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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-09-24 · Heft 39 (24.9.1872) · p. Seite 772

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 39 (24.9.1872)
Date
1872-09-24
Page
Seite 772 (sequence 10)
Language
German
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daß in den Gymnasien der 12. Schüler, in deren Vorschulen der 9., in den Progymnasien der 13. und inderen Vorschulen der 9., in den Realschulen erster Ordnung der 12., in deren Vorschulen der 11., in den Realschulen zweiter Ordnung der 6. und in deren Vorschulen der 5., endlich in den höheren Bürgerschulen der 20. und in deren Vorschulen der 27. Schüler ein Jude war. Da nun bekanntlich in Preußen erst der 70. Mensch der jüdischen Religion angehört, so ersieht jedermann, um wie viel stärker die Frequenz seitens der jüdischen Jugend ist. Da zugleich der Besuch der Vorschulen ein verhältnißmäßig noch stärkerer ist, so geht daraus hervor, daß auch in Zukunft dieses Aerhältniß ein bleibendes sein wird. Hervorzuheben ist noch, daß das Aufblühen der Realschulen den Gymnasien bei den Juden keinen Abbruch gethan hat, was bei der commerciellen Richtung unter unsren Glaubensgenossen hätte leicht besorgt werden können. ^kstcrreichischungarische Monarchu'. Wien, 13. Septbr. Aus der kaiserlichen Staatsdruckerei ist dem im October zu eröffnenden, von Ludwig August Frankl gegründeten und geleiteten israelitischen Blindeninstitute eine vollständige Druckereicinrichtung geschenkt worden, um Blinde zur Mithülfe beim Setzen und Drucken, wie dies neuerdings versucht worden ist, bilden zu können. — Dem vielverdicnten Herrn Kalischer in Lemberg ist die von ihm nicht gesuchte Wahl zum Mitglieds der Landesvertretung angetragen worden. Schweiz. Genf, im Aug. Bei dem letzt mit günstigem Erfolge zu Ende gehenden Schiedsgerichte zwischen England und Amerika über die Alabamafrage sind unter den zu diesem Schiedsgerichte delegirten Rechtskundigen zwei Israeliten: der Geueralstaatsanwalt G. Jessel und Arthur Cohen. Arabien. Aden, 24. August. Dieser Tage hatten wir hier auf unserem Felsensitze eine kleine Revolte; es war aber keineswegs ein Aufstand gegen die englischen Herren des Landes, sondern eine „Judenhetze-. Am 21. Abends eilten Plötzlich alle Muhammedaner (Araber und Somali) mit wüthenden Rufen durch die Straßen, drangen in die Häuser der Israeliten ein .und verschworen sich, alle Juden tödten zu wollen, weil einer derselben ihren Propheten Muhammed geschimpft habe. Nach zwei Tagen gelang es, die Muhammedaner durch sehr strenge Bestrafung des angeblichen Beleidigers ihres Propheten zu beruhigen, und die armen Juden können wieder an das Tageslicht kommen und ihrer Arbeit nachgehen. Rußland. Warschau, im August. (Privatmitth.) Wer sich einen Begriff davon machen will, in welcher Weise und durch welche Mittel in deutschfeindlichen Ländern einerseits der Haß gegen Deutschland geschürt wird und zum Ausdruck gelangt, und andererseits die sogenannten Sympathien für Frankreich genährt werden und an die Oeffentlichkeit treten, der braucht blos einen Blick in die hiesigen politischen Zeitungen zu thun und sich die Taktik etwas näher anzusehen, die sie in Bezug auf beide Länder beobachten. Da wird alles Lobenswerthe und Schöne, was in und an Deutschland ist und geschieht, so viel wie möglich ignorirt, oder, wenn dies nicht gut angeht, abgeschwächt, mißverstanden, falsch oder wenigstens nicht geradezu günstig und wohlwollend gedeutet und beurtheilt, indeß die kleinsten Fehler, die geringsten'Schwächen, die unbedeutendsten Mißgriffe an und innerhalb der deutschen Nation mit bewaffnetem Auge sofort entdeckt und mit stets bereiter Feder und herzinniger Befriedigung an die große Glocke gehängt werden, und zwar wo möglich in solcher Gewandung, daß dadurch in dem sittlich entrüsteten Leser die stärksten Wallungen hervorgerufen werden. In Bezug auf Frankreich wird aber das gerade umgekehrte Verfahren gehandhabt. — Nun ist es freilich richtig , daß die nichtjüdische polnische Welt mit dem französischen Volke seit Jahrhunderten in den innigsten politischen, religiösen, verwandtschaftlichen, gesellschaftlichen und literarischen Beziehungen stand, während sie sich von Deutschland einer Schädigung ihrer nationalen Interessen versah, wodurch ihre Sympathien und Antipathien erklärt sind, um so mehr, wenn man bedenkt, daß Leidenschaft blind — blind gegen Freund und Feind — macht. Wie aber steht es mit unseren polnischen Glaubensgenossen? Wann haben ihre

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