Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1872)
- Date
- 1872-10-08
- Page
- Seite 812 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Landtage eine Petition wegen Berufung einer Notablenversammlung zur Herstellung des religiösen Friedens in den jüdischen Gemeinden einzubringen. Herr Lichtschein, auf dessen Namen das lucus a non lucendo buchstäblich anzuwenden ist, gibt als Motiv an, daß man ihn zur Einbringung der fraglichen Petition an den Landtag in Pest bevollmächtige, weil er, Rabbiner in Gran, dem Sitzedes ungarischen Primas, am Meisten dazu berufen sei. Haben die Katholiken ihren Primas, so sollen die Juden denselben hierin nicht nachstehen. Wem aber gebührt diese Ehre mehr als dem Rabbiner in Gran? Unser Friedensapostel fällt aber auf einmal aus der Rolle, und greift die Schomrehadath- Partei in einer Weise an, die an die alte Manier des weiland Haman erinnert. Herr Ignaz Reich, der Präses der Schomre-hadath, ist demselben die Antwort nicht schuldig geblieben, und will unserm jüdischen Primas einen Preßproceß anhängen. Herr Reich betheuert, daß kein einziges Mitglied des Vorstandes der Schomre-hadath bei dem bankerotten Ausstattungsvereine in Miskolz im Ausschuß und Verwaltungsrath angestellt war. Die leidige Affaire der Ausftattungsvereine hat zum Theil die Regierung mitverschuldet, die dem Wesen so lange gleichgültig zugesehen hat. Sie finden bei den aufgelösten Ausstattungsvereinen die glänzendsten Namen, z. B. im bajaer Verein einen General Türr, u. dgl. Der Ausstattungsverein hat sich aus allen Parteiungen recrutirt und mit der Orthodoxie nichts zu schaffen. Herr Lichtschein, hat also den unter der Asche glimmenden Funken wieder angefacht, und thörichter Weise anstatt Frieden Unfrieden gestiftet. Freilich werden die meisten Rabbiner und Vorstände seinen Aufruf ignoriren; aber es gibt noch genug ähnliche Individuen in Ungarn, die Herrn Lichtschein um seinen Ruhm beneiden werden. Frankreich. Paris, 16. Sept. (Privatm.) Wie alljährlich, so erschien m diesen Tagen auch für das Jahr 5633 der „Calendrier ä, l’usage des Israeli tes“, welchen der Buchhändler L. Blum in zierlicher Ausstattung herausgiebt. Dieser Luach enthält außer dem Calender des Jahres die jüdische Statistik in Frankreich, nämlich die Consistorialsprengel, die Gemeinden, ihre Schulen und wohlthätige Vereine und Anstalten, sowie die Namen Aller Derer, die als Vorsteher, Rabbiner, Vorbeter und Lehrer functioniren. Wir warfen einen etwas neugierigen Blick indiese Statistik, und fanden denn auch, daß dieser Calender die Trennung der drei Consistorien in Elsaß-Lothringen, Straßburg, Colmar und Metz von Frankreich noch nicht anerkennt, sondern sie noch so aufführt, wie wenn der Krieg 1870 und der Friedensschluß von 1871 nicht vorgekommen wären. Doch ja, einen kleinen Unterschied läßt er eintreten, nämlich, daß er diese drei Consistorien und die Daten aus ihren Sprengeln hinter die von Algerien stellt. Dagegen sind die neuzubilsenden Consistorien, wie wir glauben, zu Verdun, Luneville und Belfort noch nicht -erwähnt. Auch sind diesmal die Seelenzahlen nicht überall angegeben, so daß sich eine Totalsumme nicht auffinden läßt. Obiges ist gewiß harmlos, und wünschen wir nur, daß bei unsren Glaubensgenossen diesseits der Vogesen gegen die deutschen Juden die unfreundliche Gesinnung sich immer mehr abschwäche und das frühere gute Vernehmen wieder eintrete. Dies hat ja mit dem Patriotismus gar Nichts zu schaffen, und tritt dem letzteren durchaus nicht zu nahe. Italien. Rom, tm- August. Bei den jüngst vollzogenen Wahlen, an denen sich, wie bekannt, auch die klerikale Partei eifrig betheiligt hat, ohne jedoch den Liberalen den Sieg zu entreißen, ist auch Samuel Alatri wieder gewählt worden. Es ist selbstverständlich, daß er ein Candidat der Liberalen gewesen ist. Auffallender Weise berichtete jedoch „Fanfutla" vor der Wahl, „daß in einer im Palafte Strozzi gehaltenen Versammlung zur Bildung der für die Gesellschaft der katholischen Interessen aufzustellenden Wahllisten, eine lebhafte Discussion für die Wiederwahl des Stadtrathes Alatri, eines praktischen und gelehrten Mannes, aber Israeliten, stattgefunden habe, daß letzterer Umstand zwar den eifrigsten Katholiken anstößig sei, daß aber Andere die Aufstellung Alatri's um so mehr befürwortet hätten, um der Liste einen versöhnlichen Anstrich zu geben. So werde denn Signor Alatri, der gewiß keine katholischen Tendenzen habe, sich unter den Candidaten der Gesellschaft der katholischen Interessen befinden." In der „Libertä" erschien hierauf folgendes Schreiben Alatri's: „In der Nummer u. s. w. findet sich mein