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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-19 · Heft 47 (19.11.1872) · p. Seite 924

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 47 (19.11.1872)
Date
1872-11-19
Page
Seite 924 (sequence 2)
Language
German
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abermals in die alte Schablone einzufügen. Gbenso -falsch ist es, daß das alte Testament Gott nicht als das Absolute, d. h. als das Sein an sich, lehre. Strauß könnte es wiffen, daß das alte Testament sogar den einfachsten und darum philosophisch höchsten Ausdruck für das Absolute aufgestellt hat, nämlich rrriis nm s-pftN (2- Mos. 3, 14), d. i. das absolute Sein, aus dem alles individuelle Dasein hervorgegangen ist. Herr Strauß könnte es wiffen, daß das alte Testament für die Gottheit einen Namen hat, der nichts Anderes als das absolute Sein bezeichnet, nämlich mir; denn mögen die Gelehrten über die grammatikalische Form dieses Wortes noch so unsicher sein, darin müffen sie Alle übereinstimmen, daß es den Begriff des Seins an und für sich (ohne alle Attribute) mn ausdrückt. Von hier aus ringt der Hebräer, diesem Absoluten einen begrifflichen Inhalt zu geben, es nach Zeit, Raum und Kraft als unendlich,, unbeschränkt zu faffen, und läßt hierbei seiner Einbildungskraft und feiner Gefühlsinnerlichkeit freie Thätigkeit. Dies ist es, was ihn vom griechischen Philosophen unterscheidet, der in demselben Ringen, dem Begriffe des Absoluten einen Inhalt zu geben , streng logisch und rationell verfährt, ohne daß es ihm mit seinen Syllogismen gelingt, über die Formel hinaus zu kommen. Darum eben war es den griechischen Philosophen nicht gewährt, einen nachhaltigen Einfluß ctuf. die Culturentwickelung der Völker anders als in der strengen Wissenschaft zu üben, während dem Hebräer die unermeßlichste Wirkung auf alle Culturvölker, und noch weit über diese hinaus, gelang, eben weil er auf vernunftgemäßer Grundlage das Herz und die Einbildungskraft zu erfüllen, und so in die Seele der Menschen einzudringen; vermochte. Von hier aus eröffnet nun Strauß seinen Feldzug gegen den „persönlichen Gott". Aber wir gestehen offen, für einen deutschen Denker bedient er sich so hölzerner Waffen, daß er sich deren schämen müßte. Aus welch ein schwächliches Publicum muß er gerechnet haben! Sein Hauptargument ist dieses: „es sei an den persönlichen Gott „die Wohnungsnoth" herangetreten; seitdem man wisse,, daß die Fixsterne Sonnen seien, die „Welt sich in eine Unendlichkeit von Weltkörpern" ausgelöst (!!!) habe, der Himmel in einen optischen Schein, könne man nicht mehr sagen, Gott wohne im Himmel. Er sagt: „Also kein Himmel als Palast mehr, keine Engel, die um seinen Thron versammelt sind, ferner auch Donner und Blitz nicht mehr seine Geschoffe, Krieg, Hunger und Pest nicht mehr feine Geißeln, sondern Wirkungen natürlicher Ursachen: seit er so alle Attribute persönlichen Seins und Waltens verloren hat, wie können wir uns Gott noch persönlich denken?" Freilich, wenn man sich kindliche Vorstellungen aussucht, an deren Wortlaut sich klammert, hat man es leicht, einen vernichtenden Streich zu führen; aber diese Vernichtung besteht eben blos in der Einbildung des tapferen Kämpen. Was es mit dem „Himmel" zu bedeuten hat, konnte der Verfasser schon aus dem alten Ausspruche ersehen: „Siehe, die Himmel und der Himmel Himmel umfaßen Dich nicht!" (1 Kön. 8, 27). Die Himmel und die Himmel der Himmel sind doch wohl schon eine „Auflösung" des Himmels und des optisch scheinbaren blauen Himmelsgewölbes. Daß die Himmel und die Himmel der Himmel Gott nicht umfaßen, ist doch sicherlich ein Ausdruck , für die Unendlichkeit und das Allsein Gottes, welchen keine astronomische Beobachtung zu Nichte macht. Selbst die entflammte dichterische Einbildungskraft sagt: „Der Himmel ist mein Thron, und die Erde meiner Füße Schemel. Dies Alles hat meine Hand'geschaffen, büß all Dies ward!" (Jesajas 66, 1. 2). Dies will doch schwerlich sagen, daß Gott im Himmel „wohnt", sondern daß er allgegenwärtig in den Höhen und Tiefen sei; Himmel und Erde sind dem Hebräer der Ausdruck für die ganze Welt, und daß diese Welt von Gott geschaffen sei, dies ist der eigentliche Angelpunct. Strauß treibt nur eine Spiegelfechterei mit dem- Worte „persönlich", welches, weil es eben leicht zu falschen Vorstellungen verleiten kann, in der jüdischen Religionslehre gar nicht gebräuchlich ist. Der Begriff „persönlicher Gott" ist Nichts als eine Verneinung des Pantheismus, und besagt, daß Gott und Welt nicht Ein und Dasselbe sind, daß die Welt, d. i. die Gesammtheit der individuellen Wesen, von Gott .geschaffen sei. Wie kann man nun meinen, daß Man diesen Begriff, diese Erkenntniß dadurch beseitigt, daß man Gott nicht mehr im Himmel wohnen, Donner und Blitz nicht mehr als seine Geschoffe u. s. w. benutzen lassen könne! Gleich unbedeutend ist das, was Strauß über das Gebet sagt. Der neuere Mensch, meint er, hege nicht mehr die Ansicht, daß er durch das Gebet auf den Willen Gottes influiren, den Lauf der Dinge ändern, die göttliche Bestimmung modificiren könne. Allerdings bleibe die subjective Rückwirkung auf das Gemüth des Betenden..- Allein Strauß erklärt den für keinen Beter mehr, der jene Ansicht nicht habe, und wenn man zu

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