Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1872)
- Date
- 1872-10-08
- Page
- Seite 813 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Name unter den Kandidaten der klerikalen Partei für die städtischen Wahlen. Solche Muthmaßung auszuschließen dient wohl allein schon mein Glaubensbekenntnis es genügen dazu die langen Leiden, welche in Rom auf den Israeliten gelastet haben, deren Sache ich mein ganzes Leben hindurch geführt habe" u. s. w. Donaufürstenthümer. Bukarest, 20. Sept. Die „Rum. Post" enthält unter der Überschrift: „Endlich!!" über die Freilassung der bis jetzt noch inhaftirt gewesenen Israeliten folgenden Artikel: Am verflossenen Dinstag Abend sind Abraham Preißmann, Haim David und Israel Weißmann, die drei ismailer Israeliten, welche trotz ihrer von dem Generalstaatsanwalt anerkannten Schuldlosigkeit von der buzeuer Jury zusammen mit dem Diebe Silbermann für schuldig befunden und zu drei Jahren schweren Kerkers verurtheilt wurden, von unserm Fürsten begnadigt, ihrer Haft entlassen worden. Ihrer Wohnstätten und aller Habseligkeiten völlig entblößt, sind ihre Frauen und 18 unmündige hülflose Kinder nach der Hauptstadt gebracht, und seitdem durch die großmüthige Hand jenes Mannes versorgt worden, welcher der getreue Vertheidiger und Beschützer dieser Leute sowohl als auch aller Unglücklichen von Ismail, Vilkow und Kahul, vom ersten Augenblicke des sie betroffenen Mißgeschickes an gewesen ist, und welcher ihnen auch jetzt die Mittel an die Hand gegeben hat, um ihre frühere arbeitsame und redliche Lebensweise, aufgehalten und getrübt durch das schreckliche Zerstörungswerk vom letzten December, wieder aufnehmen zu können.*) Wir werden nicht weiter die grausame Nothwendigkeit erörtern, welche diese drei unglücklichen Menschen zu Opfern einer ebenso grausamen und empörenden politischen Rücksicht gemacht hat. Alles, was gethan werden konnte, um ihr düsteres Kerkerleben erträglicher zu machen, ist geschehen, und ihre Frauen und Kinder hatten freien Zutritt in ihre Zelle. *) Wir hoffen, daß gerade diese Leute aus den für die rumänischen Juden gesammelten Geldern hinreichend unterstützt werden mögen.'! > Redact. d. A. Z. d. I. Schon als der Herr Justizmimster Kostaforu dett Rapport behufs Begnadigung des Rabbi Brandes und des Herrn Goldschläger Sr. Hoheit dem Fürsten unterbreitete, gestand er darin zu, daß, wenn die gravirenden Geständnisse der am letzten Dinstag Freigelassenen ihnen durch die von Dropulo und Christea practicirten Martern abgerungen worden, — und Niemand, der den Charakter dieser entmenschten Schurken kennt, hat dies je bezweifelt, umsomehr als Herr Generalstaatsanwalt Borsch dies an Ort und Stelle constatirt hatte — sie gleich den ersten zwei Israeliten zur vollen Begnadigung berechtigt wären. ' Was wir aber betonen und hervorheben müssen, ist der Mangel an moralischem Muthe, der an ihrer langen Gefangenschaft Schuld" ist. Eine Regierung sollte die öffentliche Meinung leiten, und nicht dem Geschrei eines durch eine demagogische und meuterische Presse aufgestachelten Pöbels Gehör schenken. Es gab einen Zeitpunct im vergangenen Frühjahr, bevor irgend eine gewichtige Stimme sich in der Presse, den Parlamenten und den Cabineten Europa's erhoben hatte, wo eine starke Hand und ein fester und entschlossener Wille die ganze beffarabier Emeute im Keime ersticken, die Schuldigen bestrafen und die Beschädigten entschädigen konnte. — Die Welt hätte Beifall geklatscht, es hätten keine Collectivnoten, keine Cabinetsconseils, keine parlamentarischen Debatten, keine öffentlichen Demonstrationen stattgefunden. Die jetzt begnadigten Israeliten wären nicht einmal vor das Schwurgericht gestellt worden, hätte man gegen das willkürliche und chicanöse Borgehen der fokschaner Anklagekammer die gesetzliche Opposition gemacht. Selbst wenn dieses schreiend ungerechte Berdict der buzeuer Jury von der Berurtheilung der angeklagten Hetzer, Räuber und Meuterer gefolgt gewesen wäre, dann hätte sich keine Stimme erhoben, um die Intervention anzurufen, oder den Zorn anderer Nationen gegen die ünserige zu entzünden. Leider ist ein anderer Weg eingeschlagen worden, und hat Rumänien neuerdings, wie einst unter Napoleon III., die Augen aller Nationen in äußerst lästigem' Maße auf sich gezogen. Schwäche ist der Fluch manches Herrschers gewesen, und moralische Feigheit der Ruin manches Ministers und der Völker, die ihr zum Opfer fielen." So weit die „Rum. Post." Obschon ihre Beur--' theilung eine völlig richtige ist, so gewährt sie, uns doch