Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1872)
- Date
- 1872-10-08
- Page
- Seite 821 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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griechischem, syrischem Stil zu lehren; sie legten ihr eine' riechische Hülle um, trübten ihren reinen Glanz und rachen ihren Schwung. Sie gaben sich Mühe, ihre Lehden zu untersuchen und ihre Gesetzes zu prüfen au dem so leichten Gewichte ihres Verstandes, der nicht hinreichend entwickelt war, und förderten dadurch eine schiefe Auffassung. Sie gingen damit um, die Lehre Moscheh's, des' Knechtes Gottes, in's Griechische zu übertragen, um sie zu vervollständigen und zu ergänzen; allein das war ungereimt. Jene Lehre kommt von Gott, stammt aus dem Himmel, ist reich an Belehrung, erhaben durch Bildung und Wissen, die sie gewährt; diese Umformung hingegen ist in der Enge und Stille, im Lande der Gluth zu Stande gebracht. Dem, was hier unsere Widersacher geschaffen haben, huldigen Strafwürdige; jene aber ist die Gotieslehre, die treu bewährte, das feuerstrahlende Gesetz, das Er uns brachte in Seiner Rechten. Sie ruft: Bewahre meine Gebote und lebe, des Sünders Lebensfeld verdorre; diese erklärt: Nichts wird verlangt als vernunftgemäße Erkenntniß, welche die Glückseligkeit und Vollkommenheit des Menschen begründet, klares Verständniß, das das Leben festigt und^durchgeistigt. Sie vermeinten, die Weihe und Hoheit der Gotteslehre zu wahren; allein sie zerstörten ihre Herrlichkeit und verdunkelten ihren Glanz. Sie machten daraus eine Leiter, und das Griechische zu ihrem obersten Söller; daher verlor die Gotteslehre an Macht, und ihr Gesetz aN obsiegender Gewalt. Ja, nach ihrer Ansicht wäre die Weisheit des Plato und Aristoteles von größerer Bedeutung für uns, als die Lehre unseres großen Meisters Moscheh; denn ohne die Aufklärung Jener, ohne ihre wissenschaftlichen Forschungen und Systeme, meinen sie, würde unser Geist im Dunkeln umhertasten, und kein Lichtstrahl der Erkenntniß ihn berühren. Gewiß, das erinnert an die Meinung der Christen, daß alle Frommen hoffnungslos untergingen, bis ihr Heiland erschien und sie durch seinen Tod erlöste. Wenn nun aber doch der Fromme, der an der Gotteslehre hängt und im Glauben treu beharrt, das Leben nicht zu schützen vermag: welchen Werth hat es dann, um der Lehre willen in den Tod zu gehen und das Leiden und die Schmach des Exils zu ertragen, das den vorzüglichsten Erreichungen hemmend in den Weg tritt! Welchen Sinn hatte es dann, daß Chananjah, Mischael, Asarjah der Religion zu Liebe ihr Leben Preisgaben und des Königs Befehl und Gesetz übertraten , daß Daniel bereitwillig sich dem Tode weihte, um nicht die Hebungen feines Gebetes zu verletzen, daß alle Vier es vorzogen, ihr Leben zu opfern, als von der Tafelköst des Königs' und seinem Weine zu genießen! Wahrlich, wer das Joch der Religion abwirft, ausscheidet ausder glaubenstreuen Gemeinschaft, und den Schwur des Glaubens bricht: erleichtert sich doch die Last, gewinnt Befreiung von dem Schmerze des Exils und seiner Drangsal, und erlangt auch die volle Freiheit des Mistes! Allein weit gefehlt! Der Ewige, unser Gott, ist wahr, Seine Lehre ist Mh'r; s und wer Seine Gebotet behütet und sie übt in Wahrheit, behütet und bewahrt sein LebeN, daß es nicht wankt' und bricht. Geistige Reife bezeugt das Gesetz Gottes Allen , die es üben , seine Weisheit ist unvergänglich. Wohlan! Halte Umschau überall in den heiligen Schriften, so wirst Du niemals finden, daß die Frommen, wegen ihrer geistigen Erleuchtung gerühmt würden, sondern immer nur wegen ihres Gehorsams gegeri den Willen des Schiffers, den sie erfüllten mit reinem Sinne. Ja selbst von tien Welten des Himmels, die sich äüszeichNen durch ihre Pracht und die überragende Hoheit ihres Wesens, wird immer nur hervorgehoben und gepriesen, daß sie an ihrer Stelle den Willen Gottes in Ausführung bringen. Diese Art Und Weise ist jedoch Thorheit in den AügeN Derer, die sich weift dünken und für einsichtsvoll halten'. Sie' ächten gering, das Gottes-' wort, und die Weisheit gilt1 ihnen Nichts, aus der Gotteslehre führen sie Belegstellen an, ihre Behauptungen zu begründen; allein diese erhebt lauten Einspruch und erklärt: „So viel höher der Himmel ist als die Erve, um so viel höher sind meine Wege als Eure Wege, und meine Gedanken erhabener als Eure Gedanken/' Das Wort, das sie an der Quelle schöpfen, haben sie mit andachtslosem Sinne entlehnt und zu einem Vorwände fertig gemacht, da sie die Gelegenheit dazu suchten; sie, die Tugendhaften, Gottesfürchtigen und Seines Namens Bekenner, sie sollten AelterN und Kinder schützen vor Gottlosigkeit. Wohlgemerkt! Ihnen rufen Die', welche wahrhaft reinen Herzens sind, zu: „Ihr Weisen, habet Acht auf Eure Rede, damit Ihr nicht die Schuld atu Mißgeschick auf Euch ladet." Noch Folgendes habe ich ihnen zu erwiedern zur Ehre Gottes. Da sie doch lesen, daß die hervorragenvsten Philosophen, so z. B. Aristoteles und seine Schule, die Prophetie für eine Fähigkeit und Möglichkeit, halten, welche der Mensch mittelst seiner geistigen Kraft / feiner sittlichen Tugend und natürlichen Beschaffenheit erlange: woher kommt es nun, daß dieselbe noch keinem der Philosophen zu Theil wurd'e, die vor Aristoteles gelebt, und eben so wenig seinen Nachfolgern, die nun' bereits 1700 Jahre nach ihm' gelehrt haben? Zumal unmittelbar nach ihm war doch die Philosophie in jeder Hinsicht reich ausgestattet uüd wohl versorgt; denn er hatte sie auf'festem Boven gegründet, auf sicheren Gesetzen aufgebaut, in ihren Tiefen erforscht und erkannt. Was sehen wir indeß in Israel! So lange es in Frieden in seinem Lande lebte, traten zahlreich in seiner Mitte Propheten' auf gereiften und jugendlichen Alters; deß ist Zeuge' der Ausspruch: „Und ich erhebe von Euren Söhnen zu Propheten, und von Eitrem Jünglingen zu Geweihtin." Das beweist d'o'ch wohl hinlänglich, daß das• BüÄ großan Eirisicht und' stärk au Ausführung, - und böf1 jene Auszeichnung' nur den Frommen eigen war, welche der erhabenen Lehre Gottes in Treue nachwandelten auf den Fluren des Le- 'beM eM HweiW' MWst'," 'weW. dib Geheimnisse der r MishM ofst'Nb'arl, die doppelt so reich sind als die zu