Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1872)
- Date
- 1872-11-26
- Page
- Seite 962 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Vermischtes. Unsre Leser erinnern sich noch deS großen Aufsehens welches vor einigen Jahren das Pamphlet Ri chard Wagners „Das Judenthum in der Musik"' machte. Es bewirkte Dies um so mehr-, als die maßlosen Angriffe auf die Juden völlig ohne Veranlassung waren. Denn daß zufällig Meyerbeer ein Jude, und Mendelssohn einer jüdischen Familie entsprungen war, konnte doch keine Ursache darbieten, alle Juden zu verdammen und mit dön schändlichsten Schmähungen zu überhäufen. Es versteht sich, daß hierdurch der Schandschrist jede Wirkung an sich, genommen war, denn das Lächerliche des ganzen Opus sprang auch dem eingefleischtesten Judenhasser zu sehr in die Augen- Einem Solchen mußte es eine Befriedigung bereiten, so Etwas gegen die Juden zu lesen, aber das Thörichte in dem Dinge konnte er sich nicht abläugnen. Ein Räthsel blieb nur, was Richards Wagner eigentlich damit gewollt habe. Er hätte ja die beiden großen Componisten in feiner Weise heruntersetzen und malträtiren können, ohne die gesammte Judenfchaft in Mitleidenschaft zu ziehen. Eine eben erschienene Schrift löst dieses Räthsel. Dr. Th. Pusch mann, praktischer Irrenarzt in München, hat soeben eine Broschüre veröffentlicht - „R i cha r d Wagner, ein e psychiatrische Studie" (Berlin, Behr 1873), die durchaus nicht den Charakter einer absichtlichen uud persönlichen Feindschaft, sondern einer ruhigen, besonnenen, wissenschaftlichen llntersuchuvg an sich trägt, der es nur, selbst im Einzelfalle, um den allgemeinen Zweck zu thun ist. Der Verfaffer muß Richard Wagner viele Jahre persönlich beobachtet, und dann dessen Leben und Werke sorgfältig studirt haben, stand dabei niemals in politischen oder künstlerischen Beziehungen zu Wagner, und gehört weder zu dessen Gegnern, noch zu dessen Anhängern. Er schreibt wie ein erfahrener Arzt über einen forfältig beobachteten Patienten. Er beweist nun, daß Wagners „Verstandesthätigkeit nicht mehr eine normale iU und daß er bereits an Wahnideen leidet, deren Folgen auf seine ganze psychische Constitution einen deletären Einfluß ausgeübt haben." Unter den krankhaften Symptomen ist dem Verfaffer das erste „die alles Maß und Ziel überschreitende Selbstüberschätzung", ein Größenwahn, eine Form, mit welcher „durchaus nicht eine gänzliche Verrückung der psychischen Proceffe verbunden zu sein braucht, wenn sich auch früher oder später die Folgen der geistigen Störung geltend machen werden." Ein zweites Krankheilssymptom bei Wagner ist der Verfolgungswahn, wie er sich am Deutlichsten in der bekannten Broschüre vom „Judenthum in der Musik" äußere. Darm behauptet Wagner , die gesammte deutsche, französische und englische Presse habe ein Complot gegen ihn es existire in Europa eine große Verfchwö-; rung, deren Complicen nur der Emen geheimen Ordensregel gehorchen, welche Haß und Verfolgung Wqgners , lautet u, ft w. Zu den Verschworenen gehören die musikalischen Recensenten, die Jn.tenda.nzen der großen Theater , vor Allem, aber die Juden, die sich solidarisch verbunden und verpflichtet haben, Wagner und feine Werke zu verderben, „Sem kranker Wahn", bemerkt vr. Puschmann sehr richtig, „läßt Wagner nicht zu dem Bewußtsein kommen, daß ver Jude viel' zu gescheidd ist, um auf-so. unnütze,'faule Geschäfte, wie die- Verfolgung Wagners wäre, sein Geld und feine* Mühe zu verwenden." Außer noch andern intellectuellen Krankheitssymptomen weist der Verfaffer n-ach, daß Wagnerauch am „moralischen. Irrsinn!' leidet, was er aus mehrfachen moralischen Verirrungen Wagners ableitet, auf die wir hier nicht näher eingehen wollen, um so weniger, als sie zum Theile weltbekannt sind..— Wenn wir an dieser Stelle dieser Schrift Erwähnung thaten, so geschah es allein, um unsrer, von Wagner so feindselig behandelten Glaubeusgenossenschaft die ihr gewährende Genugthuung, welche ihr hiermit jetzt geworden ist, auch unsrerseits bekannt zu. gehen. We Abschließu.ng China's gegen die übrige , namentlich die europäische Welt, rührt erst feit der Eroberung des Reiches durch die. Mandschu im Jahre 1614 her. In, früheren Jahrhunderten, selbst in der Römerzeit, fand, eine nach den damaligen Communicationsmitteln v^rhältnißmäßignicht unbeträchtliche Verbindung zwischen Europch und China statt. Aus, dem 9. Jahrhundert hat man eine ganz bestimmte Nachricht über eine Stavt in her Provinz Tsche-Kiang , die von zahlreichen Handelsleuten, und War, wie es ausdrücklich heißt, Christen, Juden,, Parsen uud Araber» bewohnt war, und. den Mittelppnch für die Handelskaravanen bildete. (Bibelübersetzung in Sanskrit.) Während Überschwemmungen und Cholera furchtbare Verheerungen'in Ostindien auxichteten, hat ein deutscher Gelehrter, ungestört von diesen Ereignissen, ein großartiges Werk vollendet. Der Missionär Wenger -rrso heißt dieser Gelehrte — hat nämlich soeben den letzten Band einer Bibelübersetzung in Sanskrit zu Ende gebracht. Im Jahre 1848 folgte der zweite Band bis; Esther, und nunmehr, ist das ganze Merk, das vom der Gelehrtenwelt freudig begrüßt werden wird, dem Publicum übyrgebem Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. -^DruchvonI. B» Hirschfeld. Verantwortlicher RedaeteurMr. H. LoHe.