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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-10-15 · Heft 42 (15.10.1872) · p. Seite 825

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 42 (15.10.1872)
Date
1872-10-15
Page
Seite 825 (sequence 3)
Language
German
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gießt er selbst deutlich zu erkenne«. Er sagt: „Ohne die , Juden würden wir keine Christen sein. Dies ist, ich bekenne es, die vorzüglichste Anklage gegen sie, die wir niemals vergessen dürfen." Er sagt: „Israel hat den Heiden seinen Monotheismus mitgetheilt, es hat um zwei die Zahl der bekannten Religionen vermehrt, es hat das Christenthum und den Islam zu Tage gebracht!" Wir brauchen kaum Mehr zu sagen. Es ist das eigenste Schicksal der Juden, daß ihnen die Freunde des Christenthums die Vorzüge absprechen, welche sie diesem zuschreiben , die Feinde des Christenthums aber sie für die Sünden verantwortlich machen, welche sie diesem insinuiren! Daß das Christenthum zwar seine Grundelemente aus dem Äudenthume zog, aber alsbald diese so umbildete, daß es mit den Grundlehren des Judenthums in Widerspruch trat, daß Judenthum und Christenthum deshalb so lange Zeit im Gegensätze sich befanden, wird übersehen. Allein hiermit darf man ja diesem französischen Freidenker nicht kommen; er macht es ja den Juden schon zum unvergeßlichen Vorwurf, daß sie der Welt den Monotheismus gegeben haben! Freilich müßte er alle anderen Völker nicht minder anklagen und hasten, die doch immer Polytheisten gewesen sind, Götter verehrten und ihnen Gebete und Opfer widmeten. Was bedeutet denn für diese Atheisten und Nihilisten, ob einen Gott oder mehrere Götter? Nun, es ist zweifellos das Geschick der Juden, von den Gottesläugnern gehaßt und befeindet, von den Gegnern aller positiven Religion, sei sie auch die geläutertste, als Gegner behandelt und verdammt zu werden. Ueber dieses Geschick wollen wir uns nicht beklagen. Es ist unsre Bestimmung, hervorgehend aus unsrem eigensten Wesen, wir müssen sie erfüllen, wie wir unsrer Religion wegen schon so Vieles getragen haben. . Wir würden auch über derartige Angriffe hinweggehen, wenn nicht die anderweitigen Beschuldigungen, die sie aus diesem Haste heraus gegen die Juden schleudern, auch von Denen wiederholt würden, welche sonst ihre Gegner sind. Hören wir nun, was er eben anderweitig sagt. „Welch, ein bizarres Geschöpf, dieser kleine, trockene, finstere, nerveuse, wie eine Schlange schmiegsame und bewegliche Mensch — und dennoch ist er in vielfachen Beziehungen gegenwärtig unser Herr! Ich untersuche hier nicht, welche Stelle der Jude in der modernen Gesellschaft einnimmt. Diese Race von Menschen, verachtet von Allen im Alterthume, grausam verspottet durch Horaz, so kriechend und so käuflich, daß Cicero, TituS Livius u. st w. sie als „geboren für die Knechtschaft" ausgegeben haben, diese Race von Sklaven und kleinen Kaufleuten (fremd übrigens jeder Kunst und jeder.Industrie), was hat sie der Welt gegeben? Niedrige Laster, ungesunde Leidenschaften, gemeine Ausbeutung, eine hartnäckige Liebe zum Gewinn, einen tiefen Trieb für unreine Wollust. Ist Dies Alles, was sie den Nationen gebracht hat, die ihrer so lange Zeit vergessen, sie bis auf ihr Dasein ignorirt hatten? Nein, Israel hat nicht allein aus seinem Schoße den Banquier hervorgebracht, den Trödler, den Colporteur, den Horoskopsteller für das Volk in Rom, für Tiberius in Capreä, den Arzt der Papste, den Geldwechsler der Könige; sie hat auch den Heiden ihren Monotheismus mitgetheilt" u. st w. Dies ist die Schilderung, die der Mitarbeiten der ksxubligus fraüfaise von den Juden entwirft« Wie er sein allgemeines Motiv in seiner Todfeindschaft gegen die Gotteslehre verräth, so thut er dies auch hinsichtlich seines speciellen Grundes. Der Jude ist „in vielen Beziehungen gegenwärtig unser Herr!" Dies ist die Art, wie alle unsre. Feinde das ausdrücken, was ihnen das Herz abdrückt. Sie wissen sehr wohl, daß die große Masse der. Juden Nichts Weniger als die Herren der Welt sind, und ihre Stellung in der Gesellschaft eine sehr bescheidene ist. Es giebt kein Dorf, keine Stadt, keine Provinz, in welcher die Juden die Herren sind oder spielen; selbst nicht einmal in den polnischen Städten, in welchen sie die Mehrzahl der Bewohner ausmachen. Wenn irgend ein Jude Mitglied einer Stadtverordnetenversammlung oder eines Abgeordnetenhauses ist, fiSnnett hiermit die Juden irgend einer Herrschaft geziehen werden? Sie wissen sehr wohl, daß es keine große Institution giebt, deren die Juden Meister waren. Die geringe Zahl von Professoren und Lehrern, die dem Judenthume angehören, machen doch wohl die Universitäten und Schulen nicht zu jüdischen Anstalten. Man braucht nur die Ueberzahl der Zeitblätter, die Mehrzahl der literarischen Werke sich über die Juden aussprechen zu hören, um zu wissen, daß es eine absichtliche oder unbewußte Täuschung ist, wenn man die Presse für in den Händen der Juden befindlich ausgiebt. Daß in einigen wenigen Redactivnen Juden milwirken und es einige Correspondenten giebt, welche Juden sind, macht in der That wenig aus. Was bleibt also übrig? Nichts Anderes, als daß in der höheren Finanzwelt eine verhältnrßmäßig bedeutende Zahl Juden thatig sind. Dies allein ist es, was den Neid und den Haß, und die daraus- 42*

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