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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-10-01 · Heft 40 (1.10.1872) · p. Seite 802

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 40 (1.10.1872)
Date
1872-10-01
Page
Seite 802 (sequence 20)
Language
German
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jlipS1 1 N . > Me, die vielen.Wichten und Gebräuche Israels? Und fühlen Sie diemoralische Kraft 'und den starken Willen, das heilige Gesetz zu befolgen?" , - „Ich bin gründlich unterwiesen worden 'in allen hauptsächlichen- Pflichten und Riten Israels und gelobe unterthän und treu zu sein dem Gotte Israels, und Seinem heiligen Gebote. Ich wünsche ferner mit Ruth in der heiligen Schrift zu sagen: Euer Gott soll sein mein Gott, Euer Volk soll sein mein Volk, Wo Ihr sterbt, will ich sterben, Wo Ihr begraben werdet, will ich begraben werden. Der Gott Israels erbarme sich über mich." Der Rabbi forderte darauf die Bekehrte auf, „Angesichts des allwissenden und allgegenwärtigen, allmächtigen Gottes, der die innersten Gedanken des Menschen kennt und die Herzen aller Sterblichen erforscht, und in Gegenwart dieses gesetzmäßigen Tribunals des Judenthums" die drei Grundlehren des mosaischen Gesetzes zu bekennen. , > „Ich glaube," begann sie, „und bekenne fest und aufrichtig, daß es nur einen Gott giebt, den Schöpfer aller Dinge, den Erhalter und Beherrscher von Allem, was lebt, den höchsten Richter und Wohlthäter aller Wesen, Herr der Heerschaaren ist sein Name — Er der war, ist und immer sein wird. Iehovah ist unser Gott und es giebt keinen anderen. Es steht geschrieben in der heiligen Schrift: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott — der Herr ist der Eine. Ihn will ich lieben mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele und ganzem Geiste. Gesegnet sei sein Name auf immerdar!" Die zweite Grundlehre bezieht sich auf den göttlichen Ursprung des mosaischen Gesetzes, und die dritte auf die Unsterblichkeit der Seele und die Belohnung und Strafe nach dem Tode. Nachdem Fräulein Livingstone auch diese bekannt und geschworen hatte: „Ich will leben und sterben in dieser ewigen Wahrheit des Glaubens Moschehs und Israels, so helfe mir Gott," da hob der Rabbi mit feierlicher Stimme also an: „Tochter Judahs, Du bist die Unsrige! Im Namen des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs, und im Namen unsererheiligen Religion, der Du Treue, geschworen hast, erklären wir Dich für ausgenommen in die heilige Gemeinschaft Israels. Dein Name ist fortan Sarah Esther, Tochter Abrahams! Mögest Du gesegnet sein, wie es die Trägerinnen dieser Namen, die Mütter in Israel, gewesen sind, und mögest Du, wie Sie, eine Zierde für Deine adoptirte Religion und Nation werden, für immerdar. Amen." Darauf erhob der Rabbi die Hand und sprach auf Hebräisch den Segen, welcher in der Übersetzung lautet, wie folgt: „Der Engel, welcher Israel, erlöst hat von allem Uebel, möge Dich segnen im Namen unserer Väter und unserer Mütter, Abraham, Isaak und Jakob, Sarahs Rebekka, Rahel und Leah, und laste dich gedeihen auf Erden inmitten Israels. Amen." Ein kurzes hebräisches Gebet schloß die Feierlichkeit, und die Dame zog sich zurück, um sich,zu der Trauüngsceremonie umzukleiden. Ihre Toilette nahm etwa eine Stunde in Anspruch; dann erschien der Bräutigam, Or. Jordan, und trat unter einen Baldachin von hellbrauner Seide mit blauer Stickerei, dessen vergoldete Stangen mit weißeln Atlas umwunden waren; gleich darauf kam auch Fräulein Livingstone und nahm neben ihm Platz. Sie trug ein Kleid von Eau-de-Nile-Seide, geschmackvoll besetzt, und darüber einen langen Tüllschleier mit Blondenspitzen verziert, der vom Kopfe bis zu den Füßen reichte. Ihr Diamantenschmuck, ein Geschenk des Bräutigams, war, nach dem Urtheile von Kennern, wenigstens 50,000 Dollars werth. Der Bräutigam, in schwarzer Gesellschaftstoilette, trug für etwa 10,000 Dollars Diamanten an sich. Rabbi Mayer nahm die Trauung nach dem orthodoxen Ritus vor, und der Bräutigam zertrat nach altem Brauche ein Weinglas/ Am Montag Morgen reisten die Neuvermählten über den Niagara nach Canada. In einem Monat werden sie zurückkehren und sich hier in Newyork niederlasten. Vermischtes. Obwohl das Christenthum in einer durchaus geschichtlichen Zeit entstanden ist, so sind doch Ursprung und Entwickelung desselben mit so vielen Mythen, Sagen, Legenden und selbst absichtlich Erdachtem umgeben, daß es im höchsten Grade merkwürdig ist, wie seine größten sactischen Institutionen aus Fictionen erwachsen sind. So hat jüngst in der seit so langer Zeit ventilirten Streitfrage, ob der Apostel Petrus jemals in Rom gewesen fei, 25 Jahre als Bischof daselbst gewirkt habe und den Märtyrertod gestorben sei, der deutsche Gelehrte R. A. Lipsius erwiesen, daß diese Erlebnisse des Apostels nur in erdichteten apokryphischen Schriften Vorkommen, und also' durchaus auf Glaubwürdigkeit nicht den geringsten Anspruch machen können. Und doch beruht das ganze Papstthum mit seinen Ansprüchen und Anrechten, also der ganze gegenwärtige Aufbau der katholischen Kirche, auf dieser Erdichtung. Bei solcher Lage der Dinge erhält die von uns in der bekannten Broschüre ausgeführte Verneinung der Beschuldigung, daß die Juden Jesum gekreuzigt hätten, noch einmal ihre allgemeine Begründung, da aus dem Obigen abermals hervorgeht, wie ein tausendjähriger Glaube auch nicht im Geringsten für die geschichtliche Wahrheit einer Erzählung bürgt. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung irr Leipzig. — Druck von I. B. Hirschftld. Verantwortlicher Redaeteur Wir. H. Lotze.

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