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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-11-05 · Heft 45 (5.11.1872) · p. Seite 886

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 45 (5.11.1872)
Date
1872-11-05
Page
Seite 886 (sequence 4)
Language
German
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v:; lhttyeistn wir NM. tyft Näheren, wasM in diesem Artikelan Urteil ausgesprochen. Die AMwanderung Lee Mden aus NumSnien. ii. „ Wir glauben bei unfern Lesern das Vertrauen beanspruchen zu dürfen und zu besitzen, daß wir jedem wqhlthätigen und gemeinnützigen Unternehmen, sobald wir an ihm diese Eigenschaften erkennen, freudig unsere Zustimmung geben und, wo es möglich und erforderlich ist, ünfere Kräfte zu Gebote stellen; da, wo ein uns zweifelhaft erscheinender Versuch gemacht werden soll, der übrigens keine Gefahr mit sich führt, schweigen wir lieber Md lasten die Erfahrung sprechen. Dies halt uns aber nicht ab, wenn für einen Gedanken geworben wird, der geradezu als' zweckwidrig und gefährlich zu betrachten ist, uns offen und mit allem Nachdrücke dagegen auszuftttechen. Wir haben in Nr. 3S die Gründe ausführlich datgelegt, welche den Plan, eine große Auswanderung von Juden aus Rumänien zu bewirken, als einen irrigen erweisen, den man bester thäte fallen zu lasten. Die Gründe sind nicht widerlegt worden. Jetzt aber wird er von einer andern Seite aufgenommen und ihm eine bestimmtere Gestalt gegeben. Prüfen wir, was vorgeschlagen wird. Auf Grund eines mehr enthusiastisch als vernünftig gehaltenen Schreibens eines Amerikaners, der sich Oberst Ä. Wellington Hart nennt, entwirft das Jewish Chrouiple ausführlich einen Plan zur Ueberführung der Juden aus Rumänien, und zwar von 8000 Familien oder 40,000 Individuen, nach Amerika. 1) Es behauptet,, daß, die Ausführung nicht blos den rumänischen, sondern auch den Juden gewisser anderer Länder zum Vortheile gereichen würde. Schon Dies müssen wir entschieden verneinen. Gerade das Gegentheil wird der Fall sein. Wo das Volk und die Beamten unliebsam oder gehässig gegen hie Juden gestimmt sein werden., da werden sie, wenn eine solche Auswanderung stattgefunden, die Juden nur umso mehr drücken und mißhandeln, um. sie zur Auswanderung zu bewegen, zu zwingen Die Vertreibung der Juden aus den östlichen Ländern, wird das. Feldgeschrei jechzr halbrohen, Völkerschaften werden > welche, stets-geneigt sind, die Juden zu verfolgen. ., 2) Diese Auswanderung aus Rumänien soll '«inen politischen,, Zweck haben, und es wird.wnt ferner behauptet, daß sie den. zurückbleibenden Juden in Rumä?- nien eine Besserstellung, eine mildere und gerechtere Behandlung bewirken, und den Hetzereien und Bedrückungen ein Ziel setzen werde. Dies ist denn ja auch der wahre Beweggrund, um den europäischen Juden so große Opfer aufzuerlegen. Allein die Erreichung dieses Zweckes ist es, die wir durchaus nicht als Erfolg dieses Unternehmens erkennen können. Es soll also aus Rumänien ein Sechstel der dort ansässigen Juden entfernt werden, und fünf Sechstel blieben, zurück. Der alleinige Vortheil, der daraus erwüchse, wäre, daß die zurückbleibenden Inden eines Theiles ihrer Armen und der Unterstützung derselben ledig würden, andrerseits das Geschäftsfeld für dieselben einiger Concurrenz frei wäre. Auf das rumänische Volk, die Journalisten und die Regierung, wäre die Einwirkung das Gegentheil von dem Erwarteten. Wenn es in. einer kürzern oder länger» Frist nicht ausbleiben kann , daß die rumänische Regierung die gesetzlichen Verhältnisse der Juden regeln must, die Sicherheit des Lebens und des Eigenthums zu gewährleisten hat, so werden, falls der Auswanderung, eines Sechstels die Rumänen dies Unterlasten,' um durch, immer heftigere Angriffe, immer lästigere Beschränkungen und Bedrückungen, und dann und wann durch eine Judenhetze die zurückgebliebenen, fünf Sechstel möglichst, zu zwingen , auch auszuwandern. Und wer will dies bewerkstelligen? 3) Und nun der Plan.. Man berechnet, daß jede Familie ungefähr 6.0 Guineen, um sie über Ungarn, Deutschland und England nach Amerika zu schassen, kosten werde, und man verlangt deshalb für die 80:00 Familien oder 40,000 Individuen die Summe von 500,000 Lvst.; das sind ungefähr 31/2 Millionen Thaler oder 12V2 Millionen Franken. Diese Summe soll durch eine Anleihe zu 3 V2 % Zinsen zusammengebracht werden. Nach dem ersten . Jahre sollen die Zinsen auS dem Capital, und dann dieses in 13 Raten zu . je 1 Lvst. auf eine Actie von 1.0 Lost., also 13 für 10 Lvst. von den Ausgewanderten als Schuld zurückgezahlt werden. Wir glauben, daß, man. diesen Vorschlag nur zu.lesen braucht, um ihn. in. allen seinen Schwächen zu erkennen. Glaubt man. wirklich-- daß auch nur die Mehrzahl der Ausgewanderten. so reusstren werde, daß sie im zweiten Jahre nicht allein ihre Familien zu erhalten, sondern auch Rückzahlungen zn leisten, vermögen? Und wenn

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