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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-26 · Heft 48 (26.11.1872) · p. Seite 952

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 48 (26.11.1872)
Date
1872-11-26
Page
Seite 952 (sequence 10)
Language
German
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die israelitische Genoffenschaft nur eine freiwillige sei, ' aus der Jeder nach Belieben austreten könne, - weil Niemand das Recht habe, in sein Gewissen einzugreifen , und die Gewissensfreiheit Princip des Staates sei. Man sieht leicht ein, daß die beiden Gerichtshöfe: .hierbei nicht als Vollstrecker des Gesetzes, sondern als Gesetzgeber selbst auftraten, nicht nach dem bestehenden; Gesetze, sondern nach einem allgemeinen Grundsatzes entschieden. Und ist denn in der That dieser Grundsatz hierbei in Frage gestellt? Kann nicht Jedermann die jüdische Religion verlassen? oder wird er innerhalbt derselben zur Ausführung irgend eines religiösen Actes gezwungen? Braucht er irgend welches Glaubensbe-; kenntniß abzulegen? Aber so lange er selbst bekennt, dieser Religionsgenossenschaft anzugehören, ist es eine Verletzung der Gewissensfreiheit, wenn er eine verhältnißmäßige Abgabe zahlen soll, um jene zu erhaltest? Ist nicht ein jeder Einwohner einer Stadtgemeinde in demselben Falle? Dies sah denn auch der Cassationshof ein, bei welchem die Gemeinde von Ancona die Berufung einlegte, und entschied, daß die beiden Instanzen eine Verletzung des bestehenden Gesetzes begangen hätten , das sie zu einem todten Buchstaben' ^gemacht hätten. Das Arret vom 14. Sept. 1872 caffirte auf den Bericht des Herrn Pescatore, eines der berühmtesten Juristen Italiens, das Urtheil des Appellhofes, und verwies die Parteien vor den Gerichtshof von Bologna. Der Cassationshof erklärte, daß ein Austritt aus der Gemeinde nur durch den Uebergang in eine andere Religion motivirt werden könne. Der Fortbestand der Gemeinden ist hierdurch gesichert. Türkei. Konstantinopel, im Nov. Der Großvezir hat dem griechischen Patriarchen geboten, den Erzbischof von Janina seiner Functionen zu entheben und ihn in, eines der Gefängnisse von Konstantinopel zu schicken. Dieser heilige Prälat hatte die Griechen zur Plünderung und zum Morde der Juden angeregt, und auf diese Weise die türkische Regierung in den Augen der europäischen Staaten verunglimpft. (Habazeleth.) Donaufürstenthümer. lungest, welche erweisen , daß in diesem Lände durch die Mehrzahl der Sterbefälle über die Geburten eine Verminderung der Bevölkerung stattfindet. Im ganzen Lande im Jahre 1866 Sterbefälle 158,275 Geburten '130,857 Plus der Sterbefälle ~ 27,418 -■/< In Bukarest stellten sich die Zahlen wie folgt: Im Jahre 1867 Im Jahre 1868 Verstorben 5,973 Verstorben 5,033 Geboren 4,776 Geboren 4,864 Mehr verstorben 1,197 Mehr verstorben 165 Die Sterblichkeit ist eine ebenso große, wenn nicht noch größerein den Landgemeinden. Nimmt man also das ganze Land, so übersteigen die Sterbefälle die Geburten. , Man könnte glauben, dies rühre aus allgemeinen klimatischen Verhältnissen, aus dem. Vorherrschen vieler epidemischer Krankheiten, aus Gründen her, die nicht im Menschen, sondern außerhalb desselben ihren Ursprung haben. Dagegen spricht jedoch der Umstand, daß die jüdische Bevölkerung ein anderes Resultat ergiebt. So in Bukarest gab es bei den Israeliten a. 1867 a. 1868 Geburten 408 464 Todte 221 348 Mehrgeburten 187 216 In Jassy im Jahre 1872 1030 Geburten 446 Todte 584 Mehrgeburten. Die größere Sterblichkeit der Christen kann daher keinen äußeren Ursachen zugeschrieben werden, da dieselben ebenso auf die Juden wirken würden. Die Ursache ist vielmehr in den Sitten, den Gebräuchen, in der Lebensweise zu suchen; darin unterscheiden sich die Christen von den Juden. Denn nicht nur ist die Sterblichkeit größer bei den Rumänen allein, sondern bei allen hiesigen christlichen Nationalitäten. . Und unter solchen Umständen, denen nur eine starke Einwanderung zu Hilfe kommen könnte, verlangen die Rumänen die Auswanderung der Juden! Welche politische Weisheit! .. . Bukarest, 5. Nov. Die,,Rum. Post" enthält aus den rumänischen statistischen Annalen einige Mitthei- —. Aus Jassy wird gemeldet, daß die dortige Bürgermeisterei, nachdem sie die Juden vom Tabaks-

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