Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1872)
- Date
- 1872-10-22
- Page
- Seite 850 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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-Sie haben sich-am den.Begriff» „unfehlbar" so gewöhnt, -daß sie ihn in allen seinen Variattonen immerfort im Munde führen. Wie wenig aber ihre Auslassungen unbestreitbar sind, wollen wir nur an einem Beispiele erweisen. Es heißt da: „Die Katholiken sind sich bewußt/ daß sie gegen alle ihre Mitbürger ohne Unterschied, der Confesston; stets Recht und Frieden geübt und-nie .ihre -Ehre ungetastet, sie nicht wegen ihrer Gesinnungen verdächtigt, sie niemals als landes- oder staatsgefährlich.denuncrrt, oder / gar auf - - Schmälerung ihrer staatsbürgerlichen und religiösen Rechte und Freiheiten arrtzetragen haben.; Sie . müssen aber mit Schmerz es aussprechen, daß ihnen nicht immer und überall gleiche Behandlung zu Theil wurde." Das ist. doch allzustark. Wir möchten wohl auch nur den kürzesten Zeitraum aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart kennen, auf welchen dieses „stets" und „niemals" in Wahrheit anzuwenden wäre. Man braucht nur eine beliebige Nummer - irgend eines katholischen, von den Bischöfen selbst empfohlenen Blattes aufzuschlagen, um diese Behauptung derselben als völlig unbegründet zu erkennen. Wir brauchen nur auf irgendwelche Stelle hinzuweisen, wo sie von den Juden sprechen, und das thun sie fortwährend und ohne Veranlassung unsererseits, um den Herren Bischöfen sagen zu müssen: Ihr habt da unbestreitbar Etwas Falsches gesagt! Wie? Die Katholiken haben niemals die Schmälerung der bürgerlichen Rechte Andersgläubiger beantragt? Und doch verdammt der Syllabus des „unfehlbaren" Papstes die Gleichberechtigung als ein Werk des Teufels, und macht es also den Katholiken zur religiösen Pflicht, allen Nichtkatholiken die bürgerliche Gleichberechtigung wieder zu nehmen. Nun, wie die Bischöfe alle Katholiken als unschuldige Lämmlein darstellen, über die der Wolf hereingebrochen sei, so stellen sie auch die Unfehlbarkeit des Papstes als ganz harmlos chin, und rücken den Syllabus und die Encyclika in alte vergangene Zeiten zurück , die für die Gegenwart gar keinen Maßstab mehr abgäben. Sie läugnen, .daß der Papst die Souveränität und das»Richteramt über -die Könige und Völker in Anspruch nehme, während dieses Dogma selbst in den vaticanischen Decreten vorkommt.; Was diese Harmlosigkeit zu bedeuten Habe, ersieht, man aus der. Theorie vom modernen-Staate,- welche die Denkschrift inihrem achten Abschnitte entwickelt. Diese Theorie wäre nur zu belächeln,-so grundlos und fade ist sie,-)wenn-sie nicht eben-ausgestellt würde,r um d en; groß en- -Haufen. - zu blenden., Es wird hier geradezu ausgesprochen: „Nicht das. Recht zu - schützen und die - - gesells chaftliche - Wohlfahrt zu - fördern ist hiernach die höchste. Aufgabe des (modernen) Staates , seine Aufgabe ist vielmehr die Verwirklichung des; Vernunftreiches". »Der?-Widerspruch,-. das Vernunftreich gründen und dabei das-Recht nicht schützen und die;Wohlfahrt »nicht fördern zu wollen/ während »doch die Vernunft nur'in». demu Schutze; des Rechts.mnd in der Förderung: der -- Wohlfahrt; sbestehtz diesen Widerspruch nicht , zu begreifen/ /kann nur Denen beifallen/ welche schon vordem Worte „Vernunft" erzittern- und zurückschrecken. Ja, daß die;, wahre-!Vernunft mit der wahren göttlichen Offenbarung in Uebereinstimmung ist, das zu erkennen- und zuzugesteheü können wir freilich -von den Herren Bischöfen:-nicht verlangen. — In der That, daß am modernen Staate noch Vieles zu entwickeln ist, daß auch wir mit mancherlei Maßnahmen der constitutionellen Staatsgewalten nicht übereinstimmen, namentlich auch mit einigen Derer, welche gegen den Katholicismus ergriffen worden sind, läugnen wir nicht — aber eine Feindseligkeit, ein verbissener Ingrimm gegen die Principien derselben, wie sie in dieser Denkschrift nackt hervortritt, ist uns in diesem Maße noch nirgends vorgekommen. Die Herren erklären „die Staatsgefährlichkeit" für eine Verläumdung — und bekunden diese selbst mit:, ihreneigenen Worten! Nun, der Staat wird diese; Gesinnungen auch überstehen, und.: aus diesem Kampfe geläutert hervorgehen — wer der verlierende Theil feilt wird, ist jetzt schon überklar, und kann durch solche Denkschriften nicht abgewendet werden. Fürth, ,8. Octbr. (Privatmittheil.) Die hiesigen „Fürther Neuesten Nachrichten" vom heutigen Datum bringen, folgende Mittheilung: Eine Pergleichung der Betheiligung der verschieden.e-n Eonfessionen am humanistischen Studium in Baiern ergiebt am Ende des Studienjahres, 1870—71 folgendes Resultat: Auf je.1000 Seelen der Bevölkerung treffen im ganzen.Königreiche am humanistischen Studium Teilnehmende: bei; der israelitischen Bevölkerung '4,39, bei der protestantischen Bevölkerung ,2,23, bei der .katholischen;!Bevölkerung 1,78. Die Israeliten betheiligen sich hiernach? entschieden ■ am Stärksten am humanistischen Unterrichte. Die- Betheiligung der protestantischen Bevölkerung pst