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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-10-22 · Heft 43 (22.10.1872) · p. Seite 861

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 43 (22.10.1872)
Date
1872-10-22
Page
Seite 861 (sequence 21)
Language
German
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Joü ÄiWach aus Metz. Vor einigen Tagen verstarb zu Metz ein Mann, besten Andenken auch in diesen Blättern bewahrt zu werden den vollen Anspruch hat. Die Gegenwart mag seines. Namens wie seines Verdienstes sich kaum erinnern; auch sind es nicht weitläufige Werke, durch welche er eine zündende Kraft ausgeübt hat; mit wenigen Worten lasten sich die Erzeugnisse seines Geistes angeben und bezeichnen. Aber sie thaten ihre Wirkung zu einer Zeit, wo es namentlich in Frankreich unter unfern Glaubensgenoffen .sehr still war, und man in einem Athem die wenigen' Männer nennen konnte, die sich um das Judenthum kümmerten und mühten. In solchen Epochen erwirbtsich Derjenige, der, ein belebendes, anregendes, schaffendes Wort in die Menge hinausruft, ein großes Verdienst, das durch glänzendere Producte der Nachfolger nichts verdunkelt werden darf. Joel Anspach s, zu Metz geboren, hat diese Stadt nicht verlassen-,-, obschon es ihm leicht geworden wäre, durch seine großen Familienverbindungen und seine persönlichen Fähigkeiten einebedeutende Laufbahn zu betreten. Sein Bruder, Philipp Änspach, der rühmlich bekannte, Rath am Cästationshofe und Onkel der Baronin Gustav von Rothschild, blieb, wie seiner Vater-' flädf, so auch seinem gewerblichen Berufe treu, und verband damit ein stetes Studium der jüdischen Literatur, wirkte für «schule, Synagoge und viele gemeinnützige Merke sowohl innerhalb dev Gemeinde als der Stadt. Eme außergewöhnliche Bescheidenheit verband sich mit seineui Eifer in der Verwaltung der Gemeinde, in der Aufsicht über den Unterricht und im Vorsteheramte wohltätiger Institute. In den letzten Jahren seines Lebens war sein geistiges, BWüßtsein umwölkt, und so war es ihm erspart, die Schrecken der Belagerung, das furchtbare UnKück seines Vaterlandes und den Wechsel im Geschicke seiner Heimath ganz Mit dürchzüfühlen. Schon 1820 gab er das hebräische Gebetbuch mit einer schürten, aeluWneü französischen Uebersetzung, wie mark fii bis dahin Mch nicht besessen hatte, in Metz heraus, die schon 1827, später 1843 verbesserte Auflagen erMe. Sein Hciüpkrv'erk äbdr wären die Paroles d’uri Croyant Isradlite. Paris 184'2. Mrt einem' seltenen Feuer, mit einer aus Ueberzeugung entspringenden Beredsamkeit stellte er die Wahrheiten und Lehren des Judenthums. dcSr, zeigte' sie ihrer Uebereinstimwüng mit dem Berstaindd Md dein HörM/ M die Leser auf, sie in ihrem Wevthe zu erkennen ünd' hoch zll halten, und' begeisterte stv dafür.- Die Schrift schlüg durch, machte' in der französischen Gl'aUbensgeNoffeilschast großes Aufsehen, das sichaüch> Näch Deutschland zü verpflanzen nicht verfehlt^ übersetzte es doch äksbald eine Dcnne unsrer Bekanntschaft in's Deutsche. So übte die Schrift eine zündende Kraft und hatte die, edelsten Erfolge., . Friede seiner Äsche, Ehre seinem Getzächtniß! Nirgends wohl als in den Machwerken des deutschen Ultramontanismus kleidet sich der bitterste Ingrimm in die widrigste Geschmacklosigkeit, in den abstoßendsten Blödsinn. Auch der pariser Univers ist grob und scharf,! doch niemals so dumm und witzlos wie seine deutschen Genossen. Die Juden müssen da immer herhalten; aber; gerade mit diesen sind diese jesuitischen Katholiken am; Unglücklichsten. Es zeigt sich da sofort eine Rohheit und! ein Aberwitz, wie sie' an Geistlichen auffälliger sind als! an Eckenstehern, mit denen sie sich auf eine Stufe der i Bildung stellen. — Der zu Cöln abgehaltene Katholiken-! congreß erregt ihren Grimm um so mehr, je ruhiger i und gemessener er sich gehalten hat. In der Besprechung - desselben in dem von ihm redigirten, „Neußer Wochenblatt" Nr. 42 sagt der Pastor P. M. Schmitz: „In j den öffentlichen Versammlungen auf dem Gürzenich war i Israel stark vertreten, daher sah man viele hebräische! Nasen, doch roch man nicht eben so viel Knoblauch, da die an Knöblciüch Und mosaischen Speiftgesetzen festhaltenden Juden sich wenigerfür Rettung des „ältkatho-. lischen Glaubens" interessiren, als die aufgeklärten! Söhne Jungisraels, welche mit Jehovah und Moses sich! längst abgefunden haben/' Es mag fein, daß einige Juden Cölns diesen öffentlichen Vorträgen beigewohnt; haben. Und warum nicht? Es waren da glänzende Redner zu hören, deren specifischen Standpunkt man nicht -zu theilen brauchte, um dennoch ihren Charakter und die von ihnen ausgesprochenen Principien des Rechts und der Duldsamkeit zu würdigen. Jedenfalls hatten die Juden da nicht zu fürchten, vernehmen zu müssen, was sie in allen Katholikenversammlungen zu hören bekämen: die Verfluchung aller Andersgläubigen- und die schmählichsten und lügenhaftesten Angriffe auf sie , die Juden. Mit dem Schmuz des Herrn Schmitz befassen wir uns weiter nicht. Er riecht nicht nach Knoblauch, sondern nach innerster Fäulniß. Chiesch ist ein Dorf im czechischen Lande, nicht sehr bekannt, kann aber durch folgendes Histörchen, das die N. Fr. Pol. erzählt, zu einer zweifelhaften Berühmtheit gelangen. In Chiesch rcsidirt nämlich Graf Leopold Lazanzky. Besagter Edelmann hat seine Erziehung, in einem steierischen Jesuitenklöster genossen und trachtet daher jetzt, die ihm eingeflößt'e Theorie praktisch zu verwerthen. .Der größte Dorn im Auge sind dem Grafen natürlich liberale Zeitungen, und diesem Umstande ist es züzuschreiben, daß er vor Kurzem auf die Idee kam, den Wirthen, die solche halten , kein Bier zu verkaufen. Er hatte jedoch diesmal die Rechnung ohne Wirth gemacht, indem die Wirthe anderswo das,Bier holten und die Zeitungen hielten,, die ihren Gästen rusagten. Der besMtzveÄ WMerMttM Herrn Grafen erfreuen sich Doch LiejEM Bewohner von Chiesch, die den Geburts-

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