Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1872)
- Date
- 1872-10-08
- Page
- Seite 819 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitung des ZudenthurM Feuilleton-seilage jtt!tr. 41. Leipzig, den 8. October 1872. Zu den hohen Festen. 2. dar dem dersähnungstage. Halt' Einkehr! Frag' Dich selbst! Zünd' an das Licht In Deiner Seelenkammern dunklen Räumen! Was Dir geworden? Nein, das frage nicht — Was Du gethan in dieses Jahres Säumen! Streck' nicht die Hand zum Himmel allezeit, Von ihm das Glück, das Heil Dir zu verlangen — Birgst Du's in Dir? Ja, bist Du nur bereit, Kommt es an Dich, als Glück es zu. empfangen^? Du klagst die Zeit ob ihres Fluges an — Lebt's doch in Dir ununterbrochen weiter; Was Du vollbracht, indeß sie schnell verrann. Und in Dir schaffst, das ist des Lebens Leiter! Es ist der Mensch zugleich Gestalt und Guß — > Die feste Form, die sich herausgestaltet, Von innerm Feuer das Metall in Fluß, Das hie und da im Zeitensturm erkaltet. So blicke hin: was hast Du für Gestalt? Welch' Feuer wogt in Dir? sind's Gottesflammen? Jst's wilde Leidenschaft, die glüht und wallt? Und welch' Metall schaffst Du in Dir zusammen, - Bleierze, giftig, oder lautres Gold? Und räumst Du weg die aufgehäuften Schlacken? Was festigst Du aus dem, was in Dir rollt? In Wellenlinien? oder scharfen Zacken? Die Jugend laff' den weiten Strom entlang Den steuerfreien Nachen sorglos treiben — Doch wird's Dir, Greis, nicht ahnungsschwer und bang, Willst Du gedankenlos im Wirbel bleiben? Des LebenS Räthsel, nicht im Flug der Zeit, Nicht liegt's im Knoten wechselnder Geschicke — Willst Du's erfinden: in den innern Streit, In Deines Herzens trübe Strömung blicke! . Denn wie der Strahl, der sich am Körper bricht, Die Färb' ihm giebt, macht seine Form erscheinen: Was uns von außen kommt, der Seele Licht '; Läßt's uns entzücken, läßt eS uns beweinen. Da ruft's: „Versöhnung!" Dir „Versöhnung!" zu — Und freudig streckst Du Deine Hand entgegen; Versöhnung — Friede ist's, und Friede Ruh', Vergessen und vergeben — welch' ein Segen! .... Ja, wären Ruf und That daffelbe schon — Und brauchten wir die Hand nur hinzuneigen — Erst muß Versöhnung den erhabnen Thron In Deinem Geist, in Deinem Selbst ersteigen! Erst muß der Haß aus Deinem Herzen flieh'n, Der Stolz zerbrochen Dir am Boden liegen, - Nicht länger darf am Seil Dich Habgier zieh'n, Und nicht den Flug der Wohllust darfst Du fliegen! Dann sprich: Versöhnung! wenn Dir Liebe glüht, Das Glück des Nächsten Freude Dir bereitet, Verdienst Du würdigst, als ob's Dir erblüht, Und durch Dein Haus der Geist des Friedens schreitet. Versöhnung! rufe, wenn Du sanft und mild Mit Freund und Feind in Wort und Thaten waltest, Wenn Dich das Wort: „Erkenne Dich!" erfüllt, Als Herr Dein selbst Du wandelst und Du schaltest! So halte Einkehr! ob die Sonn' auch sinkt, - Auf Deine Flur sich weit die Schatten neigten — Wenn kräftig ringend fich Dein Geist bezwingt, Durch alle Nacht wird Dir Versöhnung leuchten! Sittenspiegel. Von Salomo Alami, aus dem Jahre 1415. Bor allem Bewahrungswürdigen bewahre Dem Herz, denn von dort aus gehen die Strömungen des Lebens. (Fortsetzung.) Schränke Deine Freude ein, Israel, sei es bei einem Hochzeits- oder bei einem Beschneidungsfeste; hüte Dich vor Deinen Bedrängern, damit nicht ähnliches Leid über Dich komme,- wie in früheren Tagen. Bleibe eingedenk der verhängnißvollen Zeiten anS dem Jahre 4508, da der verfolgungsfüchtige Almohade die Geißel des