Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1872)
- Date
- 1872-11-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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36. Jahrgang. Allgemeine . JIS* 47. Zeitung des Zudenthums. Ern unparteiisches Organ, für alles Mische Interesse. . Herausgegeben von Rabbiner" vr. Ludwig Pbilippson in Bonn. Leipzig, den 19. November 1872. Diese ^eitlmg erscheint wöchentlich einmal DienstayS. irr 2 bi« 2V-, Doqen..Meisde« Jahrgangs " Dhlr. Halbiatzriq? Thlr. Mertelft'vrig I Mlr. Inserate werben mit 2 Rar. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchvandlunqen. Postämter und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestel- , , lwrgen^an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königs. Sachs. Haupt-Zertungs-Bureau unterzogen. Z n h alt. Rettende Artikel r Eine neue Streitschrift für den Atheismus von David Friedrich Strauß. HI. — Die Conferenz in Brüssel. — Literarischer Wochenbericht: Bonn, . Pest. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Berlin, Bonn, Coblenz. — Oesterreichisch - ungarische Monarchie: Pest, Prag.— Serbien: Belgrad. — Donansürstenthümer: Bukarest. Feuilleton-Beilage r Sittenspiegel. (Fortsetzung.) — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 10. November. Eine neue Streitschrift für den Atheismus von David Friedrich Strauß, m. Nachdem Strauß, freilich in einer Art, mit der er eS sich feMlsicht gemacht hat, der Religion alle höhere Tendenz. crllv innerlichen Beziehungen zum Menschen entzogen, sie zu einem Kinde der Furcht, den Monotheismus zu einem Erzeugnisse der Horden gestempelt hat, wird eS ihm nicht schwer, auch weiterhin über sie abzusprechen. Wir sagten, Strauß bleibe trotz seiner Negation christlicher Theolog; wir fügen hinzu, daß er, sobald er das neue Testament verläßt, sich als einen oberflächlichen, ungründlichen Gelehrten erweist. Zugleich ist es stets die Oberflächlichkeit, die sich im Rubriciren gefällt , und sobald sie Letzteres fertig bekommt, mit der ganzen Sache fertig zu sein glaube Oder ist es nicht etwa christlich-theologisch, oberflächlich und Schablone, wenn er sagt und zur Grundlage seiner Folgerungen macht': daß alte Testament habe den Herren» gott, das Cbriftenthum den Gottvater und die griechische Philosopbie die Gottheit, nämlich das Absolute, gegeben.' Es versteht sich, daß er hiermit Judenthum und Christentum zu beseitigen und auf die griechische Philosophie weiter zu bauen gedenkt. Aber es ist dies Alles falsch. Das alte Testament lehrt den Gottvater ebenso wie den Herrengvtt. Wir wollen darüber Herrn Strauß nur auf eine" kürzlich erschienene Schrift eines (christlichen) Gelehrten verweisen, der Strauß gegenüber noch den Vorteil besitzt, keine theologischen, sondern aus linguistische Forschungen sich stützende völkerpsychologische Zwecke zu verfolgen, nämlich einen Vortrag des vr. Karl Abel über den Begriff der Liebe, wie dieser sich bei den verschiedensten Völkern durch die Wörter ausprägt, die dafür bei ihnen gebräuchlich sind. Herrn Strauß wird da ein Licht angezündet werden über die Beziehungen GotteS zum Menschen und des Menschen zu Gott, wie sie in der Volksseele des Hebräers anfgefaßt und verstanden wurden; er wird da einen Reichthum von Liebe, ausgedrückt in den Wörtern >rvn, vn-> und der Liebe von Gott zum Menschen, vom Menschen zu Gott, und vom Menschen zum Menschen, sowohl als allgemeine Nächstenliebe, als in allen besondern Verhältnissen, eine solche Fülle von Liebe im Herzen des Volkes finden, daß er sich doch bedenken wird, seinen „Judengott"