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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-26 · Heft 48 (26.11.1872) · p. Seite 954

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 48 (26.11.1872)
Date
1872-11-26
Page
Seite 954 (sequence 12)
Language
German
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weder dem Handwerk, noch: dem. Ackerbau sich zu? wandten, sondern ausschließlich dem.Handel lebten;. allerdings seien sie hierzu , da sie früher so eifrige Ackerbauer gewesen seien, gezwungen und erzogen worden. Er fährt nun fort: „Wie weit diese händlerische und speculirende Thätigkeit in der alten Welt Gutes oder Uebles stiften mag, ist nicht der Gegenstand meiner Betrachtung; in dieser neuen Welt kann , ich Nichts darin sehen , was für das Ganze störend wäre. Wer hier der Regsamste und zugleich der Gescheidteste ist, hat einen natürlichen Vortheil über die Andern, und in Betreff der ehrenhaften und unehrenhaften Mittel zur Bereicherung, deren sich der Eine und der Andere bedient, kann ich nicht sehen, daß Abstammung und Religion einen wesentlichen Unterschied machen. Der Jude hat Hier den Vortheil, daß er den Sinn des Weltbürgerthums in sich trägt ' (das alte Kanaan bedeutet für ihn um so weniger, je weiter er von demselben räumlich entfernt wird); er bequemt sich den bestehenden Verhältnissen sofort an, ohne engherzig — wie der Eingeborene — an ihnen zu haften, und alles schmerzliche Aufgeben, das . anderen Eingewanderten so viel Wehe bereitet,, ist ihm erspart. -Wer wollte dagegen Etwas einzuwenden haben? — Von den alten jüdischen Borurtheilen schwindet hier rasch eines nach dem andern weit schneller als die von Altengland mitgebrachten puritanischen Befangenheiten und Einseitigkeiten. Ja bereits fängt das jüdische Element hier an, mit dem nichtjüdischen durch Heirathen sich zu mischen, und dann kann gewiß das hierher gekommene Stück von Orientalismus mit seiner Energie und Rührigkeit und seinem eigenthümlichen äußeren und inneren Zuschnitte nicht störend sein. Ja, im Hinblick auf ein-anderes, schnell sich verstärkendes Element — ich meine das, pfäffische, das ultramontane, das jesuitische — mag die Partei des geistigen Fortschritts wohl zufrieden sein mit der hebräischen Bundesgenossenschaft im Kampfe gegen das. Unfreie aller Art. . Man gedenkt einige hundert Tausend (!!!) rumänische Juden hierher zu versetzen. Darüber mag man sich insofern freuen, als diese Menschen einer Lage entrissen werden, in welcher Haß und Verfolgung der rohesten Art sie zur Verzweiflung bringen mußten. Was aber sollen wir hier machen mit diesen Menschen, die wahrscheinlich auf einer sehr niederen Bildungsstufe stehen, die vermuthlich , weder Eisenbahnen für uns , zu bauen (wie der Irländer), noch den. Urwald in Getreidefelder zu verwandeln (wie es der Deutsche thut), noch werthvolle Arbeitskraft für unsere vielartigen Gewerbe zu liefern geeignet sind? Mögen ihre zahlreichen hiesigen Stammesgenossen die von vielen derselben hier erworbenen reichen Mittel und ihre hier gewonnene Erfahrung so verwenden, daß auch für jene gehetzten Menschen dieses Land eine glückliche neue Heimath wird, ohne daß das Allgemeine darunter zu leiden hat!" Hierzu macht nun im weiteren Verlaufe derselben Nummer die Redaction in einem besonderen Artikel ihre Bemerkungen. Sie weist zunächst die Ueberschrift „die Judenfrage" als verfehlt zurück: es gäbe in civilisirten Staaten, am Wenigsten in Amerika, keine Judenfrage mehr, da von irgend, einer Berücksichtigung der Religion im bürgerlichen Leben keine Rede mehr sei. Auch gegen das, was Münch über den Handel gesagt hat, legt die Redaction des newhorker Blattes Verwahrung ein. Sie sagt: „Unsere persönliche Erfahrung hat uns stets gelehrt, daß die Juden, wie alle Anderen, darauf angewiesen waren und sind, sich durch ihre eigene Arbeit, nicht durch die Arbeit Anderer, zu ernähren. Das Geschäft, dem die Meisten von ihnen sich Hingaben, war der Handel. Daß dieser keine Arbeit in sich schließt, ist doch wohl kaum zu behaupten. Vielmehr sieht sich jede andere Arbeit auf diesen angewiesen. Der Handel ist das unentbehrliche Mittelglied zwischen dem Producenten und dem Consumenten. Der Kaufmann, mag er nun sein Geschäft im Großen oder Kleinen betreiben, muß tüchtig arbeiten, wenn er vorwärts kommen will, und gelingt.es ihm , so hat er dies seiner Tüchtigkeit und Thätigkeit zu danken." Weiterhin sagt die Redaction: „Und die Verhältnisse, sie haben auch in Deutschland seit dem Jahre 1834 große Veränderungen zu Wege gebracht. Herr Münch würde jetzt die Juden auf den Universitäten zahlreich vertreten finden. Auch im Beamtenstande würde er nach ihnen nicht vergebens suchen, während die Prominenz Vieler von ihnen als tiefe Denker, Gelehrte, Publicisten, Künstler rc. von ihm selbst hervorgehoben wird. Bedenkt man Das, was die Juden auf allen diesen Gebieten leisten, so wird man sich mit der imaginären Existenz einer Judenfrage nicht befreunden können." (Und welche Veränderungen auf dem Gebiete der Fabrik und des Handwerks!) Der Redacteur

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