Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1872)
- Date
- 1872-10-22
- Page
- Seite 845 (sequence 3)
- Language
- German
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Israeliten, ■ welche mich persönlich näher kennen, dahin berufen, daß sie mich einer Intoleranz jener Art nicht für fähig halten werden. Dieselben wisien aber auch, daß ich mich damals bezüglich des Eides und der Ehe auf die Anschauung einer angesehenen Richtung.innerhalb der israelitischen Confession selbst berufen konnte." Wir fragen Dem gegenüber, ungerührt durch seine zwei EideShelfer, Herrn OSkar 'Wächter, der nach seiner neulichen Erklärung seit 22 Jahren seinen Anschauungen treugeblieben ist und sie heute noch vertritt: waS -hat er vor neun Jahren in der Kammer gesagt? und wie hat er gestimmt? Er hat nicht blos gegen die Ehe zwischen Juden und Christen, und für Beibehaltung des JudeneideS gesprochen und gestimmt, sondern er hat in der 16. Sitzung der Kammer der Abgeordneten vom 2. December 1863. gegen die GleichstÄlung der Israeliten mit den Christen überhaupt gesprochen, hat die öffentliche Stellung des Christenthums gewahrt wissen wollen, hat sich gegen die gemeinschaftliche Armenversorgung ausgesprochen, hat die Israeliten von gewissen Aemtern ausgeschlossen sehen wollen , und hat, er der Einzige von 83 Mitgliedern, mit diesen Gründen gegm Artikel 1 des Entwurfes gestimmt, der, da lautet: Die im Königreiche einheimischen Israeliten sind in allen bürgerlichen Verhält- . nissen den gleichen Gesetzen unterworfen, welche für die übrigen Staatsangehörigen maßgebend find, sie genießen die gleichen Rechte und haben die gleichen Pflichten und Leistungen zu erfüllen." Und jetzt läugnet er's weg, weil es ihm paßt, und läßt sich von seinen Freunden bezeugen, daß er einer Intoleranz dieser Art gar nicht fähig ist. Äst das Wahrheit? und ist das ein Mann, der das Vertrauen der Wähler verdient? Capitalfür seinen Gegencändidaten zu machen, gesucht. Wenn die hiesigen Israeliten ihr Gedächtniß halbwegs schärfen, muß ihnen bekannt sein, daß Herr Wächter während des letzten Krieges nicht nur Ausgetriebenen aus Paris, sondern verwundeten und kranken Israeliten seine Hülfsleistung und Nächstenliebe, die hier bekannt ist, in gleichem Maße angedeihen ließ, wie Christen. Wenn dessenungeachtet man um neun Jahre zurückgreift, um gegen Herrn Wächter eine Waffe seines früheren Vor--' urtheils wegen zu finden, so müssen sich Diejenigen für durchaus unfehlbar Hallen, die Solches thun, und bedürfen Dieselben auch keines Vers ö hnungstag es. Unbefangen denkende Israeliten werden sich durch solche Parteimanöver gewiß nicht ködern lassen. Mehrere Israeliten." Die Mehrzahl der stuttgarter Juden wird allerdings dem Dr. Oskar Wächter ihre Stimmen zuwenden, da ihr die Reichstreue so hoch steht, daß keine confessionelle Rücksicht sie zum Abfalle bewegen kann. Herr Dr. Adolph Levi, Stadtrath und Oberkirchenvorfteher, steht mit seinem nicht zu unterschätzenden Einstuffe für Wächter ein. — Die Beobachterspartei nimmt öfters Veranlassung in ihrem Organe auf eine minder anständige Weise über Juden sich auszulaffen. Kürzlich brachte der Beobachter aus Mergentheim bei der Anwesen? heit des Rabbiners Dr. Schwab ach er aus Odessa daselbst einen humoristisch sein sollenden Artikel, mit Gehässigkeiten über Juden gespickt, daß jeder Leser davon übel berührt war. -Bei dieser Wahl werden die Juden Stuttgarts in großer Majorität den reichsfreundlichen Candidaten trotz Beobachter zum Abgeordneten wählen. Diplomatische Äctensiücke der illordamerikamschen und der Französischen Negierung. Der Schwäbische Mercur bringt folgendes Inserat: Zur Abgeordnetenwahl. (Eingesandt.) „Eine kleine Anzahl hiesiger Israeliten, inspirirt von der Volkspartei, agitirt gegen den Abgeordnetencandidaten Herrn Dr. Wächter deshalb, weil er vor neun Jahren in der Kammer der Abgeordneten sich gegen die Mischehen und die Cmcmcipatwn ausgesprochen hat. Trotz einer Erklärung desselben über diese Puncte wird seine damalige Kammerrede im Auszuge versendet, und damit A l b a n y, den 9. September. Hiermit Übersende ich Ihnen die Abschrift eines Schriftwechsels zwischen dem nordamerikanischen Gesandten in Paris und dem französischen Minister des Auswärtigen. Sicherlich werden diese Äußerungen zweier Großmächte auf die rumänische Regierung eine nachhaltige Wirkung üben, und zur Verbesserung der Lage unsrer unglücklichen Glaubensbrüder in Rumänien wesentlich beitragen. L. ß. U. -