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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-05 · Heft 45 (5.11.1872) · p. Seite 889

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 45 (5.11.1872)
Date
1872-11-05
Page
Seite 889 (sequence 7)
Language
German
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uriserm ■pw nebst vielen anderen Unebenheiten im Commentardes Rabbi. Simson Sens (w"">) zur Sprache gebracht und verbessert. S. 12 sucht der Herr Verfasser köö»ps mit nvvsv (Sach. 12, 3) in Einklang zu bringen, unter Bezugnahme auf den Commentar in Philippsons Bibelwerk (ibiä.), in welchem eine Stelle aus Hieronymus angeführt wird, nach welcher es in Palästina Sitte war, daß in allen Ortschaften ein großer Stein lag, den aufzuheben die Jünglinge ihre Kräfte erprobten. Aus der Mischna aber geht deutlich hervor, daß nur Steine zum Sitzen gemeint sind. Wir sehen daher «nvn als von dem Worte „vd" „Speeereien" gebildet an, womit die Steine polirt und geglättet wurden und als solche im Alterthume häufig als Sitze gebraucht worden sind. Man vergleiche Homer Od. 3, 406 : f’x i’ iXd-cüv xav ag t'§ez inl £eavoiot Xi&oiaiv, Atvxoi unooTi'XßovTtg älticpazog. Die geglätteten, von Oel glänzenden Steine befanden sich vor den Thüren der Großen, auf den Marktplätzen und Schiffswerften. Es war demnach, wie es scheint, zur Zeit der Abfassung der Mischna anön pN ein landläufiger Ausdruck. S. 41 citirt der Herr Verfasser eine Stelle aus Pesachim f. 40. a, wo «spn „Wasserbehälter^ bedeuten soll. Das ist ein Irrthum, da kein Substantiv NDpn vorkommt, vielmehr daselbst als Zeitwort NEPpt „aufgerichtet" im Gegensatz zu nv^nv gebraucht wird. S. 61 “pb ----- Xa^ßdvco. Dieses Wort ist syrisch, wie schon Levy in seinem chaldäischen Wörterbuchs bemerkt. S. 103 m5^p ---- xovqcZop hat schon Schönhaks Hamasbir, welches wir aber „Bergspitzen", „Anhöhen" (v:ia *p pp Jes. 5, 1) übersetzen, auf denen die Großen ihre Weinberge, Landhäuser und Villen anlagen, die aber schon Manchem von den rnsnp zu einer Quelle deS Verderbens nnw -irrtzb geworden sind. Simon Lindermann, Rabbiner. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 22. October. (Privatmitth.) An meine Correspondenz in Nr. . 43. anknüpfend, erlaube ich mir noch eine Bemerkung zu den im erwähnten Artikel gegebenen hinzuzusügen. Weil eben , die Wirkungen der von der jüdischen' Gesammtheit streng!gehaltenen hohen Festtagein Etwas an ' das Lichttretend-und sich in mancherlei Weise bemerklich machen^ ist eS folgerichtig, daß ihrer auch bei Gelegenheit in -den Tagesblättern, die sich gegenwärtig' Nichts entgehen lassen, gedacht wird. Da ist es die Flauheit an7 der Börse, dort daß die wiener Schauspieler jüdischer Religion am Versöhnungstage nicht spielen wollen, da daß die Ueberfüllung der jüdischen Gotteshäuser, an diesen Tagen namentlich an Orten , wo epidemische Krankheiten aufgetreten sind, nicht ungefährlich seiäc/re. Hier läßt sich nun beobachten, wie diese Zeitungen, deren Redactionen mit geringer Ausnahme in religiöser Beziehung zu den radicalen gehören, wenn sie es auch nickt so offen aussprechen, sich daber sehr -unliebsam geriren. Diese Anhänglichkeit. der Juden an ihrer Religion , diese allgemeine Beobachtung' der s0 - viele wahrhaft heiligende Momente enthaltenden Feiertage und der dadurch bekundete religiöse Sinn^istdiesen Herren ein Dorn im Auge. Jndeß ist damit keine Gefahr für den Staat verbunden, es hat für Anders-« gläubige auch nicht die geringste Belästigung -im Gefolge. Freilich kann es dem tiefer Blickenden nicht entgehen, daß die sittlichen Wirkungendie sich daran knüpfen, nicht gering anzuschlagen sind. Dies hält aber Jene nicht ab , mit' feindseligen Blicken:'darein zu schauen, weil sie eben allepositive Religion von der Erdoberfläche verschwinden sehen wollen. Um gerecht zu sein, muß ich jedoch hinzufügen, däßr das'Gesagte viel weniger bei der norddeutschen Presse, als bei der östreichischcn, namentlich den wiener und pester Blättern der Fall ist. Jene melden die Thätsachen ohne Weiteres, diese aber stellen sie so ironisch dar, und fügen so viele spöttische- Bemerkungen -bei '- daß sich ihre Gesinnung nicht verkennen läßt. Schlüsse will ich aus diesem Umstande nicht ziehen undetwa daraus folgern, auf welcher Seite die Frivolität und Negation die stärkere sei. Nur Das will ich hinzu? fügen, daß die Presse durch solche Haltungden Ultramontanen gegenüber der guten Sache -sehr:!schadet, indem sie diesen ein Recht giebt für ihre immev> wiederholten Behauptungen, daß die Presse antireligiös sei und die Gottlosigkeit predige. Uns Juden kann es für uns gleichgültig sein; wir sindvon unsren-Gegnern an andere Dosen gewöhnt, und kein Jude wird sich dadurch abhalten lassen, am nächstermJahW sein Neujahrs - und- Versöhnüngsfest in derselben 'ernsten

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