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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-10-08 · Heft 41 (8.10.1872) · p. Seite 806

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 41 (8.10.1872)
Date
1872-10-08
Page
Seite 806 (sequence 4)
Language
German
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IjetrtffVfOv mag die.-JllusioNj. die man stchin Frankreichgemacht, hatte, i. die Juden aller Lander und besonders. Deutschlands ^würden auf Seiten der Franzosen stehen, jetzt ihre Flüchte tragen; es klingt dies wenigstens durch, die Beschuldigungen hindurch, die man gegen sie schleudert.^ Wenn man sich, der Feindseligkeit erinnert, welche die, französischen Juden nach dem Kriege gegen die. deutschen-hegten , warum sollte in französischen. Nichtjuden sich, nicht eine, solche Gesinnung bis zum.Hasse gegen alle Juden steigern - - . Die heftigste dieser Auslassungen war in einem Artikel des Journals ,j>La r^publique frangaise“ vom 16. August unter, dem Titel „6ritique religieuse“ zu lesen. Sehen wir uns zuvor einen Augenblick die Partei an, aus deren Schoßt dieselbe hervorgegangen. Es. ist die Partei Gambetta's, jenes zeitweiligen Dictators, der seines Ehrgeizes und seinerLeidenschaft wegen Hunderttausende von Menschen nutzlos in den Tod jagte, und Millionenaus, den financiellen Mitteln seiner Nation wegwars; Derselbe, welcher heute, noch unermüdlich, nach der Despotie über Frankreichs strebt und, vom Ehrgeiz verzehrt, kein Mittel scheut, das ihnzum Ziele führen könnte. Und seine Partei? liebäugelt sie,- nicht ebenso mit der Commune, wie mit dem Herrn Thiers und seiner ,Konservativen Republik"? Hat sie diesem nicht alle ihre volkswirthschaftlichen Grundsätze zum Opfer gebracht,, und ihm zum Siege seiner veralteten protectionistischen Ansichten verholfen? und ist sie nicht bereit, morgen die. Royalisten und Klerikalen niederzuschießen, wie sie die Communarden niederschießen sah? Es ist ein Haufen Ehrgeiziger, die jedem Principe Hohn sprechen, wenn sie einen Vortheil für ihre Partei zu ergattern glauben. Dem excessiven Angriffe fehlte es an einer kräftigen Erwiederung nicht. Sie ging von Herrn Banquier. Levy-Bing aus, dem Uebersetzer unsrer Vorlesungen über „die Entwickelung der religiösen Idee", der mit ebenso viel Gewandtheit wie Energie' den Angriffen aus das Juventhum entgegenzutreten pflegt. Die „Rspublique kranxaise^ verweigerte die Aufnahme der Entgegnung, und dies ist charakteristisch genug. Die „Opinion nationale“ vom 2. Sept. nahm sie an, und wir danken Herrn Levy-Bing für die Einsendung dieses Journals. Wie wir erfahren, haben auch andere-Journale sie im ihre Spalten ausgenommen, z. B. der Constitutionnel. Wir sind nicht Willens, Angriff und Verteidigung in ihrer ganzen Ausdehnung hier aufzune^rnen, müssen aber in die Hauptsätze näher eingehend (Schluß folgt.) Das östreichische Nothbvch. In den früheren Stadien der rumänisch-jüdischen Angelegenheit hatte - sich Oestreich stets seiner Pflicht und seines Rechtes sehr beflissen erwiesen; denn da viele der von den Verfolgungen in Rumänien betroffenen Juden östreichische Unterthanen waren, so war es die Pflicht und das Recht der k. k. Regierung sich ihrer unglücklichen Schutzbefohlenen mit aller Macht anzunehmen. Der Staatscanzler Graf Beust hatte stets gethan, was nach den Umständen möglich war. Um so begieriger mußte man sein zu erfahren, was sein Nachfolger, Gras Andrafsy, in der sehr ernsten Angelegenheit von Ismail, Kahul und Vilkow gethan habe, noch dazu, da man gar nichts darüber hörte. Das soeben an diebeiden Delegationen des Reiches, die jetzt in Pest versammelt sind, .vertheilte Rothbuch giebt denn auch Aufschluß, und zwar nicht zum; Lobe des edlen Ungars, der gegenwärtig das Portefeuille des Auswärtigen; für den gesammten Kaiserstaat in Händen hat. Es sind darin die jüngsten, die rumänischen Judenverfolgungen betreffenden Actenstücke mitgetheilt. Zuvor stehe hier das Urtheil, welches die „Neue freie Presse" vom 25. darüber fällt: „Graf Andraffy hat nicht nur die englischen, im Namen der Humanität gesellten Vorschläge schroff zurückgewiesen, er hat auch die unsrem Reiche durch die Capitulation eingeräumten Rechte zum Schutze östreichischer Staatsbürger unangewendet gelaffen, er hat sich und der Monarchie von den walachischen Behörden eine Nase drehen lassen. Wir meinen nicht, daß da die junkerliche Judenverachtung maßgebend war; vielmehr scheint uns, daß Andrassy's Politik darin besteht, abwechselnd Rumänien und Serbien zu streicheln und zu stacheln.. Damals war Rumänien lieb' Kind- und Serbien der Wauwau. Aber es stand auf dem Spiele die Ehre des Reiches, und diese kann auch im armseligsten Unterthanen verletzt werden. Pacifico war auch Jude, war nicht einmal ein geborener Engländer, und doch ließ Palmerston. die Kanonenläufe englischer Linienschiffe gegen griechische Städte richten , damit dem portugiesischen Juden kein Haar gekrümmt würde,' und König Otto I. mußte die Rohheit seiner Unterthanen mit dem Throne büßen. Wann wird man in den halbbarbarischen Ländern der Oestreicher das „Crvis Romanus sum!" rufen dürfen?! —" Die im Rothbuche veröffentlichten Piöeen find folgender

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