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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-12 · Heft 46 (12.11.1872) · p. Seite 906

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 46 (12.11.1872)
Date
1872-11-12
Page
Seite 906 (sequence 4)
Language
German
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hatte. Kerner was denn die Korden so. von den Stämmen, z. P. den hellenischen in ihrem früheren Zustande, .unterschied, daß die Letzteren dennoch polytheistisch waren? OL denn diese Stämme kein solches. Selbstgefühl besessen haben? Ucher Nichts wird so viel gesprochen und geschrieben, als über den Monotheismus der Israeliten,; . hie ihn doch nun einmal in die Welt gebracht haben, - M Verdienst , Pas man ihnen so viel wie möglich perkümmern möchte. Und die Wahrheit ist doch so einfach^ Allerdings trieben noch viele Jahrhunderte viele Jsrae- - :Uen Vielgötterei pnd Götzendienst; die Schrift erzählt j uns selbst genug davon. Allerdings lebte der Eine Gott j in vielen Israeliten ganz besonders als der. National-■ flott, was in den Einsichtsvolleren als .der Gott, der Israel zum Religionsvolke, zum Träger des Monotheismus erwählt habe, und dieser Bestimmung' gemäß, diei Geschicke des Volkes in. Hebung und Senkung orduetK, verstanden ward. Aber mitten in diesem Allen stand di« Lehre , von dem einzigen Gotte, neben welchem kein anderes göttliches Wesen, dem Schöpfer der Welt, der Vorsehung und Vergeltung aller Menschen, die ja einem Paare entsprungen seien, unerschütterlich fest, ja genau formulirt, so daß alle Viel-, Horden- und Nationalgötterei neben diesem nur als Jrrthum, Mißverständniß, .wenn nicht Abfall erscheint. Dies spricht die Schrift von ihrer ersten bis zu ihrer letzten Seite aus, und mögen nun die Kritiker die Abfaffungszeit der einzelnen Bücher verschieden annehrney, diese Lehre vom einzigen Gytte war im Volke Israel von dem Tage an vorhanden, wo es als Volk in's Dasein trat. — Um dem israelitischen Monotheismus Etwas anzuhaben, verfällt Strauß auch aus eine jener Naivitäten, von d^nen wir schon oben ein Beispiel gegeben haben. Er meint, wenn man den Griechen von Homer bis zu Aeschylus statt ihrer olympischen Götter den Monotheismus der Juden angßh.oten hätte, sie würden sich schönstens dafür bedankt haben. (S. 101). Dies heißt doch wieder einmal nichts Anderes, alsweil die Griechen keine Juden waren, wollten sie auch keineswegs Juden werden! Eine große Weisheit! Wenn man den neapolitanischen Kqtholiken jetzt» den Protestantismus anböte, sie würden ihn ausschlagen, glauhen wir,- und zwar, weil sie eben Neapolitaner sind. Später kam doch eine Zeit, wo die Griechen hastig das annahmen , was vom Judentums ihnen geboten worden war, freilich als sie keine Gvwchen des Homer oder des Aeschylus mchr waren. Doch Herr Strauß meint . auch, daß der jüdische Monotheismusmangelhaft-gewesen und erst durch den . der . griechischen Philosophen ergänzt und gehoben worden sei. . Dies wäre in Alexandrien vor sich gegangen; nun, wir wissen, was wir von den monotheistischen Ideen der griechischen Philosophen, von der Unklarheit und Verschwommenheit derselben in dieser Richtung, von den wesenlosen Begriffen und inhaltsleeren Formeln., die -sie dafür. ausisteüten, zu halten haben. *) Andrerseits blieb das abstruse Philosophem der jüdischalexandrinischen Schule ohne irgend welchen Einfluß auf das wirkliche Judenthum, und verlor sich an seiner Geburtsstätte sehr bald und spurlos. Selbst die spätere Kabbala knüpfte nicht wieder an den jüdisch - alexandvinischen Neuplatonismus an, sondern wurzelt ganz wo anders und sucht ihre Anhaltspuncte im eigentlichen jüdischen Alterthume. In der Thal, was hier Strauß vorträgt, ist erkünstelt und entspricht einer genauern geschichtlichen Kermtniß wenig. Aus diesen Beispielen schon ersieht man, daß Strauß trotz seines Kriticismus christlicher Theolog war, und bleibt, und als solcher eine wahre geschichtliche Entwickelung nicht zu fassen und dem einfachen gesunden Menschenverstände sein Recht nicht zu geben vermag. (Fortsetzung folgt). Dir Conftre») -er Uumämschm Hiitfscomitös. Wir erhalten folgenden Bericht: Brüffel, 1. November 1872. Am 29. und 30. Oetober tagte hier, die in. per Angelegenheit. der rumänischen Juden zusammengetretene Eonferenz sämmtlicher Hülfscomitös, wie sie sich in Folge der traurigen Vorgänge in den Donaufürstenthümern hie und da gebildet hatten. Die Einladung hierzzr war von dem berliner Hülfscomit6 auSgegangen, und es'zeugt von einem wahrhaft rühmenswerthen Eifer: sämmtliche Comitss halten derselben Folge geleistet. Demgemäß bot der Eonfistorialsaal der israelitischen Gemeinde in Brüffel einen seltsamen Anblick; Franzosen, Deutsche. Engländer, Holländer und Belgier, ja sogar Vertreter des fernen Amerika hatten sich eingesunden und ddcumentirten auf diese Weise, daß in dieser Frage dys Gefühl der Solidarität sie Alle beherrscht. *) S. unsere „Israelitische Religionslehre" (Leipzig 1861) Bdi I. S. 177—202. ~ ■

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