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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-10-15 · Heft 42 (15.10.1872) · p. Seite 829

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 42 (15.10.1872)
Date
1872-10-15
Page
Seite 829 (sequence 7)
Language
German
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gebührt". „Wenn die Hohen Beamten und der Stand, welcher früher eine conservaüve Hauptstütze des Staates war, der Adel, zu Gründern und Börsenspekulanten werden, da übt Das noch schlimmeren Einfluß als die jüdische Jobberei." Herr Goedsche verlangt einen „Congreß der conservativen Partei", auf welchem die Grundzüge der Gemeinsamkeit festgestellt werden. Herr von Nathusius meint dagegen in seiner Schrift „Conservaüve Partei und Ministerium", daß die conservaüve Partei nie stärker hervorgetreten sei, >als nach den Schulaufstchtsdebatten im Herrenhause." Hierin liegt die ganze Sache: die Partei an sich ist ohnmächtig, aber sie dominirt noch im Herrenhause, und das ist schlimm für Preußen. Breslau, 30. September. Am gestrigen Sonntage, Vormittags 11 Uhr, fand die Einweihungsfeier der,neuen Synagoge statt, welche zu diesem Anlaß auf's Prächtigste in ihren Vorhallen mit exotischen Gewächsen decorirt war. Der eingegränzte freie Platz vor der Synagoge war vorläufig mit Tannenbäumen und Moosteppichen geschmückt, da die gegenwärtige Jahreszeit zur Bepflanzung eine ungeeignete ist, und die betreffenden Baumanlagen , erst im künftigen Frühjahre vorgenommen werden können. Schon eine halbe Stunde vorher hatten sich Ln der rechten Vorhalle des Gotteshauses die geladenen Ehrengäste versammelt, unter denen sich die Herren Regierungspräsident Graf von Poninskr, der Commandant von Breslau, Generalmajor von Lindern, der Rector der Universität Geheimrath Professor Dr. Häfer, der Bürgermeister Geheimrath Dr. Bartsch, Deputationen des Magistrats und der Stadtverordneten, Poleizeirath Weiß als Vertreter des Polizeipräsidenten, Kreisgerichtsdirector Wachler, königlicher Bankdirector Martin, die Directoren der hiesigen königlichen und städüschen Gymnasien und Realschulen, Director Dr. Reisacker, Dr. Klette re., das Curatorium der fränkelschen Stiftung, das Lehrercollegium des jüdisch-theologischen Seminars, der Vorstand der Synagogengemeinde, mch noch viele andere hervorragende Persönlichkeiten befanden. Das Gotteshaus selbst war in seinen Parterreräumlichkeiten von den Gemeindemitgliedern überfüllt, während auf doppelten Emporen die Frauen und Töchter derselben placirt waren. Jedem Einzelnen war bei seinem Eintritt von den betreffenden Festordnern sein Sitzplatz angewiesen worden. Nachdem Baurath Oppler, der Erbauer der Synagoge, und der erste Gemeindevorsteher, Commexcienrath Friedenthal, Ansprachen gewechselt, nahm der Herr Präsident Graf von Poninski den Schlüssel, aus den Händen des Herrn Vorredners entgegen, und öffnete damit die Thüre des Gotteshauses unter dem Wynsche, daß diese Synagoge immerdar eine Stätte des Segens für die hiesige Gemeinde sein, und Gott der Allmächtige , zu dem wir Alle beten, sie in Schutz nehmen möge. Unter Vorantritt des Landrabbiners Ti kt i n, des Rabbiners Dr. Josl, des Vorbeters Cantor Deutsch und der Vorstandsmitglieder der Shmgogengemeinde, welche sämmtlich die Kesetzesrollen trugen, folgten in langem Zuge die geladenen Ehrengäste nach den bereitgehaltenen Plätzen, während unter Orgelbegleitung vom Chore der 26. Vers des 118, Psalms: „Gesegnet, wer da kommt im Namen Gottes" gesungen wurde. Ein geübter Sängerchor trug hierauf den 24. Psalm „Des Herrn ist die Erde und was sie füllt" mit Posaunenbegleitung sehr exact vor, worauf der Vorbeter einen Segensspruch intonirte, und Herr Landrabbiner Ti kti n ein Hebräisches Gebet sprach. Rabbiner vr. Joel verrichtete nächstdem ist deutscher Sprache ein Weihegebet, in welchem er den Segen auf das gesalbte Haupt des Kaisers Wilhelm!., auf das kaiserliche Haus, auf die Männer der Verwaltung des Staates, der Provinz und der Stadt, auf die Gemeinde und auf dieses neuerbaute Gotteshaus herabflehte, welches stets würdig des Zweckes, für den es bestimmt, würdig der Stadt, in der es steht, und würdig des Staates, der seine Bürger schützt , eine Stätte des Friedens und der Wahrheit bleiben möge. Nach dem Schluffe dieses Gebetes wurde die heilige Lade geöffnet, und unter dem abwechselnden Gesänge des Vorbeters und des Chores: „Höre Israel, Gott ist unser Herr" der Umgang mit den Thorarollen vollzogen. Rcchbiner Dr. Joel betrat hierauf den in der Allerheiligenanlage befindlichen Predigerstuhl, und richtete in begeisterten Worten an die Gemeinde die Weihepredigt, auf einen Spruch im 5. Buch Mose hinweisend: „Und Du sollst von hier aus suchen.den Ewigen, Deinen Gott, und Du wirft ihn finden , so Du ihn suchest von ganzem Herzen und von ganzer Seele." In der weiteren Ausführung seiner.gehaltvollen Rede wies er nach, daß Gott nahe ist Denen, die ihn anrusen, und daß dieses Gotteshaus eine Stätte des Gebetes, eine Stätte der Lehre und eine

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