht zurückzuziehen, wo offenbar schwere Lasten mit der Erlangung des Rechts verknüpft waren, ja sogar wenn sie einsah, daß gewisse religiöse Satzungen und Bräuche bei der zu erlangenden staatsbürgerlichen Stellung gefährdet würden. Es ist augenscheinlich , daß Dies das Selbstgefühl der Juden, und zwar in-edelster Weife, wieder wecken und erscheinen lassen mußte. Wir wollen noch hinzufügen, daß die engen Familienbande, die sich durch alle Zeiten im jüdischen Stamme erhalten hatten, viele Individuen, die innerlich für das Judenthum erkaltet waren, doch in demselben festhalten mußten. Alle diese Ursachen hatten jedoch nur für eine kürzere oder längere Zeit äushalten können; sie mußten für sich allein nach und nach absterben und verschwinden; sie vermochten die Krise aufzuhalten, aher nicht Heilung zu bringen; sie bereiteten den Boden, um eine neue Aussaat zu empfangen, aber sie waren nicht die Saat selbst, nicht die Blüthe, nicht die Frucht, die gezeitigt werden mußte. Diese konnte nur der Inhalt des Äudenthums selbst sein. Es mußte sich jetzt erweisen, daß der Gedankeninhalt, daß die Lehre des Judenthums, abgesehen von allen Formen und geschichtlichen Daten, eine für seine Bekenner überwältigende Macht der Ueberzeugung besitze, so daß jene sie auf die Dauer nicht aufzugeben vermochte. Und Dies geschah. Mitten inder Cultmentwickelung konnte es nicht ausbleiben, daß der Geist sich diesem innerlichen Gehalte des Äudenthums zuwandte, ihn, von der Form abstrahirend, zu erfassen und mit dem der anderen Religionen zu vergleichen an fing, und, schnell zu einer Klärung gelangend , darin fortschritt. Während das Judenthum in den letzten Jahrhunderten sich nur in die Formen versenkt, und vom Lehrinhalte fast ganz abgesehen hatte, strahlte jetzt in entscheidender Zeit daö Licht dieses Inhalts wieder auf, erwärmte die Geister, und brachte schon wieder einen Enthusiasmus hervor, der in kurzer Zeit auch in die Masse drang. Folgerichtig ging man von der Lehre bald auch zur Form über , und bereits vor fünfzig Jahren leiteten sich die Reformen des Gottesdienstes ein, welche von der einen Seite zahlreichen Individuen, religiöse Wärme wieder einflößtenanderntheils Kämpfe hervvrriefen, die,; unerquicklich an -sich, - doch in -großem - Maße die

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