Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1872)
- Date
- 1872-12-10
- Page
- Seite 986 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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außer.-er Körperwelteim GeifieswÄt an, und führb-^- zw.Gott. Unfern .Lesern, kann es nicht zweifelhaft sein, welcher Richtung Strauß gefolgt ist.?? Aber 'wieer sich auch, sträubt, er vermag, sich von. der; Anderen nickt frei zu halten. Seine „Idee des Universums", seine „Vernunft^ und. Güte des All",. sind Vorstellungen, welche er mit - hinübergenommen hat, und die ihm als ein - guter West, der Dogmatik schließlich Alles verwirren. Strauß ist also nicht neu und längst überholt. Vergebens klammert er sich an-Kant; Voltaire und Karl Vogt haben ihn erfaßt- und ziehen ihn sich nach; vergebens schrecken ihn Schopenhauer und von Hartmann ab; daß er sich ihnen nicht ergiebt, fällt ihm zur Schwäche aus. Nur seine eigenthümlichen stilistischen Vorzüge, nur weil er mit.Offenmuth und Gewandtheit die Gährung,. welche gegenwärtig vorhanden ist, zum Ausdruck bringt, und zwar; für die sogenannte gebildete Welt verständlich macht, verschafft?ihm eine augenblickliche Geltung. Wir nennen sie augenblicklich, weil sein Werk aus keiner gründlichen Forschung beruht und der wiffenschaftlichen Vertiefung entbehrt. Er zeichnet vielmehr nur zeitweise Geisteszustände, und gegen Diese haben wir die Abwehr versucht. Das Lelbstgefihl der Ä«-r«. m. ■ ■■ ■ Der Eintritt in das allgemeine Culturleben seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts mußte auf das bis dahin so nachhaltig genährte und durch alle geschichtlichen Verhältnisse geförderte Selbstgefühl der Juden von außergewöhnlicher Einwirkung sein. Es drängte sich den Geistern alsbald die Einsicht auf, wie weit sie, die Juden, in Wissenschaft und Kunst, in Bildung und Gesittung, in politischem und socialem Leben, in der Sprache, die sie redetenin. der ganzen Erscheinung, in der sie auftraten, zurückgeblieben, wie weit ihnen die Völker in allen Schichten hierin vyrangeschritten seien- Hierzu kam das stärkere Bewußtsein der tiefgehenden Miß- und Verachtung, in welcher. die Juden bei allen Claffen der Bevölkerung standen. Daß sie wußten, daß sie an Beidem nicht selbst schuld seien, sondern daß .-man ihnen diese Lage -von Außen, her. bereitet habe, konnte sie doch-darüber nicht hinausheben. Selbst die äußere Erscheinung des Judenthums in seinem Eultus, zn welchem so Vieles mißbräuchlich und veraltet geworden roar, stellte Wtn Nachtheil bei der Vergleichung mit - den anderen Reli-- gionsgesellschaften; die vollständige Gebundenheit an -die überlieferte Satzung und die herkömmliche Sitte^ brachte die Conflicte - mit dem Leben , dem ihr Geistsich? zugswandt hatte; in Menge herbei, und selbst dass Studium des Talmuds war in den letzten.Jahrhunderten auf solche Abwege gerälhen, daß es bei den ersten Schritten in der wiffenschaftlichen Bildung in; Mißcredit? gerieth?- Alle diese Momente mußten verderblich auf das jüdische Selbstgefühl wirken, so daß es: fast in das Grgentheil nmschlug. Hierzu gesellte sich der Umstand, daß die christliche Kirche damals in Frankreich im- Encyklopädismüs, in Deutschland im Rationalismus steckte , , so daßtheilS die Nichtachtung des -Religiösen, theils - die Abschwächüng der christlichen Dogmen den Gegensatz zwischen: Judenthum und Christenthum verdecktem Es war hiermit eine Krise für die Juden eingetreten, .bei der 'es -darauf ankam, ob und wie das Judenthum sie . bestehen werde: In der ersten Zeit nahm diese Krise einen traurigen Verlauft Der religiöse Jndifferentismus trat -sw stark auf, daß der Abfall vom Judenthume, der Uebertritt von einer Religion -zur änderen, als eine ganz gleichgültige, wenigstens leicht, motivirte Handlung angesehen wurde. Sobald eine Familie oder ein: Individuum -von der vä^ terlichen Sitte sich nur einen Schritt' entfernt hätte; erschien es als ein Leichtes, sich taufen zu lassen. Di« Einen trieb die Noth, entweder um sich an einem Zauderen Orte niederlassen zu dürfen, oder -um «in StckttSamt, oder auch nur um eine Geldunterstützung -zu er* halten; die Anderen wollten ihren -Kinder« . Die: Nachtheile, die noch mit der Stellung als JÄde verbunden waren,-ersparen, ihnen die volle Freiheit im bürgerlichen Leben verschaffen; bei den Dritten war eS die reine Modesache, um ihre persvnMe Freideukerei;-ihre indivii« duelle Freiheit von allen religiösen Rücksichten -zu erweisen. Daß eine wahrhafte Ueberzeugung die größte Mehrheit Derer, die sich damals taufen ließen, nich't angetriebe« habe, geben die christlichen SchriftMer selbst zu, womit freilich nicht gesagt ist, daß keine kleine Zahl der Getauften eine pietistische Richtung annahm, Md daß überhaupt die.Getauften in der Regel einen stärken Judenhaß athmeten 'und diesen, wo sie konntenbethMgtra» Dieser Zustand dauerte, namentlichin gewissen. Stävteä, Jahrzehnte, und?da die Menge -der gebildeten Juden. DH mehrte, die Meisten Dieser dem Judenthume sich entfremdeten, und Dieses noch immer vollständig nn seinen -hei>