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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-12 · Heft 46 (12.11.1872) · p. Seite 909

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 46 (12.11.1872)
Date
1872-11-12
Page
Seite 909 (sequence 7)
Language
German
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Mitten jedoch in dem Jubel des. Siegessestes vergißt der Redner nicht -den Gedanken auszusprechen, wie schmerzlich es ist, daß in unsrer Zeit noch immer Kriege geführt und Siegesfeste gefeiert werden. Es ist gut, daß der jüdische Prediger auch in der vollsten Theilnahme - an , der nationalen Größe des Lehrstuhles nicht vergißt, auf welchem er steht, und von welchem das Wort des allgemeinen Friedens zu ertönen nicht aufhören darf. Dies erinnert uns an eine noch frühere Gelegenheitsrede: „Gottesdienstliche Feier an dem von Sr. Majestät dem Könige angeordneten Bettage, den 27. Juli 1870, in der Synagoge zu Pleß von Simon Alexander." Psalm 21, 8. Der Text verweist auf das Vertrauen auf Gott. Der Redner berührt nun die heikle Frage: wie, wenn der Feind ebenso spricht, zu Gott betet und sagt, daß er auf Gott vertraue? Man weiß ja, daß der Feind dies wirklich gethan hat. Nun, der Verfasser beantwortet diese Frage in sinniger Weise damit, daß er sich darauf beruft, wer den Angriff begonnen, und w er zur Abwehr genöthigt war. — „Der kriegerische Stamm. Rede, gehalten zur Feier des Friedensschluffes zwischen Frankreich und Deutschland am Sabbath Sachor 5631 (4. März 1871) in dem israelitischen Tempel zu Böhmifch-Leipa von. Dr. Jo el Müll er." Der Redner nimmt Gelegenheit von dem großen Tagesereignisse, . um an dem Stamme Amalek, deffen Neigungen und Schicksalen zu zeigen, wie verderblich die Lust an Kampf und Krieg bei einem Volke für dieses selbst sei, und wie das israelitische Volk die Jahrtausende überdauert habe, weil es stets nur Vertheidigungskriege geführt, sonst aber allen Völkern gegenüber nur den Frieden gewollt und geübt habe. — „An die Hörner des Altars. Confirmationsrede, gehalten am 28. Mai 1871 in der neuen Synagoge der Kaiserstraße zu Berlin von Dr. Julius Landsberger." Berlin, Poppelauer 1871. Herr Landsberger hat sich schon viele Verdienste um den Religionsunterricht und durch feierliche Confirmationen innerhalb der jüdischen Gemeinde zu Berlin erworben. In einer so großen Gemeinde findet sich, da der Religionsunterricht nicht obligatorisch ist, immer eine große Zahl von Kindern, welche die Gemeindeschulen nicht besuchen, so daß für sie dem Bedürfniß des Religionsunterrichtes anderweitig genügt werden muß. Hierzu kommt, daß die allgemeinen Confirmationen in den berliner Synagogen nicht eingeführt sind, die Rabbiner auch keine Confirmandenlehre halten. Herr Dr. Landsberger weiß den rechten Ton zu treffen, wie er die bei solcher Gelegenheit, erregten Aeltern- und Kmderherzen 'erfaßt und zu bleibenden Eindrücken wird. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 30. Octobex. (Privatmitth.): Der außerordentliche Professor der Physiologie, Dr. Julius Bernstein- Sohn des rühmlichst bekannten Redacteurs der berliner Volkszeitung, A. Bernstein, ist, nachdem er früher an der Universität Heidelberg lehrtedann in Berlin privatisirte, jetzt zum ordentlichen Professor der Universität Halle ernannt worden. Dieser abermalige Beweis, daß gegenwärtig in. Preußen bei Besetzung von Aemtern und Lehrstühlen keine confessiynellen oder politischen Rücksichten genommen werden, ist sehr erfreulich. Es ist in dem jetzigen Unterrichtsminister Mit dem Personenwechsel auch ein Systemwechselvorsich gegangen. Hoffen wirdaß dieses System das bleibende, sein werde - obgleichauf dem Gebiete der Administration die Person doch. immer. - das entscheidende Gewicht behält. Berlin, 3. November. (Privatm.)r Es mag hier nicht unerwähnt bleiben, daß zu dem juristischen Gutachten, welches der Entscheidung des Kaisers als Schiedsrichters in der zwischen England: und Amerika schwebenden sogenannten Juanfrage zu Grunde lag, außer zwei anderen Juristen auch ein Israelit, Prof, vr. Goldschmidt, Mitglied des deutschen Oberhandelsgerichtes, das in Leipzig seinen Sitz berufen: war. — Auffallend ist es, daß gegenwärtig in dem preußischen Abgeordnetenhause seit dem Ableben Reichenheims und Koschs nur ein Israelit, Herr. Dr.. Laster, einen Sitz hat, und keine solche jüngere Kraft für die Heimgegangenen eingetreten ist. Es scheint dies doch darauf hinzuweisen , daß jetzt viel weniger Verlangen, Gelegenheit und Befähigung in der jüngern jüdischen Generaüon in Preußen vorhanden ist, sich der parlamentarischen Laufbahn zu widmen. Lübz (Mecklenburg), 26. Oct. (R. T.) Hier wird in nächster Zeit eine Leichenwagenkrisis ausbrechen..

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