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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-10-01 · Heft 40 (1.10.1872) · p. Seite 793

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 40 (1.10.1872)
Date
1872-10-01
Page
Seite 793 (sequence 11)
Language
German
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damit zu binden. Herr P. Botez, feinen ach Ls itzig en Wagen-, um die Juden bis zum jassyer Bahnhof gratis zu transportiren. Alle diese Geschenke, zusammen mit den „Gratispässe n" der Regierung, b i lden bereits einen vorzüglichen Auswanderungsfonds. (Man ersieht hieraus, welcher Skandal durch dieses ganze Project über die rumänischen Juden gebracht worden ist. 'Redact. d. A. Z. d. Jud.) Bukarest, 19. September. Einer telegraphischen Meldung zufolge sind auf Befehl des Fürsten Karl die noch in Haft befindlichen drei Israeliten aus Ismail in Freiheit gesetzt worden. — Es geschah dies für die unschuldigen Opfer rumänischen Hasses Etwas spät; aber so spät es auch geschah, so liegt doch in dieser Freilassung die vollste Anerkennung ihrer Unschuld. Was auch die entartete rumänische Presse gesagt hat und sagen wird, eine Presse der Wahrheit Nichts gelten: diese Thatsache führt den ausreichenden Gegenbeweis gegen alle ihre Beschuldigungen und Unwahrheiten. Was muß übrigens hinter den Coulissen vorgegangen sein, daß der Fürst sich zu diesem Schritte entschlossen hat? Vielleicht erfahren wir es. Rußland- Warschau, Anfang Septbr. (Privatmitth.) Dem Curator des hiesigen jüdischen Krankenhauses, Herrn Epstein, ist dem „Regieruugsanzeiger" zufolge der St. Stanislausorden zweiter Classe mit der kaiserlichm Krone verliehen worden..— Unsere diesjährige, zum Besten unserer Alterversorgungs- und Waisenanstalt im schönen „Sächsischen Garten" veranstaltete Pfänderlotterie, welche auch vom christlichen Publicum sehr stark besucht war, ist von einem äußerst günstigen Erfolge begleitet gewesen; sie ergab einen Reingewinn von 5000 Rubeln, eine die vorjährigen Einnahmen um 1000 Rubel übersteigende Summe. Wie gewöhnlich, so hat auch bei dieser Gelegenheit der Statthalter Graf Berg durch einen längeren Aufenthalt in dem von einer zahlreichen , den besten Ständen ungehörigen Menge besuchten Garten, durch Einkäufe und Gaben in Jedem der Zelte seine Theilnahme an dem schönen Unternehmen an den Tag gelegt. — Dem Vernehmen nach geht die Regierung mit dem Plane um, hierorts eine Rabbinerschule zu errichten, sowie die in Zhtomir und Wilna bereits bestehenden den gemachten Erfahrungen und den Ansprüchen der Gegenwart gemäß zu reorganisiren; auch sollen die Gesetze, welche sich auf die Besetzung und Verwaltung der Rabbiner beziehen und noch aus dem Jahre 1845 datiren, einer Revision unterzogen werden. Ebenso denkt nach den Berichten der russischen politischen Blätter die Regierung ernstlich daran, die Stellung der israelitischen Regierungselementarlehrer den gerechten Anforderungen der Zeit entsprechend zu verbessern. — Da es vielfach vorgekommen ist, daß namentlich ausländische, zumeist türkische Juden nach Rußland kamen, um sich vom Ersten Besten, der ja nach jüdischem Ritus vollkommen dazu qualificirt ist, jüdische Mädchen antrauen zu lassen, mit denen sie dann, besonders für die Harems des Sultans und des Vicekönigs von Aegypten, einen schändlichen Handel treiben, so sind alle Behörden durch ein Minister ialrescript angewiesen worden, gewissenhaft darüber zu wachen, daß den Bestimmungen des Gesetzes gemäß nur von den von der Regierung bestätigten Rabbinern, und zwar auch nur auf Grund amtlich beglaubigter Atteste über die in Betracht kommenden. Antecedentien des Bräutigams, Trauungen vollzogen werden. Aus allen Theilen des Landes hört man die erfreulichsten Nachrichten von der immer mehr steigenden Frequenz der höheren Unterrichtsanstalten Seitens der jüdischen Jugend, die sich zumeist auch durch Lerneifer und Fähigkeiten auszeichnet. Bemerkt zu werden verdient, daß überall von den Schulbehörden den gesetzlichen Bestimmungen gemäß auch den jüdischen Schülern und Schülerinnen, die sich durch ihre Leistungen Hervorthun, unterschiedslos alle Beneficien, als Prämien, Dispens von der Zahlung des Schulgeldes, Universitätsstipendien zu Theil werden, wodurch, wie auf der Hand liegt, besonders auf die unteren jüdischen Dolksclassen ein wohlthätiger Einfluß ansgeübt wird. Wer Gelegenheit hatte, beim Beginne des neuen Schuljahres (im August) sich ein Wenig in unseren Provincialgemeinden umzusehen, der wird nicht' wenig über den immensen Umschwung erstaunt gewesen sein, der sich in dieser Hinsicht in den niederen Sphären der jüdischen Bevölkerung vollzogen hat. Nur. die Chassidim machen noch eine traurige Ausnahme,, und leider bilden sie keine verschwindende Minorität in der Zahl unserer Glaubensgenossen..

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