Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1872)
- Date
- 1872-10-08
- Page
- Seite 811 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Klage, daß über Lehrer- und Schulau gelegen-- heiten von unberufenen Laien Verfügungen getroffen werden, ist so oft gehört worden und hat so oft zu Schmerzensausrufen Veranlassung gegeben, daß es geradezu als ein Verrath an der Sache des Schulwesens und des Lehrerstandes bezeichnet werden müßte, wenn jetzt, wo man dieser Gepflogenheit entgegen eine Wendung zum Besseren anzubahnen gedenkt, die Lehrer nicht in großer Zahl herbeieilen und die eigenen Interessen durch eingehende Erörterung zu fördern trachten würden. ES handelt sich hier nicht nur um das Wohl jedes einzelnen Lehrers, es handelt sich um das Aufblühen und Gedeihen unserer Unterrichtsanstalten, um die Hebung der Bildung bei unseren Glaubensgenossen — und wie innige die entsprechende Versorgung der Lehrer mit den allgemeinen Culturinteressen zusammenhängt, ist namentlich in der lebten Zeit von maßgebenden Persönlichkeiten vielfach erörtert und nachgewiesen worden.- Was aber von den Schulmännern und Schulfreunden des ganzen Landes als hochwichtiges Moment anerkannt worden ist, wird auch von den jüdischen Lehrern anerkannt und gewürdigt werden. Wir hoffen, in dieser Voraussetzung uns nicht getäuscht zu haben. Nachdem die Pensionirung eine Lebensfrage für sämmtliche Lehrer ist, so ergeht hiermit die Einladung zur Generalversammlung an sämmtliche israelitische Lehrer Ungarns, und wir hoffen auch, daß sich unsere geehrten Collegen — in ihrem eigenen Interesse — beeilen werden, am 20. October je zahlreicher in der Landeshauptstadt zu erscheinen. Anmeldungen sind bis Ende September an das Präsidium (Pseifergaffe Nr. 11) zu richten. Pest, 13. September 1872. Vom Eöntralausschuß des ungarisch-israelitischen Ländeslehretvereins." Prag> im September. Die in Prag erscheinende „Wahrheit" geißelt eine Jnconsequenz, welche an den hohen Festen iw Prager Tempel vor sich gehen werde. Die daselbst eingeführte Orgel soll am Donnerstag und Freitag als am Rosch-häschana-Feste nicht spielen, dagegen am folgenden Tage als am Sabbäth soll sie gespielt werden; zum Ersätze aber sind für die beiden Festtage christliche Sänger engagirt, welche, mit dem Gebetmantel bekleidet, im Chore mitsingen, weil es diesem an Bassisten fehlt. Das Blatt hebt ausdrücklich hervor, daß der Tempelprediger, Herr Professor Dr. Kaempf, von der letzteren Einrichtung keine Kenntniß gehabt hat, während ihm freilich die Jnconsequenz, daß am Sabbath die Orgel gespielt, an den Festtagen aber nicht gespielt wird, nicht fremd ist. Lemberg, 23. Sept. Es wurde eine große israelitische Wahlversammlung gehalten. Im israelitischen Tempel betonte Candidat Dr. Höuigsmann das Festhalten an der Decemberverfassung und die Unterordnung der Resolution unter dieselbe. Unter dem Beifalle der zahlreichen Versammlung wurde Hönigsmann zum Candidaten proclamirt. Die Zahl der Wähler in Lemberg beträgt 6000, wovon 1200 Israeliten sind. Am 23. fand nun die Wahl in den Landtag statt. Es stimmten 2766. Zbyszewski erhielt 1232, vr. Höuigsmann 878 und Czerkawski 646 Stimmen. Zu bemerken ist, daß eine Anzahl Israeliten für den erstgenannten Candidaten stimmten. Nach dem galizischen Wahlgesetze ist eine zweite Wahl nicht an die Ergebnisse der ersten insofern gebunden, als nun zwischen den beiden Candidaten, welche die meisten Stimmen erhielten, eine Nachwahl stattfinden mußte. Die Wahl ist völlig frei, und es treten daher bereits neue Candidaten auf. Aus Süd-Ungarn, 17. Septbr. (Privatmitth.) Die religiösen Kämpfe in Ungarn fangen an, allmälig an Zugkraft und Bedeutung zu verlieren. Die großen Wahlbewegungen in der letzten Zeit, und mehr noch der Skandal der bankerotten-aufgelösten Ausstattungsvereine haben das Interesse des Publicums auf ein ganz anderes Gebiet hingelenkt. Zudem kömmt noch die abermalige sehr schwache Ernte in Ungarn, und in solchen Momenten, wo die materiellen Fragen an die Spitze treten, ist für religiöse Differenzen kein geeigneter Boden. Allein es gibt gewisse Individuen , die um Alles in der Welt gern eine Rolle spielen möchten, und diese Leutchen-haben keine Ruhe und suchen immer das erlöschende Feuer von Neuem änzufachen. So hat Herr Rabbiner Lichtschein in Gran iwpester Lloyd einen langathmigen, sinnlosen Aufruf an die Rabbiner und Vorstände, gerichtet, der von Widersprüchen wimmelt, um bei dem eben zusammengetretenen