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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-10-01 · Heft 40 (1.10.1872) · p. Seite 789

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 40 (1.10.1872)
Date
1872-10-01
Page
Seite 789 (sequence 7)
Language
German
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und Ueberbürdung der Schülerkraft zu Leflirchten stünde; ebenso -verbietet die Gerechtigkeit, daß den Vorsängern, die/ ohnehin gegenüber dem Schullehrer nachtheiliger gestellt sind, ihre verfügbare Zeit noch weiter geschmälert werde, ohne dafür Remuneration eintreten zu lassen. Es steht zu erwarten, daß die hohe Behörde bald eine nach beiden Seiten hin befriedigende Entscheidung der Frage herbeiführen werde. Der Ausschuß erhielt ferner den Auftrag, den beiden Schwestervereinen, dem evangelischen und dein katholischen, den. Dank für die collegialische Beiziehung zur Berathung der Schritte bei den Bitten um Abänderung des Schulgesetzes, die von günstigem Erfolge gekrönt wurden, auszusprechen. Ein eingehendes Gutachten des Herrn Weil, pensionirten Lehrers in Stuttgart, über die Ertheilung des hebräischen Unterrichts in der Volks- und Religionsschule referirte erschöpfend den Gegenstand , und wird wohl durch den Druck einem größeren Publicum zugänglich gemacht werden. Allerseits bildete der Mangel an Interesse von Seiten der Aeltern und Schüler für dieses Pensum den Klagegegenstand der Lehrer. Die veränderten Culturzustände, die Uebersiedlung der Israeliten in die Städte, das Eingehen der israelitischen Volks- und Confessionsschulen ändert die Verhältnisse des israelitischen Lehrerstandes auf eine sorgenerregende Weise, und muß auch den zuständigen Behörden Stoff zur Fürsorge für Schulen und Lehrer geben. I... ■ Metz, im September. (Privatm.) Das hiesige israelitische Consistorium ist reconstruirt; 'es hat einige Mühe gekostet, angemessene Wahlen zu treffen, und sie von den Gewählten" angenommen zu sehen.' Dagegen ist es noch ohne geistliches Haupt, da der Großrabbiner Lippmann Metz verlassen hat und nach seinem neuen Sitze in Lille abgegangen ist. 'Die Wahl wird wahrscheinlich den Herrn Rabbiner Bigart, bisher in Pfalzburg, treffen, und kann in diesem Falle nicht angemessener sein. Herr Bigärt hat ^sich während der langen Belagerung als den treuesten Seelenhirten-bewiesen, und ist ein Mann von Eigenschaften , wie sie den Geistlichen zieren. Oesterreichischungarische Moyarch^, Linz, im September. (Privatm.) : Wie die Zugvögel, so haben auch die Chassidim ihre alljährliche Zugzeit, wo sie chre Nester verlassen, um nach S andec, der Pflanzstätte des Obscurantismus und des stupidesten Aberglaubens, auszufliegen. Diese Zeit fällt gewöhnlich in die ersten Tage des Monats Elül. Sobald der Posaunenschall das Herannahen des Neujahrs verkündigt, ziehen die Chassidim in großen Schaaren, sowohl aus Galizien als auch von Russischpolen nach Sandec, um dem daselbst mit offenen Händen und heuchlerisch verdrehten Augen thronenden Wunderrabbi ihre lediglich in reichlichen Schenkungen sich mänifestirende Huldigung und Verehrung darzubringem Üm diese Zeit nimmt die Stadt und mit ihr der Rabbi eine freundliche Physiognomie an; das sonst stille Leben gewinnt mit der Zunahme der Wallfahrer an Lebhaftigkeit und Regsamkeit; überall auf derr Straßen von Sandec wimmelt es von Chassidim, die aus weiter Ferne gekommen sind, ihr von Schicksalsschlägen ge-, preßtes Herz und alle sonstigen Kümmernisse dem Wun - dermanne auszuschüttem'•; Männer/''-WeGer- und Ander, Alles, was sich nur regt und am Wunderglauben hängt, wallfahren im Monat Elul, in grossen Fuhrkarren angehäuft, nach dem -in Galizien Und Russischpolen allgemein bekannten Wallfährtsörte in der trostvollen Zuversicht , daß der heilige Wundermänn zu Sandec, der, wie die fanatische Menge glaubt, in directem Verkehre mit der Gottheit steht, das von Gott am Neujahr jedem Erdensohne beschiedene Verhängniß abzuwenden vermag. — Daß die wahnbethörten Fanatiker miteinander in den Gaben und Schenkungen an den Rabbi wetteifern, und dadurch der -Letztere ein brillantes Geschäft macht, indem jeder der Wallfahrer seinen in einem Amulet bestehenden Segen mit schönen Goldstücken honorirt, glaube ich nicht erst beifügen zu müssen. Auch ist der Rabbi so einsichtsvoll, 'daß er von dem ärmsten Menschen eine Schenkung, möge dieselbe noch so gering sein, annimmt, von der Voraussetzung ausgehend „Nehmen ist besser als Geben". -Wie alljährlich sollte auch Heuer iw Monat Elul der" Chassidimschwarm die sändecer Luft durchschwirren, und' 'der dortige Rabbi eine reicht Ernte machen. Da kam nun die Statthälterei und machte dem Rabbi einen Strich durch die Rechnung. In Folge' der in Galizien in einzelnen Fällen aufgetretenen Cholera wurde von Seiten der Statthälterei den Juden m Galizien das WaM führten nach Sandec strengstens untersagt. Wohl wäre es zu wünschen, daß dieses Verbot nicht blos auf das laufende Jahr beschränkt, sondern'äüf

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