Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1872)
- Date
- 1872-12-03
- Page
- Seite 973 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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verrottete, phantastische, trotzdem aber immer eg Mische Polenthum Sympathien haben, das. ewig nur in hoher Politik macht mit dem ganz praktischen Nebengedanken, beim Gelingen seines Strebend vom Marke der nichtpolnischen Einwohner zu zehren! D onaufürstenthümer. Bukarest, 12. Nov. Wie die „Rum. Post", mittheilt, ergehen sich die rumänischen Blätter, wie man von ihnen gewohnt ist, in den heftigsten, schamlosesten Ausfällen gegen die brüsseler Conferenz, weil diese die Auswanderung der Juden aus Rumänien weder empfiehlt, noch zu fördern beschlossen hat. Sie finden darin das Zugeftändniß, daß es den Juden in Rumänien gut gehe und Alles lügenhaft sei, was über deren Mißhandlung und Verfolgung berichtet worden sei, während sie doch selbst, diese rumänischen Blätter, täglich den Beweis liefern, daß es die bitterste Wahrheit ist. Jedenfalls liegt darin der Beweis, wie unangemessen der Vorschlag gewesen ist, bevor man sich der Zustimmung und Unterstützung der hervorragenden Persönlichkeiten unter den europäischen Juden versichert Me. Bukarest, 15. Nov. Wie wir bereits witgetheilt haben, hat Herr Epureano das Justizministerium übernommen. Soeben wird das; Circulär veröffentlicht, welches derselbe an die Justizbehörden des Landes gerichtet hat. Wir würden dem Lande und besonders unfern armen Glaubensgenossen Glück wünschen, wenn der neue Justizminister dieselbe Energie in Thaten bewährte und zu bewähren die Hindernisse nicht zu unübersteiglich finden Möchte, wie er sie in Worten ausspricht. Die rumänischen Journale haben sich immer sehr verletzt und entrüstet gezeigt, wenn man über die Entartung und Erbärmlichkeit der rumänischen Gerechtigkeitspflege klagte. Herr Epureano in seinem Circulär drückt sich in härtester Weise über diese Carricatur von Justiz aus , und so wird man über die Thatsächlichkeit dieses abscheulichen Zustandes wohl keine Zweifel mehr hegen können. So sagt er u. A. : „Kraft des Principes der Theilung der Gewalten kann der Justizminister weder zum Guten noch zum Schlechten eingreisen. Der Cassationshofist größtentheils berufen die gesammte Magistratur zu^controliren, so daß diese sich selbst zu beaufsichtigen scheint. „Steigen wir jedoch von der Höhe dieser Principien zur Wirklichkeit herab, so finden wir eine traurige Leere, denn wir dürfen fragen, was die Folgen., die Tausende von , entkräfteten und casfirten Urtheilen, für die Urheber derselben nach sich gezogen haben. Sind die Urheber der monströsen Urtheile dem Ministerium denuncirt worden, damit dieses in den Stand gesetzt werde, die Schlechten von den Guten zu unterscheiden und die Ersteren nicht mehr anzustellen?" . . . „Bezüglich der Criminalprocedur ist es notorisch, daß die Unterschlager öffentlicher Gelder meist straflos aus - gehen, und daß in den Landgemeinden durch zahlreiche Diebstähle die größte Unsicherheit herrscht, ohne daß die Justiz in irgend wirksamer Weise einschreiten könnte." . . . „Gewiß ist, daß die Zahl der Processe in entsetzlicher Weise wächst, und diese meist alle Instanzen durchlaufen. Das Phänomen würde sich erklären, wenn unser Nationalreichthum, unser Handel oder unsere Industrie in demselben Maße gestiegen wären, was nicht der Fall ist. Was mag also der Grund sein? Einige behaupten, es sei unser Charakter, das Loos der gewagtesten Processe - bis zur letzten Instanz, zu erproben. Ich theile diese Ansicht nicht, und hätte sich diese bedauerliche Tendenz in unsere.Sitten eingeschlichen, so läge es dem Gesetzgeber um so mehr ob, dagegen zu reagiren." Jassy, im November. Wenn das von der Conferenz eingesetzte Executivcomits in Wien um Gründung von jüdischen Schulen in Rumänien seine Bemühungen beginnen wird, muß es mit der Vorstellung großer Schwierigkeitenan's Werk gehen, die einentheils in dem Obscurantismus der dortigen Bevölkerung, anderentheils in dem Mangel an bedeutenden Geldmitteln liegen, da die Bevölkerung selbst für eine dauernde Existenz der Schulen eine nachhaltige Geldunterstützung zu geben wenig gewillt ist. Diese Ansicht bietet eine Correspondenz aus Jassy vom 2. November in der „Rumänischen Post", welche den Untergang dreier nacheinander gestifteten jüdischen Volksschulen seit dem Jahre 1861 darstellt. Die jüngste Knabenschule ist soeben eingegangen, und mit Mühe nur ein kleiner Kern gerettet worden. Eine Mädchenschule jedoch ist noch bestehen geblieben.