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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-09-24 · Heft 39 (24.9.1872) · p. Seite 780

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 39 (24.9.1872)
Date
1872-09-24
Page
Seite 780 (sequence 18)
Language
German
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bestchen, als vielmehr trotz ihrer rüstig fortzuschreiten, sortzuarbeiten, fortzuwirken.! . Sir Moses Morttefiore's Reise nach St. Petersburg. Wir erhalten soeben in prachtvoller Ausstattung ein Exemplar des Berichtes, den Sir Moses Montefiore, Bart-, an das londoner Comitt der Bepulivs of ths British Jßws über seine Reise nach St. Petersburg abgestattet hat, und wir-, Heeilen uns> unseren Lesern, das ErwLhnenswerthe daraus mitzutheilenr Der -Board dieser Deputaten besteht, wie die vorangedruckte Liste zeigt, aus 20 Vertretern von 9 londoner Synagogen, und 20 Vertretern von 1-9 Synagogen, ausder Provinz. Bekanntlich sind nicht alle, englischen Reformgemeinden daran Letheiligt. .?. Die. zweihundertjährige Feier -der Thronbesteigung' Peters des Großen von Rußland, veranlaßte diese Versammlung am L0. Juni d. I. zu dem einstimmigen Beschluffe, eine Glückwunschadreffe an den Kaiser Alexander ll. .zu richten, und der Präsident Sir Moses Montesiore entschloß sichtrotz seines hohen Alters von 89 Jahren, diese Adresse persönlich dem Kaiser zu überreichen. Er beharrte bei diesem Vorsatze, trotz dem ihm! vor seiner Abreise/die Nachricht zukam, daß in St. Petersburg die Cholera ausgebrochen sei. Die Blätter, die uns vorliegen, enthalten, nun den Bericht über dieseReise vom 14. August. Sie wird - sehr .umständlich beschrieben, immer aber in einfacher, bescheidener Weise und mit freundlichem Danke gegen alle,, die dem edlen Greise voll Achtung und Anerkennung entgegengekommen sind. Sein Reisegefährte war wie bei 'früheren Gelegenheiten Dr. & Löwe. Am 13. Juli, schifften sie sich nach Gothenburg ein, vom wo > mit der- Eisenbahn die Fahrt nach Stockholm ging. -.,Von hier: gelangten sie glücklich in Petersburg an. Empfohlen von Earl Granville und dem russischen Gesandten Grafen von Brunnow, wurde Sir Moses von den höchsten russischen Behörden aufs Ehrenvollste empfangen und ihm eine Audienz beim Kaiser zugesagt, der, auf. militärischen Manövern abwesend, bald zurückkehren und ihm Tag und Stunde bestimmen lassen werde. Es > geschah dies für den 24. Juli 11 t/2 Uhr Vormittags im Wintäpalaste. Hier wurden Sir Moses und Dr. Löwe mit allen üblichen Ehren bei dem Kaiser eingeführt; er nahm en huldvollster Weise die Adreffe entgegen, sprach fließend/in . englischer Sprache zu den beiden Herren über den Inhalt derselben, erwähnte des Aufenthalts Sir Moses Montefiore's 1846 in St. Petersburg, und entließ ihn . freundlichste Die Adreffe, welche der Bericht mittheilt, lobpreist mit würdigen Worten Peter den Großen? als den Vater seines Volkes und den Regenerator. Rußlands,' und spricht dem Kaiser den Dank für die vielen Wohlthaten aus, die er seinen israelitischen Uuterthanen hat. zukommen kaffen. Mit der Bitte zu.Gott um ein langes und glückliches Leben'-, für den Kaiser schließt sie.,• *-. ■ ' Hiermit - war Sir Moses'-Mission beendet, Änd näch den üblichen Abschiedsbesuchen', nebst Hinterlaffung einer, bedeutenden Summe für die Armen, und nach Empfang rnehrerer Deputationen und Privatleute, verließ er St. Petersburg,-. semen -Rückweg zu Lande über Königsberg änttetend. Sir Moses drückt die Befriedigung aus, die Lage der Juden in Petersburg seit seiner Anwesenheit '4846 unter dem Kaiser Nikolaus so überaus günstig verändert gefunden zu haben, besonders daß sich kein geringer Grad von Bildung unter ihnen bemerklich mache. Am 26. Juli erreichten sie Königsberg, wo der Sabbath gehalten würde. Bis Küstrin kam dem Reffenden Dr. Hildesheimer aus Berlin entgegen, der Sir Moses als „Oberrabbiner von Berlin und im Aufträge dieser Gemeinde" vorgestellt wurde, denn so bezeichnet ihn Sir Moses wiederholt. Das ist gewiß etwas stark. Ueber - Hannover, Cöln, Aachen ging es zurück und die Ankunft i in London war eine glückliche. Bei der Genauigkeit, wit welcher der Bericht jedes Vorkommniß erzählt, und jede Unterhaltung charatterisirt, ist es nicht gestattet anzunehmen, daß Sir Moses' Reise; irgend einen anderen Zweck hatte, und irgend etwas an- , deres anstrebte oder erreichte, als was der Beschluß des Board ihm ausgetragen hatte, die Überreichung der ge-; dachten Adresse an den Kaiser. Unsere eigene ftühere Vermuthung. daß es gelte, eine Verwendung Rußlands für die.rumänischen Juden zu erwirken, muß also gänzlich, aufgegeben werden. Um so höher muß es angeschlagen werden, daß der hochbetagte Greis um einer solchen Courtoisie willen die weite Reise unternommen hat. Daß. dies auf den hochherzigen Kaiser einen günstigen Eindruck gemacht haben wird, läßt sich nicht , bezweifeln. Eine doppelte Hinrichtung in Marseille. ' Das ist ein trauriger Gegenstand, wie er Gott sei Dank nur selten in diesen Blättern zur Sprache kommt! Wie viele Israeliten kennt man in einem Lande, in einer Generation, die ein des Todes würdiges Verbrechen begangen hätten? Trotzdem haben sich solche in Marseille gefunden. Ein schreckliches Drama hat sich dort kürzlich zwischen Landsleuten und Glaubensgenoffen abgespielt. Der unglückliche Kaufmann Grego, ein Israelit und Tunese, war verrätherisch ermordet, in Stücke geschnitten und' in's Meer geworfen worden — das letztere hat als Bluträcher die Leiche wieder ausgeworfeü — von Israeliten und Tunesen, die drei an der Zahl waren. Einer von ihnen ist begnadigt' worden, die andern beiden, Sitbon und Toledano, durch das Schwurgericht zu Aix

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