Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1872)
- Date
- 1872-11-26
- Page
- Seite 953 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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verschleiß ausgeschlossen hat, nun auch bei der Fleischentreprise die Bedingung gestellt hat, daß die Juden nicht als Schlächter gebraucht werden. Die „Rum. Post" zieht sogar den Schluß hieraus, daß man die Juden verhindern wolle , Vieh rituell zu schlachten. Ob dies begründet sei, wird, man weiterhin erfahren. Bukarest, 10. Nov. Das Ministerium Katargiu hat sich wesentlich dadurch verstärkt, daß Manolaki Koftaki Epureanu in dasselbe eingetreten ist und. das Portefeuille des Justizministers übernommen hat. Derselbe ist eine bedeutende Arbeitskraft und seit 20 Jahren der Beschützer und Vertheidiger der Juden in Rumänien. Gleich nach seiner letzten Ernennung zum Minister empfing er eine Deputation der Israeliten, darunter auch diejenigen, welche als Delegirte dem Judencongreß in Brüssel angewohnt haben. Es ist nicht wahrscheinlich, daß die Juden schon in der bevorstehenden Kammersession ihre Emancipation durchsetzen oder auch nur beantragen sollten; aber mit Hülfe des neuen Justizministers werden die vorbereitenden Schritte gethan werden, und da eine der hervorragendsten Eigenschaften der Israeliten die Geduld ist, so werden sie den richtigen Zeitpunkt für ihre Zwecke schon zu wählen wissen. (Allg. Ztg.) Rußland Riga, Mitte October. (Privatm.) Der „Rigaer Bote" schreibt: Am 16. Sept. fand in Gegenwart des Civilgouverneurs, des Vicegouverneurs und anderer Notabilitäten der Behörden die Einweihung des neurestaurirten Tempels der hiesigen jüdischen Gemeinde statt. Die Feier begann mit einer deutschen Rede des Herrn Pompianski, Rabbiners zu Ponewiesch, über die Bedeutung derselben. Sodann wandte sich Herr Pompianski an seine Zuhörer mit einer Rede in russischer Sprache und äußerte sich ungefähr folgendermaßen: Wenn wir die Lage der großen Masse unserer Glaubensgenossen in Rußland näher in's Auge fassen, so müssen wir vor Allem mit Bedauern einräumen, daß sie sich noch sehr wenig an die herrschende Nationalität angeschlossen hat, mit welcher sie sich staatlich und gesellschaftlich assimiliren muß. Die gebildete Classe der russischen Juden indeß hat ihre wahre Bestimmung und das Bedürfniß der Zeit vollständig erkannt und die russische Sprache nicht nur in ihre Familien, sondern auch bereits in den religiösen Cultus eingeführt. So sind beispielsweise alle jüdischen Gebetbücher schon in's Russische übersetzt und werden mit bestem Erfolge immer mehr verbreitet, wodurch ganz besonders, mittelbar und unmittelbar, die Kenntniß der russischen Sprache und die Erkenntniß von der Nothwendigkeit, sie verstehen und sprechen zu können, immer tiefer und tiefer selbst unter den noch, ferner stehenden Theil der jüdischen Bevölkerung eindringt. Ein erfreuliches Zeichen der Zeit und des klareren Verständnisses derselben ist es ferner, daß die allgemeinen Bildungsanftalten des Staates von der jüdischen Jugend sehr stark besucht werden, wodurch am Besten von der frühesten Kindheit an eine innigere Vereinigung der israelitischen mit den anderweitigen Elementen der russischen Bevölkerung angebahnt und durchgeführt wird. Die Kenntniß der Landessprache, betonte der Redner mit Nachdruck, ist die Grundbedingung des näheren Anschlusses an die übrigen Mitbürger; ohne sie ist an einen Solchen nicht zu denken; mit-ihr werden sich unsere Glaubensgenossen alsbald würdig und ebenbürtig allen anderen Staatsangehörigen zur Seite stellen können. — Nach einem schönen Gebete für Kaiser und Vaterland sowiefür das Gelingen der Aufgabe,' die Kenntniß der Landessprache immer weiter unter die jüdische Bevölkerung Rußlands zu verbreiten und diese selbst dem Staatsganzen immer enger anzuschließen, schloß die von allen Anwesenden mit dem größten Beifall aufgenommene Rede. A m e r i k a. Newyork, 20. October. lPrivatmitth.) Ich erwähnte jüngst eines Artikels im „Newyorker belletristischen Journal", der von einem Herrn Naumburg gegen einen Aufsatz in der Gartenlaube „Israel auf Markt und Straße" gerichtet war. Dieser hat in der Nummer desselben Blattes vom 18. d. weitere Besprechungen zur Folge, die zur Charakteristik der Verhältnisse auch in Bezug auf die rumänischen Juden nicht ohne Interesse sind. Fr. Münch schreibt aus Missouri den 4. Ott. einen Artikel, den er „die Judenfrage" zu betiteln beliebt. Er stellt als seine „persönliche Erfahrung in Deutschland bis 1834" — (das sind freilich fast 40 Jahre her!) hin, daß die Juden