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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-19 · Heft 47 (19.11.1872) · p. Seite 927

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 47 (19.11.1872)
Date
1872-11-19
Page
Seite 927 (sequence 5)
Language
German
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einer Conferenz die obige Frage zu erörtern und Beschlüsse darüber zu fassen. Da sich hier sehr hervorragende Persönlichkeiten, Männer von ausgezeichnetem Verdienste, zusammenfinden mußten und zusammenfanden, so war es Pflicht, die Resultate dieser Conferenz abzuwarten und ihr nicht vorzugreifen, noch dazu, da ein bestimmtes Programm, welches den Verhandlungen etwa zu Grunde liegen sollte, nicht bekannt wurde. Die Conferenz hat am 29. und 30. stattgefunden; sie war von bedeutenden Autoritäten besucht. Wir haben die Nachrichten, die uns darüber aus Brüssel zukamen, sowie den Rechenschaftsbericht der Conferenz selbst in diesem Blatte gegeben. Darüber hinaus, da die Sitzungen geheim und auch Berichterstatter der Presie ausgeschlofien waren, drang Nichts in die Öffentlichkeit, und die wenigen Correspondenzen, die in einigen berliner, wiener und anderen Blättern über die Conferenz standen, brachten nichts Weiteres außer der Notiz, daß an der Versammlung 35 Personen theilgenommen hätten. Unsre Leser wißen daher, daß die Conferenz die Auswanderung der rumänischen Juden verworfen, sonst aber nur beschlofien hat, ein ausführendes Comits zu ernennen, dessen Vorort Wien sei, Mitglieder aus den Comitss in Paris, London, Berlin u. s. w. habe, und daß dieses Comits besonders die Förderung der Gründung von Schulen unter den Juden Rumäniens in's Auge fasse. Sicherlich können diese Beschlüsse nur Beistimmung finden, wenn man auch bereits gewohnt ist, von einem Comits, dessen Mitglieder so weit auseinander wohnen, ein thatkräftiges Vorgehen nicht zu erwarten. Freilich bedauern Viele, und wir mit ihnen, daß die Sitzungen nicht öffentlich stattsanden, da ja doch die Gegenstände der Berathung nur Dinge betrafen, welche allgemein bekannt sind, und unter den Versammelten Männer waren, deren beredtes Wort nach Außen hin sehr gut gewirkt hätte, und Niemand unter den Anwesenden war, von dem man nicht die strengste Einhaltung parlamentarischer Ordnung und Würde voraussetzen konnte. Was werden gerade hieraus unsre Gegner, namentlich die rumänischen Publicisten, ziehen? Entweder , die Juden haben hier doch Etwas in's Geheim abgemacht, wovon man Nichts erfahren soll, oder aber, da die Resultate, wie sie vorliegen, von keinem weitertragenden Erfolge sind, so müssen die Juden sich ihrer Ohnmacht bewußt gewesen sein. Es soll dies keine Kritik sein, sondern nur das thatsächliche Verhältniß markiren. Um so mehr drängt sich die Frage auf, was hätte von der Conferenz geschehen können? was wäre wohl von ihr zunächst zu thun gewesen? Hierüber wollen wir nicht sowohl eine Meinung als die Logik der Thatsache aussprechen. Es waren hier Männer jüdischer Religion aus fast allen Ländern versammelt, und zwar in einer besonderen offenkundigen Angelegenheit. Was folgt hieraus? Nichts Anderes, als daß von diesen versammelten Männern eine gemeinsame Kundgebung in dieser Angelegenheit erfolgen mußte. Mit einem Worte : die Conferenz mußte ein Memoire an die rumänische Regierung richten, ein Memoire, unterschrieben von allen Anwesenden, gewissermaßen in Vertretung der Glaubensgenossen ihres resp. Landes, ein Memoire in einfacher, würdiger und nachdrücklicher Sprache, in welchem die Ansichten und Wünsche der gesummten Judenheit der rumänischen Regierung und dem rumänischen Volke entschieden vorstellig gemacht wurden. Was mußte dieses Memoire enthalten? Es mußte zuvörderst energisch dagegen proteftiren, daß man den Juden antipathische, ja sogar feindliche Gesinnungen gegen Rumänien insinuire. Wir wünschen vielmehr von Herzen, daß die rumänische Nation in ihrer Selbstständigkeit und Freiheit gedeihe, wachse und erstarke. Wir haben durch lange Jahrhunderte zu bitter erfahren, was die Gewalt dem Abhängigen und Unfreien aufzuerlegen vermag, als daß wir nicht jedem Volksstamme und jeder Confession den Grad der Autonomie und Unabhängigkeit wünschen sollten, den sie zu benutzen und sich zu erhalten fähig sind. Was man auch in feindlicher Absicht gegen die rumänischen Juden gesagt hat, alle vorurtheilslosen Beobachter stimmen darin überein, daß sie in ihrer Mehrheit eine arbeitsame, mäßige und den Gesetzen des Landes sich willig unterwerfende Volksclasse sind. Niemand kann Nachweisen, daß aus ihrer Mitte irgend eine Auflehnung gegen den Staat, irgend eine Untreue oder gar ein Verrath gegen denselben hervorgegangen sei, daß sie dem rumänischen Staate irgend ein Hemmniß für seine Entwickelung und Ruhe, für die ihm gebührende Achtung im Auslande bereitet haben, wenn man nicht mit Gewalt aus ihnen ein solches Hemmniß gemacht hat. Daß ihr Gewerbfleiß, ihre gewerbliche Thätigkeit dem rumänischen Volke und Staate im großen Ganzen von bedeutendem Nutzen sei, sagt jeder Unparteiische aus. Was man Nachtheiliges mit einigem Rechte über sie sagen kann, das fällt zum großen Theile auf die Rechtsbeschränkungen, auf die Bedrückungen, denen man sie unterworfenhat. Es ist jetzt wohl völlig

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