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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-05 · Heft 45 (5.11.1872) · p. Seite 894

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 45 (5.11.1872)
Date
1872-11-05
Page
Seite 894 (sequence 12)
Language
German
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Folgendes: Seit 1852 bis heute find im Ganzen 282 Zöglinge mit dem Zeugniß der Reife entlassen worden, und zwar aus der theologischen Abtheilung 72, aus der Pädagogischen 210. Diejenigen, welche den pädagogischen Cursus absolvirt haben, bekleiden jetzt nicht allein Elementarlehrerstellen in den Lehrbezirken Wilna, Odessa, Warschau, sondern sind auch von der Regierung als Religionslehrer an den Knaben- und Mädchengymnasien in den südwestlichen Provinzen Rußlands angestellt; nicht mindet finden sie, insofern ihnen auch höheres jüdisches und allgemeines Wissen zu Gebote steht, als wissenschaftliche-und administrative Beiräthe -in den Regierungscollegien Verwendung. Was die theologischen Zöglinge des Seminars anbetrifft, so .fallen ihnen. doch, obgleich die gegenwärtige Beschaffenheit des Wahlrechts der Gemeinden denselben zum Nachtheil der Rabbiner eine zu große Macht einräumt, die meisten vacanten Rabbinate zu. Uebrigens begnügen sich die meisten Zöglinge nicht mit ihren pädagogischen oder rabbinischen Kenntnissen, sondern setzen ihre Studien an den anderen höheren Lehranstalten des Reiches fort, und bereiten sich daselbst für einen Beruf vor, der ihnen einen weiteren Wirkungskreis eröffnet. So beläuft sich die Zahl derer, die nach ihrer Entlassung aus dem Seminar in den letzten 10 Jahren in andere Lehranstalten übergetreten, auf 93. Viele derselben fungiren jetzt nach Absolvirung der diesbezüglichen Studien als Senatssecretäre, als Geschworene bei der Bauernregulirung, als Mitglieder der Kreisgerichte, als Staatsanwaltsgehilfen, als Gerichtsassessoren, als Advocaten, als Militärärzte und als Literaten. Viele derjenigen Zöglinge aber, welche die Anstalt vor beendigtem Cursus verließen, traten als Apothekerlehrlinge ein, oder gingen in die Gymnasien und Veterinärschulen über; manche von ihnen besuchten die alexandrowskische Eisenbahnbauschule zu Jelg.. Auf diese Weise ist es der Regierung bereits geglückt, einen tüchtigen Stamm gebildeter Männer unter den Juden selbst zu gewinnen, die auf die noch zurückgebliebene Masse von wohltätigstem Einflüsse sind. — So weit die officiellen Auslassungen des „Wilnaer Boten", die rühmlich genug sowohl für die Regierung wie für die Juden sprechen. Odessa, Ende Septbr. (Privatm.) Herr Kohen hat dem Magistrate die Summe von 250,000 Rbln. schenkweise zu dem Zwecke übergeben, um billige Wohnungen für -die Armen aller Confesfionen zu erbauen. — Die Erben des verstorbenen Banquiers Efrussi haben an der hiesigen Handelsschule ein Stipendium von 10,000 Rubeln für arme Schüler der Anstalt gegründet; der Minister für Volksaufklärung hat das Statut mit der Bestimmung bestätigt, daß die Gründung den Namen „Esrufsisches Stipendium" tragen soll. — Herr Bernstein von hier hat dem hiesigen Magistrate die Offerte gemacht, ans seine Kosten einen großartigen Bazar zu erbauen, welcher, nachdem-ihm 49 Jahre hindurch ausschließlich das Verwiethungsrecht zustehen soll,. Eigenthum^-der Stadt werden-soll. Natürlich hat der Magistrat dieses für die Stadt äußerst günstige Anerbieten , dankbarst acceptirt. — Wie verblendet und gemeinschädlich der Judenhaß mancher russischer Blätter ist, beweist der Umstand, daß. von einigen Organen der Presse das Anerbieten des Herrn Bernstein nur deshalb wohl angegriffen wird, weil derselbe Jude ist. Wäre er zufällig Christ gewesen, so wäre er von denselben für seine edelmüthige Offerte gewiß in den Himmel gehoben worden. Warschau, Anfang October. (Privatm.) In dem Circulär des warschauer Lehrbezirks lesen wir, daß Herr Or. Hirschfeld als Professor der Anatomie an hiesiger Universität bestätigt worden ist. Es ist dies derselbe — einzige — Professor, der von der Verpflichtung, in russischer Sprache zu lesen, entbunden wurde. — Demselben Organe entnehmen wir, daß die von dem Religionslehrer am plocker Gymnasium, Herrn A.Popierna, besorgte russische Uebersetzung des„Meßilath Halimmud" von Bensew vom Minister für Volks aufklärung als das geeignetste Handbuch für den jüdischen Religionsunterricht zur Einführung in den Regierungselementarschulen bestimmt worden ist. — Herr Bergfort von hier ist als Mitglied in die Commission für die wiener Weltausstellung gewählt worden. — Der Curator des warschauer Lehrbezirks' versandte in diesen Tagen auf Befehl des Ministers für Volksaufklärung an alle Direktoren höherer Lehranstalten Polens ein Verzeichniß aller derjenigen jüdischen Feiertage, an welchen die Schüler israelitischen Glaubens ans Wunsch der Aeltern oder Vormünder vom Schulbesuch, natürlich unter Verantwortlichkeit derselben, .dispensirt werden können. Es sind dies: beide Neujahrstage, der Versöhnungstag, sowie der demselben vorangehende Tag von 12 >Uh r ab, die ersten und letzten beiden

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