Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1872)
- Date
- 1872-11-05
- Page
- Seite 887 (sequence 5)
- Language
- German
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fc es kömnten,- worden sie eswollen? ttofc die es nicht wollenwie will man sie zwingen? Wie will man sie aufsuchen und gegen sie processiren? In solchen Dingen flilfe es, wohlthätig sein und ein Opfer bringen, nicht aber Zinsen und Capital zu fordern und zu versprechen. 4) Man sagt, daß den Auswanderern von Staatsfeiten 120,000 Acres Land unentgeldlich gewährt würden. Das ist doch jedenfalls urbar zu machendes Land. Glaubt man nun, daß Leute > die niemals Pflug und Spaten geführt haben, über Nacht tüchtige Landbebauer und Landwirthe werden, Landurbar machen und ihm reichlichen Ertrag abgervinnen können? Und vorausgesetzt,, es wäre so, würde es nicht bedeutende Mittel, erfordern, sie mit Vieh, Sämereien und Werkzeugen zu versehen, und sie ein oder zwei Jahre vollständig zu unterhalten? Ein Theil der Auswanderer sind Handwerker. Wir haben immer gehört, daß der europäische Handwerker, wenn er nach Amerika kommt, sich zunächst erst gewissermaßen in die Lehre geben muß, um die amerikanische Betriebsweise des Handwerks zu erlernen. Es würde sicherlich diesen Handwerkern viel Mühe und längere Zeit kosten, bissie genügend ihr Brod zu staden vermöchten. Auch für diese wären bedeutende Mittel nothwendig , wenn sie nicht alsbald in großes Elends versinken sollten. Denn man mnß nicht vergessen, daß es sich hier nicht um eine Anzahl junger kräftiger Männer handelt, die nach Amerika gehen und auf jedem möglichen Wege ihr Glück suchen, sondern um 8000 Familien mit Frauen, Kindern und Greisen, denen zu einem genügenden Auskommen zu verhelfen noch mehr Mittel erfordertals ihr Transport. Man wird einwenden, daß ja auch Wohlhabende nach Amerika öbersiedeln werden. Allein von solchen wohlhabenden Familien ist Dies viel weniger zu vermuthen, und diese brauchen nicht darauf zu warten, bis die 12^/2 Millionen Franken zusammengebracht sind.. Bei dem obigen Vorschläge sind auch nur hülfsbedürstige Juden in Aussicht genommen, wie der aufgestellte Entwurf erweist, und es kann auch gar nicht in der Absicht liegendie gesammelten Gelder für Solche zu verwenden, die auch ohne Unterstützung nach Amerika gehen können. Müssen wir uns jetzt noch gegen, die ganze Absicht erklären, so scheint uns im Besondern also der vorgelegte Plan, dem sich selbstverständlich die '„Rum Post" avgefchloffen hat, durchaus nicht annehmbar. Sollten die,-Herren , welche 21., Hart Namentlich aufforderk, --die Rothschilds-. Goldsmids, Moceatta's, SalomoE, die 12^2 Millionen Franken hergebe»! wollen, so.' mögen sie es immerhin thun» Fordert man aber. die. wittelbegD terten Juden auf, dem obigen Plane Opfer zu bringen- und ihnen Mittel und Kräfte zu anderen wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken dadurch zu beschränken-- so müssen wir es entschieden zurückweisen.. Wir können unsren Rath nur wiederholen, daß man diesen voreiligen und unangemessenen Vorschlag endlich fallen und durch Stillschweigen vergessen lasse; er hat nur falsche Hoffnungen und feindseligen Spott hervorgerufen. Ei» abermaliger primipirllrr Fortschritt in Preußen. Während in Oestreich auch in dev Bach-Thunfchen Periode der jüdische Religionsunterricht M den öffentlichen Schulen dieselben Rechte besaß, wieder christliche-, wurde in Preußen unerschütterlich daran festgehalten, den jüdischen Religionsunterricht gänzlich zu ignoriren und auS den Schulen, sogar den Schulräumen-., wenn sie außerhalb der Unterrichtszeit dazu benutzt werden sollten, verbannt zu halten. Wie in allen diesen Momenten war daS Volk nach und nach aufgeklärter und gerechter geworden als die Regierung^ Wenn unter dem Regime Raumer-Mühler hie und da ein Magistrat oder ein Schuldirector billig genug war, den jüdischen ReligiynSlehrer für, den Schülern der öffentlichen Schule, besonders ertheilten Religionsunterricht mit .einer kleinen' Summe zu honoriren oder ihm zu diesem Behufe eine Claffe einzuräumen, so erfolgte von Prov.iycialfchulcollegien und vom Unterrichtsministerium, sobald es. zu deren Kenutniß gekommen war, ein Verbot. Durch ein soeben erflossenes Ministerialrescript, dessen Wortlaut wir in nächster Nummer zu geben im Stande sein werden, hat der gegenwärtige Unterrichtsminister, vr. Falk, das Gegentheil entschieden. Dieser Erlaß, nach der Stadt Rawicz gerichtetwie wir bereits in voriger Nummer gemeldet haben, billigt nicht nur die Honorirung des jüdischen Religionslehrers für den in der Schule besonders ertheilten Religionsunterricht aus. der Schub cassesondern auch, daß der betreffende Lehrer an den Conferenzen des Lehrercollegiums Theil. nehme und sein Vermerk auf die, Schulcensur regelmäßig-steste. , EM i ß dies die Emancip a 1 ion desjüdischen. Rechif gi.o ns untre rriichts an der öffentlicheu S'ch».lie.