Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1872)
- Date
- 1872-12-03
- Page
- Seite 972 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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scheint dies nicht zu genügen, und darum die Angriffe desselben. Aber wäre es' nicht angezeigter-gewesen, die Sache zu ignoriren, als sie durch den Jnseratentheil im Lloyd noch mehr zu verbreiten? Herr Pollak möge sich hüten, mit Herrn Reich den Kampf aufzunehmen, weil Herr Reich-' was sich nicht läugnen läßt, viele bedeutende Rabbiner, "sogenannte 2^1^, auf seiner Seite hat. Hier'ist Schweigen' wirklich-Goldl ' Von andern Gemeinden in Ungarn kann ich Ihnen Llos von Temesvar heute mittheilen, weil mich dies Thema 'zu weit führen würde. In -Temesvar, wo durch locale Verhältnisse seit lange Streitigkeiten währten und die Gemeinde in drei Theile: Festung, Josephstadt und Vorstadt Fabrik, sich theilte und spaltete, ist zum Theil der Friede, wenn auch nur ein fauler Friede, hergestellt worden. Herr Rabbiner Dr. Hirschfeld, der zu tief in die Gemeindestreitigkeiten hineingerathen war, hat resigmrt und das Rabbinat zu Temesvar für eine Abfindungssumme von 4000 fl. aufgegeben. Herr vr. Hirschfeld ist bereits nach Wien übergesiedelt, und die Gemeinde in Temesvar hat beschlossen das Rabbinat vorläufig unbesetzt zu lassen. — Die kleinen Schomre-hadath-Gemeinden in Arad und Szeged in vegetiren blos. Der Vorstand in Arad und Szegedin läßt die kleinen Leutchen nach ihrer Faxon selig werden. Lemberg, 30. Octbr. Die „Wahrheit" enthält folgende Correspondenz: Unser Land scheint seit einem Jahre zum Herde großen Unglückes erkoren zu sein, und zwei Üebel der schrecklichsten Art haben besonders viele unserer Glaubensgenossen betroffen. Gräßliche Feuersbrünste vernichten nicht nur viele Habe, sondern auch Menschenleben und ganze Städtchen oder Dörfer werden ihre Opfer. So wurde jüngst erst Jaroczowein Städtchen unweit Lemberg, bis auf vier Häuser völlig eingeäschert, und trat nicht viel weniger vernichtend wirkten die Brände in Rava ruska, Tarnopol- Bely und Komarno. Doch sendet das Schicksal nie ein Unheil, ohne die Tröstung sofort folgen zu lassen, und diese bietet sich uns in dem als ausgezeichnet bewährten Wohlthätigkeitssinne Israels.. Hier hat sich sofort bei der Nachricht von den vielen Unglücksfällen auf Anregung unseres Rabbiners Nch thanson ein Comits vön 25 Männörn behufs Sammlung von Spenden constitmrt. Der greife%= thanson hat es sich' nicht nehmen lassen, irr einem der 'Bezirke, in welche das Comits'die Stadt für-seine Thätigkeit getheilt ha.t> selber von Haus zü Haus, von Thüre zu Thürezu gehend Kleider und Wäsche-sind in großer Menge gespendet worden, und der Dämpf-- wühlen- und Bäckereibesitzer Herr Thoni hat 600acht- und 12pfündige Laibe Brot gespendet. - - -- Die . gesammelten Gelderl'Wenl'-zMWiederanfbW' der ' Wohnungen verwendet' werdön. Leider kannman nicht äüf -Steingebäude reflectiren,- sondern - muß - des rascheren und wohlfeileren Baues wegen Holzbaracken errichten , die leicht wieder ein Raub der Flammen werden. Das zweite, noch viel gräßlichere Uebel, das hier wüthet, ist die Cholera,' welche aus Rußland zu uns herüberkam. Merkwürdiger Weise erscheint dieser asiatischen Furie gegenüber die menschliche, auf Gott vertrauende Hülfe mächtiger als gegenüber dem Feuer. Sobald hier die ersten Erkrankungen vorfielen, schritt man zur Errichtung von Gesundheitscomitss, deren erstes sich aus der Mitte des hiesigen Commis- und Buchhaltervereins constituirte. Eine vom Obmanne und Arzte dieses Vereins, Herrn R. Vierer, verfaßte Belehrung über diätetisches Verhalten während der Dauer der Epidemie wurde in 1000 Exemplaren in deutscher Sprache und hebräischer Schrift vertheilt und affichirt. Den Tag über wurden Suppen und' Abkochungen von magenstärkendem Thee vertheilt, in der Nacht hielten Gemeindemitglieder Jnspection, und Wagen standen immer angespannt, um Aerzte nach Orten der Gefahr zu holen. Auch der Handwerkerverein leistete in ähnlicher Weise nach seinen Kräften sehr Anerkennenswerthes. Noch ein drittes Comits war thätig, und es scheint, das Uebel sei dem vereinten Bestreben nach Rettung gewichen. Heute hat sich das erste Rettungscomits aufgelöst, und dem Publicum die frohe Rächricht von der Möglichkeit dieser Auflösung durch ein Manifest mitgetheilt. Das edle Polenthum hat sich auch bei dieser Gelegenheit in seinem ganzen- Glanze gezeigt. Während die israelitischen Hülfscomitss jüdische und nichtjüdische Aerzte gleicherweise zu Patienten riefen und honorirten, hat der hiesige Magistrat aus den Stadtrenten christliche Choleraärzte mit je 10 fl. Diäten täglich honorirt, von Aerzten jüdischer Confession wurde kein einziger vom. Magistrate beachtet. Und doch zahlen Juden wie Christen, nur erstere gewöhnlich verhältnißmäßig mehr, in die Stadtrenten. ’ Und da will man, daß-wir für dieses