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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-05 · Heft 45 (5.11.1872) · p. Seite 891

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 45 (5.11.1872)
Date
1872-11-05
Page
Seite 891 (sequence 9)
Language
German
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Zeitungscorrespondenz, meinten sie, daß es hier lichterloh brenne, und erkundigten sich teilnahmsvoll nach den Großthaten der sogenannten Orthodoxen. Ich war jedoch in der Lage die Herren zu beruhigen jt’eiü -di yva Wer kümmert sich hier um die Herren Orthodoxen. Der selige' Mannheimer, für den die Herren jetzt eiEeten, pflegte zu sagen: Das ist kein -m und kein 2->-,vn b-2. Das Ministerium hat den Herren den Gefallen gethan und hat es ihnen nicht gestattet, eine selbstständige Gemeinde zu bilden. Und in der That wäre die Gewährung der Bitte keine geringe Verlegenheit für sie gewesen. Woher die Mittel nehmen sich zu erhalten, wenn nicht etwa von denen, die sie für Häretiker und Ketzer erklären. Wie alljährlich, waren auch heuer die Bethäuser und Filialbethäuser während der hohen Festtage gefüllt und zwar Heuer um so mehr, da die Festtage so spät fielen, wo alles fast den Landaufenthalt verlassen hatte. Wie ich hinzufügen will, wurde in manchen Mittelschulen der Unterricht am Versöhnungstage gänzlich fistirt. In der Staatsoberrealschule und in dem Realobergymnasium in der Leopoldftadt war dieses gewissermaßen nothwendig, da der weitaus größte Theil der Schüler der jüdischen Confession angehört. Die hiesigen katholischen Journale warenüber diesen Ferialtag sehr erzürnt; aber sie würden besser daran thun, ihre Glaubensgenossen aufmerksam zu machen, den Juden nachzuahmen und das Geld, das im Wirthshause verzehrt wird, lieber auf den Unterricht der Jugend zu verwenden. 1. Während meiner Abwesenheit starb der emeritirte Religionslehrer Herr Leopold Breuer. Vor einigen Monaten hatte ich Gelegenheit über die Feier seines 80. Geburtstages zu berichten. Ich kann nun heute sagen b» bin. Er starb während der Ferienzeit, und so kam es, daß sich die Religionsschule bei dem Leichenbegängnisse nicht betheiligen konnte. Wie ich hörte,' widmeten die hiesigen Journale dem Verblichenen warme Nachrufe. Möge ihm die Erde leicht sein. Das Curatorium der Prediger.Mannheimer StiftunWwar Heuer in der Lage 850 fl. an Rabbiner, Lehrer und deren Wittwen und Waisen zu vertheilen. Das Capital der Stiftung betrug ursprünglich 4000 fl. in Staatspapieren (Nominalwerth). Es beträgt jetzt in^ Folge von Schenkungen 13,950 fl. in Staatspapieren im Nominalwerth. Zu den Interessen dieses Capitals kamen noch Spenden und Jahresbeiträge, die sofort vertheilt wurden. . . Prag, 27. October. (Privatm.) Der älteste und bedeutendste Czechenführer, Palacky, hat in den czechischen Blättern eine Art Abschiedswort, ein Schlußwort seiner politischen und historiographischen Laufbahn veröffentlicht, welches große Sensation gemacht hat. Beneidenswerth ist ein Greis nichts der am Abend seines Lebens, am Rande seines Grabes eine solche wuthentbrannte Schrift an die Mit- und Nachwelt richtet; beneidenswerth ist ein Geschichtsforscher nicht, der als Resultat seiner Studien und Erkenntnisse ein solches leidenschaftliches, fanatisches Pamphlet voll Gift und Geifer über die Gruft hinausschleudert. Der Parteiansicht, dem verfehlten Parteitreiben hat man Vieles nachzusehen; aber von dem Alter, von der Frucht der Forschungen eines halben Jahrhunderts hat man doch auch ein Recht Etwas zu fordern. Wo bleibt da Er-: fahrung, Besonnenheit und Billigkeit, wenn man sich gegen ganze Nationen mit dem bittersten Verdammungsurtheil, mit Schmähungen richtet, wie sie - dem: überspanntesten Hasse gewöhnlich sind? Das Abschiedswort Palackh's wendet sich an die Deutschen, die Juden und die Magyaren, und findet nicht herabwürdigende und entehrende Ausdrücke genug, um diese drei, die er für die Todfeinde der Czechen Hält, damit zu belegen und zu schildern. Die Deutschen sind ihm die Ungerechtigkeit, die Herrschsucht, die Habgier selbst, die alle Freiheit?der Völker unterdrücken und diese für sich ausbeuten wollen. Die Magyaren erscheinen ihm als der Hochmuth, die Anmaßung, die ganze Hunnennatur selbst. Und was sind ihm nun zwischen diesen beiden die Juden? Lauter Shylocks, die in Deutschland allmächtig herrschen rc. rc. Er tritt selbstverständlich als Prophet auf, sieht die Deutschen dicht vor ihrem Sturze stehen, die Magyaren binnen eines Jahrhunderts verschwunden, und die Juden — nun, man kann sich denken, was er von den Juden voraussieht. Was man wünscht , glaubt man ja gern. Solche Thorheiten widerlegen zu wollen, wäre selbst eine Thorheit. Wir können uns ja diese Gesellschaft recht wohl gefallen lassen. Man wird freilich sagen : in den Wind ist es gesprochen, und der Wind wird es verwehen. Dies mag sein; aber es ist doch nicht zu übersehen, wie viel von solchem Gifte in den Herzen aller Derer zurückbleibt, welche den Ideen der Czechen

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