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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-12-03 · Heft 49 (3.12.1872) · p. Seite 970

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 49 (3.12.1872)
Date
1872-12-03
Page
Seite 970 (sequence 8)
Language
German
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Mfang gewonnen, daß.es gar nicht, mögljch ist, guch nur die täglich ^erscheinenden Hauptvertteten derselben in annähernder Vollständigkeit zu übersehen. Und doch, wer die Strömung der Zeit genauer kennen will, muß die Gegenstände, die jene behandelt, und wie sie' dieselben zum Ausdrucke bringt, Wohl beachten. Dagegen müssen wir beim besten Willen darauf verzichten, in diesem Blatte alle jene Angriffe zurückzuweisen, all die falschen Beschuldigungen und verkehrten Ansichten, die sich darin breitmachen, zu widerlegen, welche gegenwärtig wieder einmal in der Tagespresse zum Vorschein kommen. Wir müssen uns daraus beschränken, die bedeutenderen Erscheinungen dieser Art, namentlich, wo die klägliche Tendenz nicht so sonnenklar hervorspriygt, daß sie jedes hellere Auge erkennt, in Betracht zu. ziehen und einer Besprechung zu würdigen. Die ungeheuerlichen Anmaßungen, mit welchen in der jüngsten Zeit die Ultramontanen auftraten, den nationalen Bestrebungen sich widersetzten, für ihre mittelalterlichen Grundsätze die Herrschaft über Staat, Wissenschaft und Bildung beanspruchten, Haben die gesittete Welt, besonders in Deutschland, zum Kampfe gegen die Kirche herausgefordert. Wie nun ihre,Anhänger .selbst. Kirche Ufld Wligiou. absichtlich, identificiren, so^ Lhun ihre Gegner Desgleichen, und suchen in der Mei-' nung der Welt Alles zu unterwühlen , was positive Religion und deren Grundlage ist. Daher richten sie; ihre Invectiven besonders gegen die Bibel und bestre- Len sich, diese ihren Lesern als verwerflich und schädlich' darzustellen. Die heilige Schrift schildert bekanntlich Geschichte, uralte Geschichte, und mit strenger Wahr? heitsliebe ebenso die Fehler und Vergehen, wie die Vorzüge und Großthaten der Männer, die in ihr austreten. Statt Dieses zu würdigen, heben diese Scribenten; Alles, was eine tadelhafte Seite bietet, aus dem Zw-1 sawmenhange der Geschichte heraus, deuten es im gei hässigsten Sinne, malen es mit den schwärzesten Farben, aus, alles Gute und Erhebende verschweigend. Oder sie richten ihr Geschoß gegen irgend welche Grundgedanken der Bibel, und legen ihnen Alles zur Last, was . die Verkehrtheit spaterer Zeit oder: das Psaffenthum daraus gemacht hat, oder was sie selbst in ihrer Gehässigkeit daraus machen, So erhielten wir vor einiger ' Zeit aus Malchow in Mecklenburg einige Nummern der zu Lübeck erscheinenden „Eisenbahnzeitung", die das' Nonplusultra auf diesem Felde leisteten, und, .ausgehend von den JesUten nach Art Boltaire's, aber ohne dessen Witz und Eleganz, das Abscheulichste über zusawmengelesene Stücke der heiligen Schrift auftischten. So auch in diesen Tagen von Berlin „Die Börse des Lebens" vom 10. November, welche die Urgeschichte des Iudeüthums in einseitigster Weise verwendete. Was ist hiergegen zuthun? Wenn wir nur in gewissenhafter und gesinnungstüchtiger Weise an der Klärung und Durcharbeitung des Judenthums fortarbeiten, so wird die Strömung der Zeit wieder von dannen tragen, was sie in dieser Hinsicht gebracht hat. Die Ueberzeugungstreue wird durch solches Gebaren, durch solches oberflächliche und gehässige Treiben eher gestärkt als wankend gemacht, und wenn wir nur in der Fortbildung unsres religiösen Wesens nicht den Buchstaben, sondern den Geist zu unsrem Ankergrunde machen , werden wir diese Art von Springfluch, die durch den politischen Sturm aufgewirbelt wurde, schon wieder abfließen sehen. Harburg, im November. (Privatm.) Die hiesige Gemeinde beging am 'tarn?:) n"-> #tö. die Feier des fünfundzwanzigjährigen Amtsjubiläums ihres Lehrers und Predigers, Herrn Fle i sch h acke r, in einer beide, den Lehrer wie die Gemeinde, ehrenden Weise. Wenn Vier WM"" verbietetdie Festlichkeiten ausführlich zu . beschreiben, so sei hier erwähnt, daß eine Serenade, ein feierlicher Gottesdienst, bei welchem die Predigt des Jubilars alle seine Zuhörer zur Begeisterung hinriß, die Besuche aller, .jüdischen und - vieler christlichen Bewohner uns rer Stadt, eine Menge - werthvoller und sinniger Geschenke , unter denen: wir eine; prachtvolle silberne Habdalahbüchse von den Schulknaben und einen silbernen Blumenstrauß , von den Schulmädchen hervorheben, und ein Festmahl Mit Ball den Tag ausfüllten, und-, dem Jubilar die Achtung und Liebe bezeugten, die er in verdienter Weise genießt. Möge er seiner segensreichen Wirksamkeit noch lange erhalten bleiben! ... Bpm Neckar, im Nov. Der neueste Rechenschaftsbericht-des. i'sraelit.is chen Waisenhauses Wilhelmspflege liefert erfreuliche Resultate. 20 Waisenkinder und vier Taubstumme, israelitische Zöglinge der Taub? stummenanstalt,. werhen darin verpflegt, daneben haben die israelitischen Schulpräparanden und Seminaristen gegqn billige Vergütung Verköstigung. .1800 st sind inMesem Jahre durch Stiftungen, Eeittäge:zunv

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