Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1872)
- Date
- 1872-10-01
- Page
- Seite 790 (sequence 8)
- Language
- German
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alle Zukunft ausgedehnt würde. Die Geißel, welche durch diesen chassidischen Aberglauben über d,ie jüdische Bevölkerung geschwungen wird, ist ärger als die Cholera.. Diese raffteinzelne Personen hin, während jener ganze Geschlechter vergiftet. Es giebt-auch in Galizien aufgeklärte und wahrhaft religiöse Männer, welche die Bildung des. niederen. Volkes mit aller Kraft anstreben. Wer vergebens, widersetzen sie sich dem chassidischen Wahne. Der -persönliche Eigennutz, - der aus der- Verdummung des Volkes seinen Vortheil zieht,; nährt den Obscurantismus , , aus welchem dann der chassipische Wahnwitz immer reichlicher fließt. - - . 5! - A. Wollmann. ,, Czernowitz (Bukowina),-im Sept. (Die Wahrh.) Aus Czernowitz istuns vom Vorstande der Cultusgemeinde! folgendes --Circular-. zugekommen:!; ,;Bei dem Umstande, daß die hiesige sogenannte orthodoxe Partei nicht nur in Privatkreisen, sondern-sogar bei den hohen Behörden , der Ansicht Glauben zu verschaffen sucht, daß-. sie, in . jeder Beziehung die Majorität in der hiesigen iJudenschast, namentlich der hiesigen israelitischen (Stamm-) - Cultusgemeinde gegenüber, bilde, sieht sich -per Vorstand der czernowitzer israelitischen Cultusgemeinde zu Folge Beschlusses vom 27. Aug. 1872 veranlaßt, nachstehende statistisch-tabellarische Uebersicht auf Grund amtlich erhobener statistischer Daten darzust.ellen, um -das factische Verhältniß beider hiesigen israelitischen Cultusgemeinden zu einander in numerischer, materieller .und geistiger Beziehung klar zu legen" .Der nun folgenden statistischen Uebersicht entnehmenwir folgende interessante Daten: Czernowitz hatte nach den Volkszählungslisten von 1869 eine Bevölkerung von 33,884 Seelen mit einem Betrage .an directen Steuern von 87,982 fl. 49 kr.; davoir entfielen auf die Juden 9572 Seelen, und 45,207 fl, . 67 kr., und zwar auf die Stammcultusgemeinde 1705 Familien mit 38,742 fl. 21 kr., auf die sogenannte.orthodoxe Gemeinde 517 Familien und 6465 fl. 46-kr. directe Steuern. Pie schulbesuchende. Jugend der Stammcultusgemeinde ergab -die Zahl von 611, die der orthodoxendie Zahl von 130 Schülern, und Schülerinnen. An Hochschulen studirende Individuen zählte hie Stammgymehrde 56. männliche und ein weibliches, die-, arthodotz^ ,nyr.-.ein -männliches.- -. Eine sehr, -namhafte- Vertretung.. genoß die SLammcultusgeMnde.mnter;-den.Abgeordneten im Landtageim Stadtrathe, in Ausschüssen von Humanitäts- und Wohlthätigkeitsanstalten, während die Orthodoxen für solche Rubriken nichts aufzuweisen haben. Die Stammcultusgemeinde zählt Viele als Advocaten, Aerzte, Lehrer u. s. w. in der Reihe der Intelligenz , mehrere dienen als Ofstciere im k. k. Heere, und komisch genug nimmt sich ein Doctor der Rechte aus, der allein aus der Zahl von 27 Graduirten zu den Orthodoxen zählt. Wie weit es mit der Orthodoxie dieses Herren her fein mag? CzernowiH, im Sept. Das hiesige Landesgericht hat die ausgeschiedene kleine orthodoxe Gemeinde mit ihrer Klage wegen einiger Vermögensobjecte abgewiesen, während die Verwaltung einen Theil der Matrikenführung aus den Händen des Gemeinderabbiners genommen hat, noch ehe die Streitfrage zu irgend einer Entscheidung geführt worden war. Es liegt dies. im Geiste der galizischen Verwaltung. Lemberg, 12. Sept. (Privatm.) Bekanntlich hatte früher ein hiesiger Israelit, Herr Dr. Frankel, einen Sitz im galizischen Landtage. Nach Abgang desselben galt es, einen andern Israeliten als Abgeordneten in den Landtag zu bringen. Wir setzen es ebenfalls als unsern Lesern bekannt voraus, daß durch den hier bestehenden Verein „Schomer Israel" — nicht zu verwechseln mit den ungarischen „Schomre Hadath", zu denen Jener ziemlich den vollständigen Gegensatz bildet — ein Mittelpunct für , die politischen und socialen Bestrebungen, wenn nicht der galizischen/ so doch der lemberger Israeliten geschaffen worden ist. Mit diesem trat daher der „Polnische Fortschrittsverein", welcher die polnisch-föderalistischen Resolutionen vertritt, in Verhandlung. Vielleicht wäre aus diesen Verhandlungen die Wahl des Herrn. Kolischer hervorgegangen; dieser hat sie aber entschieden abgelehnt. Die Zwitterstellung, in welche er gerathen wäre, die polnischen Resolutionen vertheidigen zu sollen, während er und seine Glaubensgenossen treu zur Verfassung halten, rechtfertigt diese Ablehnung vollständig. Um so weniger aber konnte aus den weitern Verhandlungen zwischen den beiden genannten Vereinen irgend ein Resultat hervorgehen. Dieselben sind deshalb jetzt auch abgebrochen worden. Wir erwähnen diese Vorgänge hier,weil sie.charakteristisch für die Stellung unserer Glaubensgenossen in Galizien sind. Sie wissen