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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-10-01 · Heft 40 (1.10.1872) · p. Seite 801

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 40 (1.10.1872)
Date
1872-10-01
Page
Seite 801 (sequence 19)
Language
German
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aller Gotterkenntniß und Frömmigkeit sind. Wegen seines'Geistes und Wissens liebe Deinen Genossen, Zküm- ' mere Dich nicht um seine gewinnende G estalt und sein einnehmendes Aeußere, sondern lasse Dich in der Wahl des Freundes dadurch bestimmen, daß derselbe göttesfürchiig und tugendhaft ist, damit Du ihn zu Rache ziehen' kannst in Deinen Lebenslagen. Löse Dein Freu'ndschaftsbündniß nicht auf Verläumdung hin; begegnet der Freund" Dir mit unsanfter Rede, so nimm es nicht zu ernst damit, denn niemals im ganzen Leben wirst Dn einen Freund behalten, wenn Du in solcher Weise rechnest. Das Gebot Gottes erfülle mit freudigem Herzen und reinem Willen, auf Menschen aber vertraue nicht und rechne nicht auf ihre Ehre und ihr Wohlwollen; liebe die Gottgetreuen und hasse die Gottesläuguer. Fürchte den Wechsel der Zeit und ihr Geschick, denn im Kreise bewegt sie sich ihrem Wesen nach; traue nicht ihrer Beglückung und ihrem Frieden, denn überall hat sie Schlingen bereit; sanft wohl ist ihre Umarmung, aber stachelig ihr Kuß; habe Acht auf sie, wie auf seinen Feind der Mensch achtet, und richte Dein Verhältniß zu ihr ganz so ein, wie es das Gebot des Peßachopfers vorschreibt: „Deine Lenden gegürtet, Deine Schuhe an den Füßen, Deinen Stab in der Hand"; so kommt wie ein Wandertr Deine Armuth, wie ein Gewappneter Dein Mangel. In allen Dingen bedenke das Ende, bevor Du sie unternimmst; und hast Du in der Jugend gefehlt und bist von der Bahn des Rechts gewichen, um Deinen Begierden zu stöhnen: o, mein Sohn, entziehe Dich der Sünde, säume nicht und verweile keinen Augenblick bei dem Frevel, damit Deine Zukunft besser werde, als Deine Vergangenheit war, Deine Seele entrinne dem Abgrunde und leuchte im Hellen* Strahle des Lebens. Habe stets den Tod vor Augen, beherrsche Deine Neigungen, zügele Deine Begierden, der allmächtige Gott wird Deine Wege bahnen, denn nicht schlummert Dein Hort. (Fortsetzung folgt.) Eine merkwürdige Hochzeit. Eure reiche Christin wird Jüdin.*) In Hartford, Eonn., fand am letzten Sonntag eine imposante Ceremonie statt. Fräulein Stella Sarah Livingstone aus England, früher ein Mitglied der bischöflichen Kirche, schwur nämlich ihren bisherigen Glauben ab und bekannte sich zur jüdischen Religion, theils weil sie die Ueberzeugung gewonnen zu haben glaubte, daß das Judenthum der einzige wahre Glaube sei, und theils *) Wir thetten hier die folgende Piece wörtlich und mit derselben Überschrift mit, wie sie uns aus einer amerikanischen- Zeitung zugesandt worden. Redaction. weil sie den vr. Louis I. Jordan, einen jungen jüdischen Arzt, der früher in der englischen' Armee diente, sich aber jetzt in Newyork. Niedergelassen hat, heirathen wollte. Der Rabbi DK I. Mäher in Hartford hat sie in der jüdischen Religion unterrichtet. Die Dame' ist zweiundzwanzig Jahre alt, aus einer der besten Familien Englands, und hat eine ausgezeichnete Erziehung genossen, während Dr. Jorvan siebenunddreißig Jahre alt und ein reicher Mann ist. Im Allyuhouse in Hartford wurden die Ceremonien des Bekenntnisses und der Trauung vollzogen. Nur einige persönliche Freunde der Betheiligten waren anwesend. Die Räume, worin die Ceremonien stattfanden, warm dunkel gemacht und dann mit Gasflammen und Wachskerzen erleuchtet worden.!)?. Mayer faß in einem seidenen Talar mit einem Sammtbarett aus dem Kopfe vor einem weißgedeckten Tische, auf welchem zwei Kerzen zu beiden Seiten eines Blumenkorbes brannten. Die Doctoren Nathan Mayer und I. Moses afsiftirten dem Rabbi und saßen zu beiden Seiten des Tisches. Als Alles bereit war, wurde die Proselytm von ihrem Bräutigam und Herrn Sandheim hereingeführt. Sie , trug ein Kleid von schwerer schwarzer Seide mit länger Schleppe, ihr Haar fiel lose auf den Nacken hinab, und ein dichter Schleier von schwarzem Krepp verhüllte ihren Kopf. Nichts Weißes, nicht der geringste Schmuck .war an ihr zu sehen. . Rabbi Mayer redete sie an: „Lassen Sie mich Sie fragen mit den Worten des Engels in der heiligen Schrift: „Was suchest Du hier?" Warum sind Sie ^icr erschienen? „Ich bin gekommen, ehrwürdiger Herr", antwortete die Dame, „um Sie zu bitten, mich in den heiligen Schoß des Judenthums aufzunehmen! Mein Herz sehnt sich nach der göttlichen Wahrheit, und meine Seele schmachtet nach dem offenbarten Worte Gottes." „Geschieht es mit freiem Willen und ruhigem Gewissen, daß Sie den mosaischen Glauben anzunehmen und in die Gemeinde Israels' einzutreten wünschen?" „Es ist die volle Ueberzeugung meines Herzens, daß ich Seligkeit und Erlösung in dem Glauben Abrahams finden werde, und ich bitte Sie deshalb, mir dies himmlische Gut nicht zu versagen." „Wenn es denn Ihr ernstlicher Wunsch und aufrichtiges Verlangen ist, unserem auserwählten Volke beizutreten, haben Sie sich diesen wichtigsten Schritt Ihres Lebens auch reiflich überlegt? Haben Sie kein weltliches Interesse, keine unreine Neigung, wodurch Sie zur Annahme des Judenthums, veranläßt würden, oder welche diese Bekehrung befördert haben?" Die Dame antwortete, daß nur ein. dringendes, frommes Verlangen nach der göttlichen Wahrheit ihre Bekehrung veranläßt hätte. Darauf der Rabbi: ..„LsWWe.,'Mch' Sie ttiKnern an die Strenge des ckösaischen Glaubens gegen die Töchter Judahs. Kennen

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