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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-19 · Heft 47 (19.11.1872) · p. Seite 929

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 47 (19.11.1872)
Date
1872-11-19
Page
Seite 929 (sequence 7)
Language
German
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Literarischer Wochenbericht. Bonn, 7. November. (Fortsetzung). Wir haben für die ConfirmaLion noch einige Schriftchen hinzuzufügen. „La festa dell’ iniziazione religiosa, dal Rab. Flaminio Servi. Casale 1872." Eine Rede über die Bedeutung deS Barmizwahtages, die für die betreffenden Knaben selbst bestimmt ist. Die Rede giebt in recht schöner ansprechender Weise der Bedeutung des Tages für den Heranwachsenden Jüngling Ausdruck, und möchte deshalb auch zum Gebrauche in Deutschland angemessen sein. Nur, fürchten wir, ist sie mehr geeignet für die schnellere Entwickelung des Südländers; in unfern Gegenden scheint sie die Fassungskraft eines dreizehnjährigen Knaben etwas zu übersteigen, doch könnte sie mit geringer Veränderung für einen Confirmanden benutzt werden. — „Thy Light and thy Truth. A Guide for Confirmation of Israelitish Youth. By Br. S. H. Sonneschein. St. Louis, 1871." Ein sehr kurz gefaßter Leitfaden für den Confirmandenunterricht in Fragen und Antworten, jede mit einem Bibelverfe begleitet, dem Lehrer den Raum für die specielle Ausführung sehr ausgedehnt Überlassend. Wir erkennen gern an, daß diese kurzen Definitionen meist zutreffend im Ausdrucke des Gedankens sind. Aber das Ganze ist doch bei seiner Kürze zu lückenhaft geblieben. Wenn z. B. der Verfasser von den sieben Seiten seines Leitfadens zwei den Definitionen der Festtage widmet, so konnte man wohl berechtigt sein zu fordern, daß er einige Paragraphen z. B. den Pflichten in der Familie, der Kinder gegen die Aeltern u. s. w. widme, oder der Lehre von Gott eine mäßig größere Ausdehnung gebe. Er bietet allzu sehr die Religion „in der Westentasche" dar. — „Ebel Kobed. Gedächtnißrede zu Ehren des verewigten Dr. Majer Zipfer, weiland Oberrabbiner zu Stuhlweißenburg und Rechnitz (geboren 14. Aug. 1814, gestorben 9. Dec. 1869), gehalten im Tempel der Cultusgemeinde zu Stuhlweißenburg von Dr. Alexander Kohut. Stuhlweißenburg." Schon der tiefbetrauerte Gegenstand dieser Gedächtnißrede macht es uns zur Pflicht, derselben hier Erwähnung zu thun. Sie ist aus erleuchtetem Geiste und dem wärmsten Herzen geflossen, ein würdiges Denkmal für den Verewigten. Dies kann uns aber nicht abhalten zu bemerken, daß sie doch etwas zu sehr in's Breite gearbeitet ist, und daß ein „Gebet vor der geöffneten Bundeslade" in Reimen uns nicht zufagt, noch dazu, wenn das Metrum nicht eingehalten und manche Reime nicht rein sind, auch der dichterische Schwung fehlt. —- „Jorden en förgärd tili himmelen. Minnestal Vid Dr. Martin Schüek’s Jordfästning i Stockholm 1872. Af Dr. L. Lewysohn.“ Der Name des Verfassers bürgt für den Werth der Rede, den wir, der schwedischen Sprache unkundig, nicht beurtheilen können. — „Die Empörung Korachs und die der „großen Nation". Zeitpredigt gehalten am Sabbath „Korach" 5631 --- 24. Juni 1871 im Tempel zu Proßnitz von Dr. E. Hoff. Wien, Herzfeld u. Bauer 1871." Der Gegettstand dieser Predigt verschafft ihr ein besonderes Interesse. Sie behanvelt nämlich den Aufstand der berüchtigten Commune in Paris, führt scharfsinnig die Empörung Korachs in ihren Motiven und ihrem Ausgange durch, und vergleicht Nun Motive, Charakter und Ausgang der Commune mit jener. Bei der oft ventilirtett .> Frage, ob Politisches auf die Kanzel gehöre, kann man doch dem Verfasser die Berechtigung Nicht abfprechem Wenn es darauf abgesehen ist, nicht für oder gegen eine Partei, für oder gegen eine bestimmte politische Maßregel zu wirken und zu wühlen, sondern die großen segensreichen oder furchtbaren Ereignisse ver Zeit auf dem höheren Gesichtspuncte der Religion und Moral zu betrachten, eine Läuterung der Ansichten zu erwirken, das Verwerfliche zu brandmarken, und das Edle zu verherrlichen, immer ausgeschlossen alle örtlichen und zeitlichen Motive: so ist die Kanzel allerdings der Platz hierfür, und sicher eine Pflicht derselben, sich Dem nicht zu entziehen. — „Israel, der Weinberg des Herrn. Predigt von I. Stern in Niederstetten (Würtemberg). Eßlingen, Lutz, 1872." Eine sehr wackere Auslegung des jesajanischen Gleichnisses, mit Einsicht die Vorzüge und die Fehler des jüdischen Volkes betrachtend und herzliche Mahnungen hinzufügend. Vermeiden mußte Redner den öfteren Gebrauch von Fremdwörtern, noch dazu solchen, welche das gewöhnliche Publicum nicht versteht, z. B. Eudämonismus. — „Worauf haben wir bei der Erziehung unsrer Kinder zu achten? Predigt, gehalten in der Synagoge zu Agram am zweiten Sukkothtage (am 1. October 1871) von Dr. Hosea Jacoby. Agram 1872." In einfacher, würdiger und höchst gemüthvoller Sprache werden die vier Pflanzen des Laubhüttenfestes auf die Tugenden ausgelegt, welche die Aeltern ihren Kindern einflößen sollen: die Palme auf die Geradheit und Wahrhaftigkeit, die Myrte auf die Liebe, die Bachweide auf die Einfachheit und Bescheidenheit, und der Paradiesapfel aus die Religiosität. Wir wünschen, daß

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