Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1872)
- Date
- 1872-10-01
- Page
- Seite 791 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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sehr wohl, daß ihr Schicksal unter einer rein polnischen Herrschaft ein trauriges wäre, und so bringen sowohl ihre Ueberzeugung, als auch diese nationalen Verhältnisse sie dahin, ihr Heil in der bestehenden Verfassung und auf dem Grunde der liberalen Principien, welche sie ausgesprochen und zum Gesetze erhoben hat, zu finden. Zu beklagen ist nur, daß nach diesem Scheitern jener Verhandlungen, da die lemberger Juden sich in der Minorität wissen, diese gesonnen scheinen, sich der Wahl ganz zu enthalten. Wir glauben nicht, daß sie Recht daran thun, theils weil man niemals dem politischen Gegner ganz weichen muß, theils weil, wenn sie alle wählen, sie doch eine imposante Minorität bilden würden, mit der unter Umständen zu rechnen wäre. Eine Opposition, die noch dazu für Gesetz und Recht eintritt, muß immer auf dem Platze erscheinen, um ihr Dasein und ihre Festigkeit zu documentiren. Es wird daher von Einsichtigen dahin gestrebt, den Wahleifer wieder zu beleben. Wollen wir hoffen, daß dies von Erfolg ist. Frankreich. Paris, 1. September. In der jüngsten Zeit haben wieder verschiedene Israeliten Auszeichnungen erhalten. Der Astronom Moritz Lövy von der pariser Sternwarte ist zum Mitglieds des Längenbureau's ernannt worden. Felix Hsment hat von der Akademie den Preis Landry „zu Gunsten eines Schriftstellers, dessen Talent sich bereits bemerklich gemacht hat und der Aufmunterung würdig ist" erhalten, und zwar wegen seiner dem Unterrichte und der moralischen Verbesierung der arbeitenden Elasten gewidmeten Schriften. Ebenso erhielt der Professor der Rhetorik am Lyceum von Nancy, Hsmerdinguer, von der Akademie der Inschriften einen Preis von 2000 Francs für seine Schrift über die moralischen und politischen Ideen Xenophons. Herr Lisbonne, früher Vorsteher des Advocatenstandes zu Montpellier und Prüftet , wurde zum Präsidenten des Generalraths des Departements Hsrault gewählt, wie G. Bedarcides, Generaladvocat am Cassationshofe, zum Vicepräsidenten des Generalraths des Departements Rhonemündungen. Baron Alphons von Rothschild, Regent der Bank, Mitglied des israelitischen Centralconsistoriums, wurde Officier der Ehrenlegion. Derselbe sandte bei dieser Gelegenheit 30,000 Frcs. zum Besten der durch den Krieg Verwaisten. Schweden. Norrköping, 17. Septbr. (Privatmitth.) Wenn auch die Wahl der Abgeordneten für den kommenden Reichstag noch nicht geschlossen ist, so ist doch das schon gewonnene Resultat so erfreulich, daß es in der Zeitung des Judenthums einen würdigen Platz finden möge. In Gothenburg wurde nämlich der daselbst sehr geachtete und das Vertrauen seiner Mitbürger in hohem Grade genießende Advocat und Stadtbevottmächtigte, Herr A. Philipson, mit einer großen. Majorität als Reichstagsabgeordneter gewählt. Es ist der erste Israelit, der im schwedischen Reichstage Sitz und Stimme hat. Die daselbst erscheinende Zeitung „Goteborgs-Posten" vom 14. September äußert sich hierüber auf folgende Weise. Unter allen Verhältnissen kann sich doch unsere Stadt zum Resultate der Reichstagswahl beglückwünschen, denn die Personen, welche ihr Vertrauen erhielten, sind hervorragende, würdige, geachtete Männer. Besonders beachtens- und achtungswerth ist doch das Beispiel, welches die Gothenburger bei dieser Wahl dem ganzen Lande gegeben haben, da sie unter ihren Reichstagsabgeordneten mit bedeutender Stimmenanzahl einen mosaischen Glaubensbekenner gewählt haben, so daß sie sich die Ersten nennen können, welche einem Juden das höchste Mitbürgerrecht zuerkannt haben. Der klare Blick, die Gründlichkeit und die Sachkenntniß, welche den Mann charakterisiren, auf den diese Auszeichnung gefallen ist, Eigenschaften, die er in einer langen Reihe von Jahren mit unerwüdetem Eifer zur Entwickelung, zum Fortschritt und zum Besten der Commune in vielfacher Richtung entfaltet hat, lassen mit Sicherheit hoffen, daß die Stadt Gothenburg in ihm einen Mann gefunden hat, welcher mit Ehrenhaftigkeit seinen Namen denen anschließt, die nicht nur das Wohl der Commune, sondern auch des ganzen Landes bezwecken. Ist es auch für das Ausland Nichts Neues, daß Israeliten das höchste Vertrauen ihrer Mitbürger genießen und zu Vertretern des Landes, gewählt werden, können wir sogar begabte ausgezeichnete Männer dazu rechnen, so begrüßen wir doch hier in vielfacher Art diese Wahl mit Freude und guten Hoffnungen für die Zukunft. Auch hier erhielt der Tuchfabrikant und Ritter vom Wasaorden, Hermann Wahren, eine große Anzahl Stimmen, was ebenfalls von dem Vertrauen