Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1872)
- Date
- 1872-10-01
- Page
- Seite 792 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226852-3226893--31031-3253935- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
792 und dem toleranten Geiste unserer Commune Zeugniß gibt: Ob Leim nächsten Reichstage Angelegenheiten bezüglich der Israeliten Vorkommen werden, ist noch unbekannt. Sollte dies der Fall sein, so werde ich seiner ' Zeit Bericht erstatten. Türkei. Konstantinopel, im September. Am 5. Aug. fand die Einsetzung des neuen Chacham-Baschi, Mose Levi, statt. Er wurde in besonderer Audienz vom Sultan empfangen, und machte dann seine officiellen Aufwartungen bei allen höchsten Behörden. Man liest in der Zcvra, einem türkischen Journal in Bagdad: Es wurde letzthin unter den Mitgliedern der israelitischen Gemeinde eine Subscription zu dem Zwecke eröffnet, ein neues israelitisches Schullocal für unsre Stadt zu bauen. Man hat zu diesem Zwecke einige kleine Häuser gekauft und niedergerissen, um auf dieser Stelle das Schulhaus zu bauen. Die Rechtstitel dieser Häuser waren auf den Namen des Fano Effendi, des Bezirkssecretärs, übergegangen. Als man eines dieser Häuser, dessen Kaufpreis nur 15,000 Piaster betrug, niederriß, entdeckte man eine Blcchkiste, welche alte türkische Münzen, in Konstantinopel und Kairo geschlagen, zu einem Werthe von 200,000 Piastern enthielt. Dieses Geld wurde sogleich der Negierung übergeben. Der Bezirksgerichtshof, der über die Sache entschied, fällte das Urtheil dahin, daß nach den rechtsgültigen Bestimmungen dieser Schatz mit Recht dem Eigenthümer des Hauses, wo er gefunden, gehöre. Folglich wurde er den Händen des Fano Effendi übergeben. Wir erfahren, daß dieser Beamte folgende Verkeilung desselben vorgenommen hat. Ein Drittel hat er der Gewerbeschule zu Bagdad, das zweite Drittel der israelitischen Schule, und das dritte Drittel dem alten Eigenthümer des Hauses übergeben." h. isr.) Donaufürstei,thümer. Bukarest, im September. Zur Charakteristik der hiesigen Zustände geben wir folgende Mittheilungen der K.A wieder: Es hat die Rumänier schon sehr gekränkt, daß unter der gemeinsamen Note der Consuln in Bukarest gegen die Verfolgungen der Juden in der Moldau auch der Name des griechischen Consuls stand. Nun ist die zweite Veranlassung zum Aerger durch den griechischen Consul Antonopulo in Braila gegeben worden, dessen Streit mit der rumänischen Regierung über einen durch ihn verhafteten Griechen wir bereits erzählt haben. Da sämmtliche Consuln in Bukarest gegen das Verfahren der rumänischen Justizbehörde in Braila Protest erhoben, war die ganze Schuld auf den Jnstructionsrichter Davidesku geschoben und dieser seines Postens enthoben worden, während Antonopulo sofort wieder aus freien Fuß gesetzt ward. Wie wir der Allg.'Ztg. entnehmen, war der griechische Generalconsul Manos mit dieser Satisfaction keineswegs zufrieden, sondern packte seine Koffer und reiste nach Athen ab, nachdem er zuvor an den rumänischen Minister des Aeußern noch eine Note gerichtet, welche an Derbheit nur von der Antwort übertroffen wurde, welche der rumänische Minister ertheilte. Folgen wird die ganze Geschichte schwerlich haben, wenn nicht vielleicht Midhat Pascha es in diesem Falle für angemessen erachten sollte, sich zum Anwalt Griechenlands zu machen — ein Fall, der, so komisch er sich ausnimmt, doch nicht ganz unwahrscheinlich ist. — Das Finanzministerium hat ein sehr ernst gehaltenes Rundschreiben an alle Districtspräfecten des Landes gerichtet, worin dieselben aufgefordert werden, auf das Strengste darüber zu wachen, daß unter den Beamten der Regie des verpachteten Tabakmonopols sich ja keine „Fremden" befinden, d. h. solche Personen, welche nicht das volle rumänische Staatsbürgerrecht besitzen. Hauptsächlich ist dieses Circular gegen die Juden gerichtet, welche sich etwa unter die Beamten der Tabaksregie eingedrängt haben. — Der Administrator der „Rumän. Post" ist nun nach sechsundvierzigtägiger Untersuchungshaft vom Jnstructionsrichter freigesprochen worden. — Eine Dame in Braila hat 270 Ducaten zu Gunsten der Auswanderung der Juden gezeichnet. Bukarest, 13. Sept. Die „Rum.Post" theiltmit: „Beiträge zur Erleichterung der Judenauswanderung haben bis jetzt geliefert: Än Jassy, Frau Ecrtherina Zorn, 275 Ducaten in einem Schuldschein der Districtspräfectur. — Ein anderer Herr daselbst, eine Quantität Stricke um die auswandernden'Inden