Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1872)
- Date
- 1872-10-08
- Page
- Seite 820 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Verderbens Wer uns schwang und viele Gemeinden des Abendlandes ihren Untergang fanden, ebenso wie wenige Jahre später im Morgenlande, beid<Male in den Tagen des Maimuni, zuerst in seiner Jugendzeit und zu-, zweit in seinem Alter nach den geschichtlichen Angaben. Damals fand die-Gemeinde Alißnah, seit vielen Generationen hochberühmt in Israel durch Wissen und Gelehrsamkeit, ein trauriges Ende; etwa ein Jahrhundert später wurden wir aus Frankreich, England und andern Staaten vertrieben, und immer größere.Nachahmung fand dieser Vorgang. Verfolger erstanden überall-, Schwert und Feuer ergriff die Frommen, Verderben und Tod war ihr Loos, Raub und Plünderung ihr Geschick, die Gotteslehre wurde eine Beute der Flammen und ein Gegenstanddes Hohnes, Hab' und Gut wurde entrissen, Weib und Kind mißhandelt, Allen schlug der Unglückstag tiefe Wunden an Ehre und Besitz, wie ein werthloses Geräth wurde Israel preisgegeben, an Stelle von Achtung trat Schmach, und Beschämung, und ein Abgrund rief dem andern zu : „Schwert, Hunger und Verfolgung, wie es die Schrift verheißen und nicht verheißen, — Alles hat sich erfüllt!" Zwei, drei Köpfe blieben verschont, und auch diesen war der Tod erwünschter, als das Leben. Wie viel Weh und Mißgeschick ferner traf unsere eigene Generation! Jüngst in der Provinz Eastilienaller Orten, ebenso in Catalonien im Jahre 5151 und alsdann 22 Jahre später wurden zahlreiche kleine und große Gemeinde» zu Grunde gerichtet; die in Castilien sich erhielten., wurden zu Schande und Spott, und gerieten auseinem Unglück in das andere. Zahllos waren ihre Leiden, auf die man stößt, wohin man auch die Hand ausstreckt. Damals wurden sie gebrandmarkt durch den Befehl, durch ihre Tracht sich kenntlich zu machen, und durch das Verbot, Handel, Pachtgeschäfte und Handwerk zu betreiben, genau so, wie ehedem in Den Tagen des Rabbi.Joseph ibn Aknin. Aus kostbar eingerichteten Wohnungen und prachtvollen Räumen wurden sie hinausgejagt in enge, finstere Aufenthaltsorte; von weichem, sanften Polster Hinweggetrieben in den Moder der Gassen; wer zu Israel gehörte, mußte sein Leben in elenden Hütten fristen, zur Sommer- und Winterszeit geschändet und geächtet-. Die. Steuerpachter wanderten aus, als ihnen das Pacht- und Geldwechselgewerbe entzögen wurden; denn, theilswaren sie keines Handwerks kundig, um sich dadurch zu. ernähren, theils wagten sie nicht' es zu betreiben- Angesichts' der- Drangsal und des Zwanges; denen sie ausgesetzt waren, und. gegen welche sie keinen Widerstand zu leisten vermochten. Aehnlich war das Geschick der jüdischen Gemeinden im Reiche Aragonien, als ein neuer Herrscher neue Trübsal ersann; Tage und Nächte, hüllen.'sichin Trauer, wenn, man daran zurückdenkt. Zöglinge an der Mutterbrust< winseln in Hunger, Durst, und unbekleidet; vor Frost, und- Kälte sterben Kinder, im frühesten Alter; — denket.wohl^ darüber nach und- E-eWanM,, -HintzW und - Vatergedenket, der ewMY Schmgch,. die sich. ein. Ge-, dachtmß bewahren möge in jeglichem Geschlecht. Und wenn Du nun fragst: Weshalb geschah das Alles? so ' wisie und glaube, daß wir selbst alle Schuld daran tragen; im üebermaß unserer Sünden wurde unsere Schleppe, aufgedeckt, unsere Ferse sichtbar. Denn wahr und gerecht ist unser Gott, nicht aus Lust demüthigt und beugt Er uns, sondern unsere Sünden haben uns das bereitet, und unsere Schuld hat uns um alle Glückseligkeit gebracht; nicht unvermögend ist die Hand Gottes uns zu helfen, sondern im Ausdruck seiner Gerechtigkeit hat Er - all dieses- Leid und Weh über uns gebracht, Gleiches mit Gleichem vergolten. Weil wir in der Tracht unserer Bedränger uns kleideten, wurden wir gezwungen, durch die Tracht zur Zielscheibe des Spottes und Hohnes 'zu werden in dem Auge der Völker. Weil wir die Spitzen unseres Bart- und Haupthaares abschnitten, wurde über uns verhängt, Bart- und Haupthaar, wie Trauernde, lang wachsen zu lassen. Weil wir in den Jahrhunderten nach der Zerstörung des Tempelsstattliche Häuser, prachtvolle. Säle uns erbauten, wurden wir hinausgetrieben auf die Felder und die Moderplätze. Prüfe und forsche nur an der Hand der Gotteslehre und des Prophetenwortes/ so wirst Du unser Thunverstehen; befrage Vater und Vorväter, so werden sie Dir unsere Verirrungen bezeichnen, wie wir allefammt einer Heerde gleich abirrten, Jeder seinen eigenen Weg ging, ein sündiger Geist uns leitete und von Kopf bis Fuß keine gesunde Stelle an. uns zu finden ist. Etliche unserer Weisen unter den Späteren fehlten im Reden und irrten im Sehen, in ihrem Eiferverfielen sie in Haß gegen einander, und verhandelten die Gotteslehre mit ihrem Gezänk. Ihr Sinn war nur darauf gerichtet, in derselben Wort und Buchstabe festzustetten, Neues an Gesetzen und Deutungen auszufinden durch ihre Lehrmethode und ihre mannichfaltigsten Gedankenverbindungen; sie stifteten keinen Nutzen und brachten keinen Vortheil durch die Unterschiede ihrer Lehrmeinungen und Ansichten, mittelst welcher sie auf jeder Spitze Bergevon Gesetzen' thürmten. In, solcher Weise vernachlässigten sie das Sittliche, Edle und Heilige der Lehre; was der Eine offenbarte, verdeckte der Andere, was Dieser verpönte, gestattete Jener, so daß' durch-ihre Spaltungen die eine Lehre sichin zwei theilte. An Spinngeweben' arbeiteten sie- und brachten sich so um ihre Achtung bei der Nachwelt, und legten die Werth!osigkeitihrer Mühen an den Tag'; denn ihr Auge vermochte nicht zu sehen und ihr Geist nicht zu erkennen. Sie deuteten die Lehre nach ihren Willkür, und machten dem Volkeihr Verfahren nicht-.bekannt; denn einen-Geist des-Schlafes Hat-Gott über sie gesandt und ihr- Auge verdunkelt. So geschah es, dass die Hoheit der Gotteslehre sich verminderte' bei Allen; die' Auge und Ohr ihr zuwandten: Zu Alledem kommt noch ein Anderes, um das Maß der Versündigung -voll; zu machen. Etliche Gesetzeslehrer unter den Spateren-, faßten den- Plan-, die Gotteslehre'; die vollkommene^ mitmeuewGeiste zu erfüllen unbij sie irr'