Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1872)
- Date
- 1872-09-24
- Page
- Seite 779 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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FeMeton-Geilllge zu Nr. 39. Leipzig, den 24. SepLerttbev 1872. Znm Schluffe des religiösen Jahres. Das ablaufende Jahr war,- der Vorsehung sei Dank! ein Jahr des Friedens. Mit Ausnahme etwa der Kampfe in einigen Staaten von Mittel- und Südamerika ruhten überall die Waffen, und wurde Ohr und Her^j des' Menschenfreundes vom Donner des Geschützes und woNi Geklirre der Schwerter nicht erschüttert und verletzt. Ueberall machte sich das Verlangen nach Frieden in Völkern und Herrschern fühlbar; selbst da, wo die Volksleidenschast in ihrer Erregung vorangegangenen schweren Kämpfen noch nachzitterte, begann sie sich allmälig zu beschwichtigen. Vieles geschah vielmehr, was als eine Bürgschaft dauernden Friedens angesehen werden kann. Schnell, richtete sich daher das Vertrauen überall wieder auf. Große Werke des Friedens wurden geplant und begonnen, Riesenwerke, wie frühere Zeiten sie nicht geahnt. Mögen diese beglückenden Aussichten für eine lange Reihe von Jahren sich bewahrheiten, und alle die Nebelwolken verschwinden, welche sich noch hier und .da um die Höhen und' in die Haler hinein, ziehen. Wissen wir ja , daß dennoch, auch mitten im Völkerfrreden, die Kämpfe nicht aufhören, und daß große schwer zu lösende Fragen zwischen den Menschen sich erheben, sie in Parteien theilen und diese sich mit allen Kräften befehden, welche ihnen zu Gebote stehen! . . Wir wollen in diesem Augenblicke nicht in die Schilderung der einzelnen Vorgänge eingehen, und wenden uns lieber zu unserer Glaubensgenossenschaft, für welche auch das ablaufende Jahr nicht ohne Bedeutung war. Ueberall sahen wir das Werk der Gleichberechtigung fortschreiten und der Vollendung sich nähern. Da wo man lange Zeit sich * sträubte, die letzten Forderungen dieses Grundsatzes des Rechts und der Humanität zu erfüllen, wo man immer noch unseren Glaubensbrüdern selbst bei vollster Befähigung gewisse Laufbahnen zu verschließen und dem Juventhume gewisse Rechte vorzuenthalten sich bemühte, hat man sich entschließen müssen nachzugeben, und selbst da, wö man ihnen noch die bürgerlichen Rechte. ängstlich züwägt, fühlte man sich genöthigt immer michreres züzugestehen. , / Die Conftituirung des deutsch-israelitischen Gemeinde-' bundes und die Eröffnung der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums sind -zwei Thatsachen aus dem , Zeiträume dieses Jahres, welche bezeugen, daß die'-Mechie! innerhalb-unserer Glaubensgenössenschast'nM- Wachsen be- - griffen ist. Beide Institute?-Md ArVi^ ZükUnft der-! heißungsvoll. / Möge der edle Wille- und dwschone-That-! kraft, die sich in ihrer Gründung bethättgtek) älle- Er-! Wartungen für - Leben und - Wissenschaft/ die''-sich-d'M'n? knüpfen, sich Verwirklichen! Diesem gegenüber haben-wir - die ftcev'elhasten Verfolgungen zu stellen, wel^e sich für die Juden nv lRumänien an den zweiten^ Januar knüpften. Wie' der Haß siegeboren hat, soWären sie selbst den Haß immer von Neuem, der' die: Würtsührer Mnd . Machthaber dieses Landes beseM Nicht die 'KüttdthMwgen der ganzen civilisirten Welt -WstNeU' - Nüs^ d'LM-'HeNÜgend entschädigen. Gleicht doch dieses Volk MerU Tiger, dem das Gebiß verbunden ist, der aber nur einen'Mgenblick der Nichtbeachtung erwartet/ Um. sich über ftine wehrlose Beute herzüstürzen. Auch die Menschen' tödkende Hungersnoth in Persien war - für die dortige Bevölkerung eine schwere Calamität, welche Doch - die' Opferwilligkeitder europäischen Juden, insbesondere! der englischem mnd deutschen, in schönem Lichte zerM Verhehlest wollen Mr /es uns nichts daß---die'---öffeütlW-Mdmüngi iM'^gaWn: gegen wns noch rlange'-Mcht -jMd'Slufe '-der-BMWWMd gerechter Würdigung erreicht hat/ welche - für ünserbn' Fiie-' den und' unsere ungehinderte Entwickelung' wün'scheNsWerth' üst So kamew uns noch in veftletzten' Tagest schwere ' Angriffe auf die? Juden dUs Frankreich z'U,- Mit denen wir uns in nächster Zeit beschäftigen muffen.*) ' 1 v ' So, mögen wir uns um -so .mehr gedrungen., fühlest^ uns an den bevorstehenden Festen -geistig zu stärken-, :z«r;erheben und. vom Geisteder: / Religion durchwehen: lassen, nicht sowohl um die immer erneuten-. Kämpfe; zu- *) Der Angriff ging von dein Joürnäl GaRbettäÄ ,/l.a trallykUss" aus. Mit gewohnter ÄÜstigkeit ünd Kraft trat' ihm Herr LevY-Bing^ entgegen. Die Sache?hät eine allgemeine Bedeutung / undwir Muffen deshalb! 4Äraüf' eingeheü. . . -- -