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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-10-08 · Heft 41 (8.10.1872) · p. Seite 814

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 41 (8.10.1872)
Date
1872-10-08
Page
Seite 814 (sequence 12)
Language
German
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*»*«<•■* x* «afp- ’t^ r ’"1 * y v * P keine Erklärung, wodurch gerade jM t^te Freilassung oder sogenannte Begnadigung bewirkt worden ist. Der Erweis, daß die unglücklichen Opfer einer feilen Justiz von den beiden Umersuchungsbeamten gemartert worden sind, war längst erbracht. Man theilt anderseitig mit, daß der Fürst zu Ehren des Geburtstages der Prinzessin Marie 50 Gefangene begnadigt habe, und darunter die drei Juden. Auch dies erklärt Nichts. Wir vermuthen daher, daß man rumänischer Seits einem neuen diplomatischen Eintreten hat zuvorkommen wollen. Der englische Minister des Auswärtigen, Lord Granville, Hat zu bestimmt das Versprechen weiterer Thätigkeit in dieser Angelegenheit gegeben, als daß wir, nicht voraussetzen müßten , daß Etwas geschehen ist oder geschehen sollte. Rußland. St. Petersburg, Ende August. (Privatm.) Es ist 'eine eigenthümliche, aber doch nicht zu bestreitende Erscheinung, daß unter unseren eigentlich russischen Glaubensgenossen ein bei weitem stärker ausgeprägter und praktisch sich bewährender Sinn für's allgemeine Wohl, für die materiellen und geistigen Interessen namentlich der unteren jüdischen Volksclassen, für die Vertretung des Judenthums und der Juden nach Außen hin herrscht, als Lei den polnischen.*-. Woran dies liegt, ob nur an der Verschiedenheit der politischen Verhältnisse, oder vielmehr daran, daß der Jude in Polen sich viel zu sehr nach dem Muster der polnischen Großen — und Kleinen — gebildet hat, die bekanntlich das sayoir vivre vollständig inne haben, denen aber die intellectuelle, sittliche und materielle Hebung der unter ihnen Stehenden sehr gleichgültig ist, das zu untersuchen , kann hier nicht unsere Aufgabe sein. Genug, die Thatsache ist da , und kann nicht weggeläugnet werden. Den schlagendsten Beweis hierfür, liefert der vor 9 Jahren unter den , schwierigsten Verhältnissen , und den allerungünstigsten Aussichten hier gegründete „Verein zur , Verbreitung der Bildung und ' *) Natürlich sprechen wir nicht von der unmittelbaren Gegenwart, in welcher aus Warschau und einigen polnischen Provinqialgemeinden mehrere Symptome einer besseren Gesinnung sich bereits , kundgeben. Correspondqnt. Cultur unter den Juden Rußlands", was gewiß, betrachten wir dieselben quantitativ oder qualitativ, keine leMe und anziehende Aufgabe, vielmehr eher im Staupe ist, den Muthigsten und Hingebungsvollsten zurückzuschrecken. Und doch, wie reich an schönen Resultaten ist derselbe schon, direct und indirect, gewesen,; welch segensvolle Thätigkeit hat er auch in dem abgelaufenen Jahre 187t, über das'uns und wohl auch Ihnen, Herr Redacteur, der Rechenschaftsbericht vorliegt, trotz aller Hemmnisse und Schwierigkeiten entfaltet! So wurden wiederum jüdische Schriftsteller, die sich auf allgemein oder specifisch jüdisch wissenschaftlichem Gebiete auszeichneten, durch namhafte Geldbeiträge sowie durch Ankauf ihrer Werke aufgemuntert, eine Preisaufgabe, gestellt, für deren beste Lösung eine bedeutende Summe bestimmt wurde, gemeinnützige Schriften in hebräischer und russischer Sprache unter die Menge vertheilt, sowohl einmalige wie mehrjährige Stipendien an Gymnasiasten, an Rabbinerschüler zu Wilna und Zytomir, an Zöglinge der Universität zu Petersburg, Moskau, Kiew, Charkow, der medicinischchirurgischen Akademie, der Kunstakademie, der geburtshilflichen Klinik gezahlt. Außerdem wurde ein junger Theolog zur Erweiterung und Vollendung seiner Studien, an das breslauer Rabbinerseminar geschickt, sowie zur Erinnerung an den 4. April 1866, den Tag der glücklichen Errettung Sr. Majestät des Kaisers, zwei Extrastipendien in der Höhe von 260 Rubeln an den Rabbinerseminaren zu Wilna und Zytomir gegründet. ts namentlich führen wir folgende Schriften und Werke an, die durch Vermittelung des Vereins im letzten Jahre theils erschienen sind, theils weitere Verbreitung gefunden haben: 1) Jüdische Moraltheologie von den Zeiten der Tanaiten bis auf die Gegenwart, von den Herren Finn und Katzenellenbogen, in russischer und in hebräischer Sprache; 2) Reisen in den Kaukasus, von Herrn Czarni; 3) Physik, von Herrn Abramowitz; 4) Mosaisch-talmudisches Recht, von Herrn Schapiro; 5) Geschichte des Volkes Israel, von Herrn Finn; 6) Russische Uebersetzung des Machsor von Herrn Rabbiner Horwitz in Grodno; 7) Jüdische Bibliothek von Herrn Landau; 8) Allgemeine Weltgeschichte und1. „ , S) Allgemeine Geographie ^.Hrn.Solmann,

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