Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1872)
- Date
- 1872-11-19
- Page
- Seite 933 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Gebete für Sabbath, sämmtliche Feste (incl. Neujahr und Versöhnungstag), Werk-, Selichoth- und Bußtage, bei Tisch, beim Niederlegen, bei Trauungen, Beschneidungen, Beerdigungen nnd Besuchen der Gräber Heimgegangener Verwandten. Neu geordnet und übersetzt von Ben Israel. Zweite, vervollständigte Auflage. Zwei Theile." Dieses Gebetbuch, welches eine völlig neue, zum Gebrauche äußerst bequeme Zusammenstellung der Gebete gewährt, die das Aufsuchen einzelner Theile beseitigt, und welches an Vollständigkeit, Deutlichkeit und Zweckmäßigkeit das Wünschenswerthe leistet, stimmt in den meisten Puncten, welche nach Ihrem Berichte den von den Herren Geiger, Joel und Szold herausgegebenen Gebetbüchern gemeinsam sind, mit diesen überein. Die wesentlichste Abweichung von denselben liegt in der Aufnahme des vollen Textes der Abend-, Morgen-, Mussaf- und Minchahgebete aus dem bisher gebrauchten Siddur, und zwar in der Weise, daß die Stellen, welche 1. eine Ueberhäufung von Ausdrücken für einen und denselben Begriff, 2. eine Hindeutung auf den Untergang der Feinde Israels, 3. eine Beschreibung von Visionen, sowie Äußerungen über die Thätigkeit der Engel, 4. die Bitte um Wiederherstellung der Thieropfer, 5. die Bitte um Zurückführung des zerstreuten Gesammtisraels nach Palästina zur Bildung eines weltlichen Reiches, 6. die Vorstellung von der Auferstehung des Leibes enthalten, durch kleinere Typen in Klammern bezeichnet und der stillen Andacht überwiesen sind. Die Gründe, welche eine AendMmg der Formeln in diesem älteren Theile der Gebete widerrathen, sind in dem Vorworte entwickelt.. Von den Gebeten späteren Ursprungs, den Hoschannoth, Selichoth und den Piutim für Neujahr und Versöhnungstag jedoch wurden aus dem Machsor nur die Bestandtheile ausgenommen, welche von oben erwähnten Momenten ganz frei sind. Andere Stücke, welche den Besuchern des Gotteshauses, sei es durch Gewohnheit, sei es durch die Gesangsweise, in welcher sie vorgetragen werden, werth geworden sind und ungern vermißt würden, haben theils Abkürzungen, theils Purificirung durch kleine Veränderungen erlitten, so daß der nach diesem Gebetbuche abgehaltene Versöhnungstagsgottesdienst ganz das Gepräge des gewohnten an sich trägt. Um den Gottesdienst diesen Tag, wie bisher , ausfüüen zu lassen, wurden die beseitigten Machsorslücke durch die besten hebräischen Gebete ersetzt , welche das Gebetbuch des neuen israelitischen Tempels zu Hamburg und das von I. Mayer 1848 herausgegebene enthalten, .dann durch Betrachtungen, welche das jedesmalige laute Sündenbekenntniß einleiten, sowie durch Aufnahme einer Seelenfeier. Sie erlauben mir wohl noch den Zusatz, daß das Erscheinen dieses Gebetbuches eine Frucht des nach mehrjährigem, durch Hetzereien dreier Rabbiner, welche ihr Interesse dabei fanden, genährten Conflicte wieder eingekehrten Friedens in der hiesigen Gemeinde ist,, die mit demselben eine neue kräftige Stütze für ihren beinahe ein Vierteljahrhundert bestehenden, veredelten, ihr lieb und theuer gewordenen Cultus geschaffen hat. Oesterreichischungarische Monarchie. Pest, 4. Nov. In der heutigen Reichstagssitzung interpellirte Jranyi betreffs der Einführung der Civilehe, der Religionsfreiheit und der Gleichberechtigung der Confessionen. Bekanntlich besteht in Ungarn die Erstere noch gar nicht, die zweite nur für die Juden, und die dritte gilt zwar für die bürgerlichen Rechte, nicht aber für die Confessionen als solche, von denen die katholische große Privilegien und financielle Begünstigungen besitzt. —. Letzten Samstag, schreibt man dem Ung. Lloyd, überfielen in Berettyo-Ujfalu ungarische Bauern die eben aus der Synagoge kommenden Israeliten und mißhandelten mehrere von ihnen. Da dies nicht der erste ähnliche Fall in dem Orte war, schritt der Stuhlrichter energisch ein, und die böswilligen Angreifer werden zur Rechenschaft gezogen werden. . Prag, 5. Noö. Bon einigen Mßhandlungen einzelner Juden in böhmischen Landstädten haben wir bereits berichtet. In Hloupetin, Tursko und Königssaal wurden Israeliten auf der Straße gemißhandelt, und in israelitischen Häusern die Fenster eingeworfen. Man schreibt dies der Einwirkung des in Nummer 45 besprochenen Abschiedswortes von Palacky zu. Es. ist also eingetroffen, was der Correspondent in gedachtem Artikel als Befürchtung ausgesprochen. Gehen auch solche Vorkommnisse, falls die Behörden rasch eingreifen, vorüber, so bleibt doch die Gesinnung und Stimmung, und der czechische Bolksstamm ist ein solcher, in welchem jene schnell wechseln. 47*