Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1872)
- Date
- 1872-10-01
- Page
- Seite 800 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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M WM iv. E: Trieb, um Dein Thun zu veredeln, und uckerläsie' jeM Uebermaß irdischen Strevens, um Dein Leben Gott zu, weihen. Vertraue nicht auf Menschen, stütze Dich nicht, auf Deine Vernunft, sondern beziehe auf Gott Dein Thun, damit Deine Gedanken fest seien in allen Verhängnissen , welche die Ungunst der Zeiten über Dich bringt. Fest und sicher ruhe Deine Seele im Vertrauen auf Gott, ein edles Reis im. Garten Gottes, und unverrückbar halte sie zu Ihm;. denn wer Gott vertraut, empfindet Seinen Schutz überall, und weß Geist gotterfüllt ist, besten Schritte wanken nicht. Dein Gebet muß mit Andacht verbunden sein, und jedes Wort desselben von Deinem Verständniß begleitet; bete nicht, wie der Vogel zwitschert, um lärmend Deine Stimme zum Himmel emporzusenden; denn das Wesen des Gebets beruht auf der Andacht des Herzens, auf seiner Lauterkeit und Reinheit, darauf, daß der Betende sich mit tiefer Weihe erfüllt, seine Seele von dem Makel zeitlicher Verirrungen befreit und sie mit göttlich'elN Glänze, edlem Schmucke ziert, nach dem Worte:.„Die Frommen tragen den höchsten Sih'muck und sind , des lautern Gottesglanzes tyeilhaftig." Ein Gebet ohne Andacht ist werthlos und widerlich, einem Todtenopfer vergleichbar, da die Innigkeit der Seele, die Weihe^ des Herzens fehlen, und bezeichnend ist der Schluß der Psalmen: „Alles, was Odem hat, lohe den Herrn! Hallelujah!" Der Hauptinhalt Deines Gebetes beziehe sich auf das Erbarmen Gottes über das Elend Deines Volkes; denke dabei an Dich nur insoweit, als Du Sein Wohlgefallen Dir erwirbst in dem Gebete für die Unglücklichen. Lasse nicht Hochmuth und was damit zusammenhängt, Dein Denken beflecken, denn zum Tode hinab führt ihr Hans und zu den Schatten ihr Weg; wie das vernünftige Thun den hohen Verstand und . den leuchtenden Geist, so bezeugt Hochmuth den niedrigen Grad des Verstandes und stein lichtloses Erkennern Sei demüthig und bescheiden in Deinem Wandel, denn ein Gräuel ist, die Hoffahrt und Ueberhebung, der Urgtund alles Lasters, die Du weit ab von Dir halten mußt, um jede Berührung zu vermeiden. Lasse es Dir nicht in den Sinn kommen, den Kopf hoch zu tragen Und vermessen zu äußern: „Der Himmel liegt höher als die Erde, also wird mein Haupt bewahrt bleiben vor den Leiden der Erde", denn die Verhängnisse umschweben und bedrohen Dich; beuge daher vielmehr Dein Haupt, damit es vor Ungemach geschützt werde. Sei eingedenk des Hiskiäs, der sich durch seinen Hochmuth den Unwillen Gottes zuzog, trotz all seiner Frömmigkeit, und dessen ganze Sünde doch nur darin bestand, daß er sein Schatzhaus und seine königlichen Besitzthümer zeigte; sei eingedenk, daß Moscheh sehr demüthig war, und befleißige Dich daher eines bescheidenen Sinnes, der des Menschen Zierde und Schmuck ist, und Wohlgefallen erwirbt vor Gott und Menschen, Will Dich der sündige Trieb verleiten zu prahlen ckit Deiner hohen Stellung und Deinem Familiönadel, so bedetike doch nur die niedrigen Bedingungen Deiner Geburt, did Deinem ganzen späteren 'SeBen zu Grunde liegen und es mit Sinnlichkeit und Leidenschaft ausfüllen. Bedenke doch, wie zutreffend das Wort der Weisen ist: „O Ewiger, mein und meiner Väter Gott, ich bin vor Dir wie ein Geräth von Schmach und Beschämung." Enthalte Dich des Jähzorns und der Frechheit, denn in der Reihe der Laster folgen diese ans Hoffahrt und bringen viel Unrecht zu Wege. Geselle Dich nicht zu dem Jähzornigen, denn er bereitet Dir Ungemach; jeder Andere ist langmüthig, der Thor aber entfeffelt seinen Grimm und läßt ihn schrankenlos wüthen. Murre nicht gegen die göttlichen Schickungen, nimni demüthig hin, was über Dich verhängt ist, und erweise Dich nicht schwach am Tage des Unglücks, denn das ist thörichtes Beginnen. Blicke vorwärts, fasse Muth, gewinne Dir Kraft Angesichts der Leiden , übe Dich im Ertragen, und vertraue, daß das Ende besser sein werde als der Anfang. Ziehe vor beschämt zu werden als Andere zu beschämen; die Seele sammelt sich schließlich wieder in ihrer vollen Lauterkeit, und das Herz gewinnt seine edle Fassung wieder. Beneide nicht das Glück Deines Nebenmenschen, denn es trägt Dir nur Beschämung ein; Neid vergiftet das Lebensmark und hat zur Folge, seinem Träger dieses und das kommende Leben zu verkümmern. Zeige Dich eifrig im Dienste Gottes, sei es im Streite gegen seine Läugner oder im Bündniß mit seinen Treuen. Uebe Liebe gegen Deine Mitmenschen, damit Du von ihnen geliebt werdest; prüfe und läutere Dich zu aller Zeit, und halte über Dich selbst Gerichtdamit Du an Andern Gericht üben darfst, und verfährst Du nach den Vorschriften der Lehre im Geiste der Weisen und Kundigen, so benrtheile mit gleicher Hochschätzung die milde und die strenge Ansicht. Liebe das Handwerk und den Fleiß, hasse das Herrschen, den Müßiggang und die Faulheit; gewöhne Dich an das Edle und verabscheue das Gemeine, denn die Darreichung des Hochherzigen bringt Segen, des Gemeinen Gabe ist verächtlich; ohne Nutzen,-ohne Wirkung, und ihre Hülfe nur sehr oberflächlich. Reichthum und Besitz betrachte nur als ein bei Dir ruedergelegtes Pfand, denn Du bist es nicht gewiß, ob Dn jene nicht vielmehr für Andere ansammelst, denn für Dich selbst. Richte Deinen Sinn nicht auf die Schönheit einer fremden Frau, und bedenke wohl, daß die Frau wie Feuer ans Dich wirken und mit verzehrender Gluth Dich vernichten kann; selbst des Todes Gift hat die Frau dem Menschenleben eingeimpst. Bewahre Treue und Dankbarkeit Deinen Freunden und Wohlthätern und deren Nachkommen; vergehen sie sich gegen Dich, so beachte es nicht, und sprich nicht zu Anderen davon, sondern von Angesicht zu Angesicht mache sie aus ihr Unrecht aufmerksam. Der Beleidigung gieb nicht Gehör und vergilt dem, der Dich kränkt, nicht mit gleicher Münze; wendet er sich an Dich, um Deine Verzeihung zu erlangen, so vergieb ihm , nimm seine Entschuldigung an,> und erwähne sein Unrecht ferner mit keinem Worte. Ehre die Menschen nicht um ihres Reichthums und Ranges willen, wenn sie sonst baar K