Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1872)
- Date
- 1872-12-03
- Page
- Seite 971 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Grundstock geflossen. Das reine Vermögen beträgt 92,328 fl. und hat in diesem Jahre um 4428 fl. zwgenommen. — Von culturhistorischem Interesse ist es * diesen Bericht mit einem 25 Jahre zurück zu vergleichen. Von den. früher größten Judengemeinden sind nur noch wenige Spender aufgeführt , während die Städte Stuttgart, Heilbronn und Ulm das größte Contingent stellen. Manche Gemeinden sind gar nicht mehr zu finden. Eines ist sich gleich geblieben, der Eifer, diese Anstalt der rettenden Menschenliebe aufrecht zu erhalten und ihre edlen Zwecke zu fördern. Oesteneichischungarische Monarchie. Wien, 18. November. Am 15. November d. I. verschied in Unter-St.-Veit Herr Moritz Goldberger, vormals Kaufmann in Wien. Wie uns mitgetheilt wird, legte er in seinem vor einiger Zeit errichteten Testamente seiner Gattin und Universalerbin, Frau Racheline Goldberger, die Verpflichtung auf, aus seinem Nachlaßvermögen die namhafte Summe von 50,000 fl. zu wohlthätigen Zwecken an mehrere von ihm bezeichnete öffentliche Institute letztwillig zu verwenden und bis dahin auf ihren Realitäten sicherzustellen. Neben den für viele israelitische Anstalten und Vereine ausgesetzten Vermächtnissen im Gesammtbetrage von 23,800 fl. legirte der Erblasser dem Spitale der barmherzigen Brüder in Wien 1000 fl., dem Rettungsfonds für verwahrloste Knaben in St.-Veit 200 fl., zur Begründung von drei Stipendien für je einen mittellosen Candidaten des medicinischen, juridischen und philosophischen Doctorats 3000 fl., und eines Reisestipendiums für einen Maler 1000 fl. Das Curatorium der hier angeführten Stiftungen, bei deren Verleihung auf die Confesfion des Bewerbers keine Rücksicht zu nehmen ist, ist dem jeweiligen Bürgermeister der Stadt Wien übertragen. Endlich errichtete Herr Moritz Goldberger drei Stipendien zur Förderung der Kenntniß des Judenthums und dessen Literatur im Bettage von 21,000 fl., und vermachte seine Bibliothek dem jüdisch-theologischen Vereine Beth-Hamidrasch in Wien. Zum Testamentsexecutor ist Herr vr. Wilhelm Lichtenstein, Hof- und Gerichtsadvocat in Wien, ernannt. Prag, 18. Nov. Die kolliuer Jsraelitengemeinde erhielt von dem kolliner Bürgermeisteramte den Befehl, die deutsche Aufschrift: „Eingang zur ewigen Ruhe" an der Friedhofspforte zu entfernen und durch eine czechische Aufschrift zu ersetzen. Die Israeliten ersetzten die deutsche Aufschrift durch eine hebräische. Altofen, 11. Nov. (Privatm.) A.ZL Die Eulturentwickelung nimmt unter den Juden in Ungarn stets größere Dimensionen an. Herr vr. Goldziher, welcher von der Regierung ein Stipendium bezogen und in Leipzig und Berlin orientalische Sprachen studirte, ist an der pester Universität als außerordentlicher Professor der hebräischen und arabischen Sprache angeftellt und ttadirt bereits dieses Semester mit Beifall. Herr vr. Kleinmann , welcher ebenfalls ein Staatsstipendium erhielt und deutsche Universitäten besuchte, ist am Pädagogium in Pest als Professor angestellt und zum Mitglieds der Commission zur Reform der Mittelschulen in Ungarn ernannt. Bei der Ernennung und Einsetzung der neuen Gerichts- und Grundbuchsbeamten erhielten auch einige Juden, sowohl bei den Gerichten als beim Grundbuche, Anstellungen. Der Handel ist fast ganz in den Händen der Juden; aber auch auf die Hebung der Agrimltur haben dieselben den größten Einfluß. Die Juden in Ungarn verlegen sich stark auf die Landwirtschaft, und fast die größten Pachtungen sind in ihren Händen. Von der Entwickelung des Gemeindelebens läßt sich leider nicht so Erfreuliches berichten. Freilich steht Pest in jeder Hinsicht als Muster da; aber von den Landgemeinden kann ich dies nicht sagen. Doch auch in Pest ist noch Vieles zu wünschen. Die Clique der Schomre-hadath wühlt noch immer heftig und sucht den Frieden zu stören. Das Organ derselben nsrä D'fiN, in jüdisch-deutscher Sprache, das kein gebildeter Mann lesen kann, findet durch seinen Klatsch in den dafür berechneten Kreisen viele Anhänger. Herr Rabbiner Pollak, der an der neuerbauten Synagoge als Darschan angeftellt ist, wurde in jüngster Zeit von dem genannten Schandblättchen angegriffen, was viel böses Blut machte. Herr Pollak ließ sich nun seine Orthodoxie von dem Beth-harmdrasch-Vorstand und'seiner früheren Gemeinde in Jnowraclaw bezeugen und dies Attest im pester Lloyd rc. abdrucken. Wir haben an der Orthodoxie des Herrn Pollak gar nicht gezweifelt, da wir seinen Namen zum ersten Mal auf dem Proteste der Rabbiner gegen die erste Synode gelesen. Dem Redacteur des Schebet Ächim, Herrn I. Reich,