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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-12 · Heft 46 (12.11.1872) · p. Seite 920

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 46 (12.11.1872)
Date
1872-11-12
Page
Seite 920 (sequence 18)
Language
German
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, thätige. Die erster« Art der Liebe erschien ihm in allen Fällen.-als dasselbe GefM; die letztere sonderte er noch der Gesinnung und den Anlassen, aus denen sie her vorgeht. So lange die Liebe als bloßes Gefühl bezeichnet ward, genügte ihm demnach ein Wort für all die verschiedenen Beziehungen zwischen Mensch und Mensch, in denen sie sich zeigen kann; wo aber die wohlthätigen Absichten betont wurden, welche Me Liebe begleiten, und die^erfreulichen Folgen, die sie hat, sah er die mannigfachen Abstufungen des Gefühls nach Stärke und Anlaß so scharf, daß deren Synonymik ihm durchaus Mepthümlich ist. Wenn diese Auffassung einerseits die einfachen Verhältnisse der Urzeit wiedergiebt, in denen weniger Äe güte Gesinnung, als die Gutthat beachtet wurde, so wird doch die Idee der letzteren dadurch geadelt, daß sie eben Liebe ist und aus Liebe förderlich werden will. And damit stimmt schön überein die Anwendung -des Begriffs in allen seinen. verschiedenen hebräischen Farben aus Gott selbst, und die Zurückführung der irdischen Liebe auf' das Gebot des göttlichen Urquells, dem ihre Heiligung im täglichen Leben entspringt. 2N8 — die Liebe als reines Gefühl,.— die sich Zwar auch bethätigen kann, es aber nicht zu thun braucht, Nm ihrem Begriffe zu genügen, — bedeutet sowohl die Liebe zwischen Mann und Weib, als auch zwischen Keltern, Ändern and Geschwistern, zwischen Freunden, Genossen und Bekannten , und allen Menschen überhaupt. Bildlich auch die Liebe zu Sachen, die Neigung zu gewissen Handlungen, wo sein Begriff sich zum Gernhaben -abschwächt. Es drülU eine innige Zuneigung aus, ohne sich Wer die Ursache derselben zu äußern, und hat, da es diesen Punct unbestimmt läßt, eine Tendenz, eher an /eine Regung des warmen Herzens, als eine erwogene .und erprüfte Werthschätzung glauben zu lassen. Zwischen Mann und Weib ist es sowohl Leidenschaft, als ruhige -eheliche Neigung. Als Leidenschaft ist 2N8 der höchsten dichterischen Ausschmückung fähig/ wie wir uns aus dem Hohenliede erinnern, wo die Liebe „als Panier über den -Geliebten gehalten", und die ganze Natur zur würdigen Schilderung ihrer Süßigkeit durchsucht wird. Auch die Hingebwng der Liebe, die dem geliebten Wesen gern dient und keine Mühe in seinem Dienste scheut, oder auch nur empfindet, ist der Bedeutung des Wortes von den Meisten Zeiten an beigemischt (Gen. 29, 205). Darübernoch hinaus bezeichnet es eine glühende Leidenschaft, die sich höher schätzt, als Ms irdische Gut, und reicht damit in eine Sphäre hinein, in welcher die Liebe als das Ideal des Lebens erscheint iHohesl. 8, 7: w7dr vdr id 1712"> 712 N2Nd<2 iri^n qin ^2 rirr „Gäbe ein Mann -seines Hauses ganzes Gut um Liebe, man würde ihn .-nur verachten"). Doch wurde das Wort in diesem Sinne, der allen europäischen Dichtern nunmehr so.geläufig/geworden ist, wormals nur selten gebraucht. DaS jüdische Alterthum kannte dies Gefühl, welches vas Leben verschleudert, um der Liebe zu menen, wohl als eine rauschende jugendliche Aufwallung, aber noch nicht als eine -ausgesprochenem Gesinnung, diemit dem . Bewußtsein der Berechtigung auftritt, oder als eine recipirte Tändelei. Die weite Bedeutung des Mortes schließt die Liebe Gotteszum Menschen, die Liebe des Menschen zu Gott, und die Nächstenliebe ein (Hosea 3, 1; Deut. 6,5; Prov. 10, 12). Alle drei Begriffe wohnen der jüdischen Denkweise und Sprache seit den Tagen der ältesten geschrchMchM WnüMer. HA. Volkes inne. Sie werden je nach dem religiösen Charakter der verschiedenen Perioden stärker oder schwächer, und trennen sich allerdings niemalsselbst .in den späteren Zeiten nicht, von der gleichzeitigen Auffassung als eines strafenden Richters, oder der Pflicht des Menschen, das Schwert zu führen gegen die Bösen. Aber schon in den frühesten und rauhesten -Epochen, wo die letztere-eifexvvlle Anschauung noch stark war im Volke Israel, irttt mildernd die höchste Idee hinzu, zu welcher den Msttsch sich in Bezug auf die Züchtigungen Gottes erheben kann. Gott wird ein Vater genannt, der seine Kinder straft, um 'sie zu bessern (Deut. .8, 5); Gott liebt also, selbst wo er straft.' Er zürnt also nicht, weil er die Mißachiung 'semes Wlllens empfindlich ausnimmt, sondern nur unserer selbst wegen, weil er unsere Fehler durch Rüge und Zucht zu entfernen sucht. Ein Gott, der liebt, selbst wo wir gegen ihn gesündigt haben, wird auch vom Menschen Hülse, Nachsicht und Verzeihung gegen seines Gleichen wollen. So bedeutet denn 2N8 auch das allgemeine Band der Nächstenliebe, das die Menschen zusammenhalten soll, und das zu knüpfen als eines der hauptsächlichsten Gebote des Ewigen hingestellt wird (Levit. 19, 18). Je weiter zurück in das um Land And Leben kämpfende Alterthum hinein, desto mehr ist diese Gesinnung aus das ergeue Volk beschränkt; je mehr wir aber vorschreften in der Zeit, um so umfassender wird diese Liebe (Dmt. 10, 18. 19). Wir gehen mm zu den Begriffen der thatig e n Liebe über. Das erste Wort, dem wir begegnen, zeigt eine edebmüthige Verbindung von Liebe und Gnade an. iön ist eine Gnade aus gutem Willen, häufig,auf dem Bode« der Liebe erwachsend. Eine Gesinnung, -die gerne wohl >thut, weil sie die thätige Liebe, die in dem .Mohlthuu liegt, als das schöne Vorrecht des Mächtigen betrachtet (Ies. 54, 1-0,). Eine .Stimmung Md eine Handlung, die auch unter Gleichgestellten ftattfinpen kann, und dann , indem der,beigemischte Ton der Hemblassung etwas zurücktritt, um iso nachdrücklicher eine große Bebe bezeichnet, welche .aus reinem Wohlwollen entsprungen, dem Andern nur M nützen beMmmi ist. Her Geber nimmt zugleich an der ErWriMchkeit seiner Huld einen warmen inneren .Aulheil. Diese Herzensgüte d.eS Wortes tritt besonders in des Fällen hervor, M welchen derjenige, dem die Huld orwiesen wird^ sich keineswegs in einer Bedränguiß befind^, sondern nur.aus dem freien Impuls des ander« -eine Gunst Mpsängt Men. 4S); oder wo es .sich eine spezielleGewährung, sondern nur am eine ^gemeine ^renndschMiche Gesinnung

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