Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1872)
- Date
- 1872-11-26
- Page
- Seite 961 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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. .S. 761. Sp. 2: halte ihn auch zurück von griechischer Wissenschaft und Bildung, und lasse ihn nicht kosten von der trügerischen Speise; da Segen auf ihm ruht, so verdirb ihn nicht, damit jene nicht Nesseln und Dornen für ihn werden; gelüste nicht nach diesen Leckereien , denn täuschendes Brod sind sie. Verheirathe Deine Söhne... Das.: und dem Verlangen der Gebieterin nicht nachgab, sondern festen Sinnes blieb bei all feiner Schönheit, Anmuth und Äugend. Das erhob seinen sittlichen Werth, und sein ganzes Vaterhaus wurde darob gesegnet. Ihm wurde der Rang der Erstgeburt verliehen, und dem Rüben wurde er entzogen , weil er die Lagerstätte des Vaters entweiht hatte. Sei sittsam . -.. Potsdam im September 1872. Rabbiner vr. Tobias Cohn. Korrespondenz. Gewerbeschule des israelitischen Waisenhauses in New-tzarK. Albany, im October. Die Beamten der israelitischen Wohlthätigkeits- und Waisenhausgesellschaft dieser Stadt haben ein außerordentlich praktisches Berstandniß bewiesen, indem sie für die gewerbliche Erziehung ihrer vielen jungen Zöglinge eine Gewerbeschule gründeten, welche in ihrer Thätigkeit eine ganze kleine active Welt vorstellt. Das eigentliche Waisenhaus liegt an der Ecke der siebenundsiebzigsten Straße in der dritten Avenue, und die Gewerbeschule an dem untern Ende dieses Grundstückes. Das neue Gebäude ist drei Stockwerke hoch, aus Ziegelsteinen gebaut, und erweist die höchste Achtsamkeit für die Gesundheit und Bequemlichkeit seiner Bewohner. Die Arbeitsabtheilung besteht aus einer Schuhfabrik und einer Buchdruckerei, und obwohl die Arbeit durch Knaben geschieht, übertrifft sie die von vielen älteren Händen an Nettigkeit und Dauerhaftigkeit. Nach den Vorschriften über die Aufnahme muß der Knabe entweder eine Ganz¬ oder Halbwaise sein,'und den regelmäßigen Cursus einer öffentlichen Schule durchgemacht haben, ehe er sich die gewerblichen Kenntnisse zu eigen machen darf. Das durchschnittliche Alter der Knaben bei ihrem Eintritte ist vierzehn Jahre. Alle Waisen werden in dem Hause unterhalten, während diejenigen, die nur eines der Aeltern verloren haben, wenn sie es wollen, zu Hause leben oder schlafen dürfen. Obwohl dieser Zweig der Einrichtung noch in dem Versuchsstadium sich befindet, so ist doch sein Erfolg gesichert. In der Gewerbeschule sind jetzt dreißig Knaben, von denen zwanzig in der Druckerei und. zehn in der Schuhwerkstatt sich befinden. Außerdem werden verschiedene Waisenmädchen zum Falzen und Glätten der Drucksachen verwendet. . Die Schuhfabrik wurde im Jahre 1869 gegründet - und fand in den zahlreichen hebräischen Wohlthätigkeitßzesellschaften Absatz für ihre Erzeugnisse. Jede Art Arbeit in der Schuh- und Siiefelbranche wird durch diese Knaben gemacht, von der Herstellung ganz neuer Artikel bis zum kleinsten Detail der Ausbesserung. Außer jenen regelmäßigen Kunden wird viel für sonstige Abnehmer gearbeitet. Die Buchdruckerei wurde im Jahre 1871 von Herrn Jesse Seligmaun gegründet, welcher den Geburtstag' seines Sohnes durch das Geschenk des notwendigen Apparats für die Schule großmüthig feierte. Diese Abtheilung darf, obwohl die jüngste, als diejenige betrachtet werden, welche die größten sichtbaren Erfolge der gewerblichen Erziehung giebt. Alle Karten , Billete, Aufrufen und Berichte des Waisenhauses und ein illustrirtes Monatsblatt unter dem Titel „Jungisrael" und der Leitung' des Hausdirectors, dazu eine große Zahl von Anweisungsheften, Quittungen, Rechnungen, Circularen und anderen für den öffentlichen Verkauf bestimmten Druck» sachen, werden gesetzt, gedruckt und zum Verkauf fertig gemacht von den kleinen fleißigen Druckern. Mit dem Anwachsen des auswärtigen Geschäftes ist häufig eine Vermehrung der Einrichtung und des Materials nöthig geworden, und die Kosten dafür sind immer durch die Arbeit des Etablissements bezahlt worden. Die jungen Drucker wie ihre Freunde in der Schuhfabrik haben eine beträchtliche Summe Geldes bei Seite gelegt, von welcher sie regelmäßige Zinsen erhallen. In beiden Abtheilungen arbeiten die Knaben mit aufrichtigem Willen, und obwohl sie zuerst, wie es bei Lehrlingen in ihrem Alter natürlich ist, viel Ungeduld zeigen, ist ihre Arbeit so vertheilt, daß sie jeden Arbeitstag in acht Stunden vollenden. Die Knaben sind schon ganz selbstständig geworden, und scheinen den Werth der ihnen gegebenen Unterweisungen für ihr Fortkommen im Leben anzuerkennen. Das ganze Gebäude ist hell, luftig und bequem. Während des mit dem 30. April 1871 endenden Jahres betrugen die Ersparnisse der Lehrlinge in diesen Abtheilungen die Summe von 686 Doll. 83 Cents, was ihrer Thätigkeit das beredteste Zeugniß giebt. Der Leiter der Gewerbeschule ist Herr Ludwig Schnabel. Er ist in Proßnitz in Oesterreich geboren, und jetzt etwa dreiundvierzig Jahre alt. Er hat in Wien studirt, und ist darauf Sprachlehrer gewesen. Im Jahre 1867 wurde er Lehrer im Waisenhause, und vergangenen Juli Leiter der Gewerbeschule. Die Freunde der Jugenderziehung, welches Glaubens auch immer, sollten dieses Unternehmen durch ihren freundlichen Beistand unterstützen! Es versteht sich, daß man beabsichtigt, mit der Zeit die Werkstätten zu vermehren, und noch auf andere Beschäftigungen auszudehnen. L. 8. U.