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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-10-22 · Heft 43 (22.10.1872) · p. Seite 853

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 43 (22.10.1872)
Date
1872-10-22
Page
Seite 853 (sequence 11)
Language
German
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Solches - zu thus beabsichtigte, während man den Gebrauch der Orgel verpönte, verdient immerhin regiftrirt zu werden, denn so was. kommt gewiß nirgends weiter vor, als in dem „Vereine -für geregelten Gottesdienst" in Prag, der noch verschiedene andere Kuriositäten in seiner Mitte birgtdie anderwärts nicht geduldet würden. — Die ehemalige josephstädter Schule ist diese Woche als städtische Volksschule mit deutscher Unterrichtssprache eröffnet worden. Unter den vom Stadtrathe angestellten Lehrern, befindet sich kein einziger Jude, obgleich viele jüdische Lehrer, darunter auch solche, welche durch viele Jahre an der josephstädter Schule gewirkt haben, sich um eine Anstellung beworben hatten. Die jüdische Gemeinde besitzt nunmehr nur eine Religionsschule, welcher von der Eultusrepräsentanz jetzt eine erfreuliche Aufmerksamkeit zugewendet wird. Aus dem Tokajergebirge, im Oktober. (Privatm.) Der Rücktritt Paulers wird im Lande mit allgemeinem Äjen begrüßt, und überall hofft man das Heranbrechen einer neuen Aera. In der That war es Pauler, der dem „Glaubenswächter" Leben verlieh und im Amtsblatte .die Adressen der Rothschild, Montefiore rc. zu Gunsten der Orthodoxie abdrucken ließ. In unserem Gebirge hat sich bis heute noch nicht eine Gemeinde der orthodoxen Partei förmlich an geschlossen, und vergebens sendet die Durchführungscommission ihre Erlässe in die einzelnen Gemeinden. Hin und wieder kommt es zu Streitigkeiten, und da muß denn das Comitat Ordnung in die Sachlage bringen. In Tokaj. hat sich die Gemeinde in zwei Parteien gespalten, ähnliche Vorfälle fanden in Tolcsva statt, nur in S. a. Ujhely ruhen die Parteien einstweilen, ohne freilich verschwunden zu sein. In der That hat sich der Oberrabbi dieser letzteren Gemeinde vom Getreibe der Parteien einstweilen zurückgezogen, nnd wir find gespannt auf die Stellung, welche derselbe zur neuen Schule dieser Gemeinde einnehmen wird, da mit Beginn des Schuljahres die 13 Jahre lang bestandene königliche Musterhauptschule aufgelöst ist. Die Mehrzahl. der Lehrer der bestandenen Schule werden fahnenflüchtig , der Direktor der Anstalt hat eine Anstellung als Casfirer bei einer Bank in dem benachbarten Kaschau angenommen, ein anderer hat eine Buchhandlung eröffnet, und ein dritter ist als Buchhalter thätig. Bei dem. Mangel an tüchtigen Lehrkräften des Landes müssen wir das Scheiden-des Direktors Stern aus dem ungarisch-israelitischen Lehrevstande tief bedauern, und wir > wollen durch diese Zeilen die hochlöbliche israelitische- Landescanzlei darauf aufmerksam machen, daß im zempliner Comitat ein vorzügliches Feld für das Aufblühen des israelitischen Schulwesens brach liegt. Es sollte den Gemeinden mit Subventionen aus dem ungarisch -israelitischen Landesschulfonds an die Hand gegangen werden, -und da sich dieselben keiner Canzlei bis heute angeschloffeu haben, sollte man es im Interesse der Volksbildung mit den Formen nicht so genau nehmen. Die Gemeinden haben von den Führern. des „Glaubenswächters" derartige Instructionen, daß sie sich aus religiösem Skrupel enthalten bei dem Districtspräsidenten um eine Subvention einzuschreiten, die sie zur Erhaltung ihrer Schule so notwendig haben. Wäre es da nicht Pflicht der ungarisch-jüdischen Intelligenz,, die Form weniger streng zu beobachten und Alles aufzubieten den Gemeinden ihre Schulen zu erhalten? Wie wir erfahren, soll sich die seit. 17 Jahren bestandene öffentliche Israelitische Hauptschule in Homynna auflösen, die ujhelyer Gemeinde dürfte kaum im Stande sein ihre Schule aus Gemeindemitteln zu erhalten, und in Tokaj zanken sich die Parteien, herum. Oberlehrer I. Rosenmeyer. S ch w e d e 11. Gothenburg, 1> October. (Privatmitth.) Es, ist mir Bedürfnis eines freudigen Ereignisses Erwähnung zu thun, obwohl ich glaube, daß Ihr schwedischer Correspondent Ihnen bereits davon Mittheilung gemacht hat.'*) Es sind neulich bei uns zwei Juden zu Reichstagsabgeordneten gewählt worden, hier jder Ihnen (wie ich glaube) dem. Namen nach bekannte Rechtsgelehrte, Advocat A. Philipsson (Mitglied unsers Vorstandes), und in Stockholm ein junger Jurist, her beim Stadtverordmtencollegiurn als Sekretär angestellte vr. M. Rubenson. Beide Wahlen Haben in einer -für die Betreffenden höchst ehrenvollen und für uns Alle ungemein erfreulichen Weife stattgefunden, und wir können, wenn wir an die früheren Bestimmungen des Reichsgesetzes hinsichtlich der N i ch t l u t h e ra n e r henken, *) S. Nr. 40, jedoch nur 'erst von der einen Wahl. Redact. 43*

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